11.05.2016, 10:00 Uhr

In der Reparatur den Ton angeben

Gestärkt in den Tag ging es im Café Polanz mit freundlicher Bedienung von Elisabeth Bokan für WOCHE-Redakteurin Verena Schaupp und Andrea Grießl, die in Begleitung ihrer Mutter Erika kam (v. r.). (Foto: prontolux)

Andrea Grießl über den Wandel des Musik-Fachhandels in Zeiten des Internet.

Warum der Weg ins musikalische Familienunternehmen trotz eines Vaters im Musikverein und einer frühen Liebe zu Instrumenten mehr Zufall war, und was Instrumente mit Autos verbindet, erzählt Andrea Grießl vom Musikinstrumentenhaus Grießl beim WOCHE-Business-Frühstück.

Sie betreiben ein Musikinstrumentenhaus – ist das noch ein Geschäft, mit dem man am Markt überleben kann?
Wir sind spezialisiert auf Blasinstrumente und haben eine Fachwerkstätte dabei. In diesem Bereich sind wir in Graz die einzigen. Es ist aber schon so, dass man mittlerweile breit gefächert sein und vieles anbieten muss, um im Geschäft zu bleiben – wir haben auch E-Gitarren, Gitarren, Schlagzeuge, E-Pianos und Percussion im Sortiment.

Wenn Sie in Graz das einzige Musikinstrumentenhaus dieser Art sind, gibt es überhaupt Konkurrenz für Sie?
Die größte Konkurrenz ist das Internet. Wenn es online um nur zehn Euro weniger kostet, wird oft dort zugeschlagen. Das ist schon schade, denn wir können in unserem Laden mit Beratung und persönlichem Service aufwarten, und man kann die Instrumente ausprobieren.

Welche Dienste haben Sie neben Service und Reparatur noch im Angebot?
Wir bieten Workshops, zum Beispiel Saxofon- oder Querflötenkurse mit prominenten Musikern auf den Gebieten, an. Außerdem sind wir in Kindergärten und Volksschulen unterwegs, wo wir den Kindern die Unterschiede zwischen Holz- und Blechblasinstrumenten erklären.

Und wie ist das Feedback der Kleinen?
Sehr gut, sie haben immer Spaß daran, die Dinge zu testen. Unser Hauptgeschäft ist auch von Schulanfang bis Weihnachten. Nach den Sommerferien wird festgestellt, dass die Instrumente nach zwei Monaten im Kasten nicht mehr funktionieren. Da kommen dann alle gleichzeitig zu uns, weil sie ein Service brauchen.

Wie sieht so ein Instrumenten-Service bei Ihnen aus?
Bei einem Holzblasinstrument werden die Klappen eingestellt, alles abgedichtet und durchgeölt – die beweglichen Teile gehören genauso geölt wie beim Auto. Ein Blechblasinstrument wird komplett durchgewaschen – in die Badewanne rein, Schlauch anstecken und los. Das könnten die Leute auch selber machen. Instrumente werden oft zu wenig gepflegt. Genauso sollte einmal im Jahr ein Service durchgeführt werden, wie bei einem Auto eben.

Wenn Sie so erzählen, klingt es, als ob für Sie nie ein anderer Job in Frage gekommen wäre?
Ganz im Gegenteil. Mein Vater hat das Geschäft 1992 eröffnet, 2007 habe ich es übernommen. Ich bin eine Quereinsteigerin – ich spiele zwar Instrumente, aber das war’s dann auch. Ich habe vorher bei einem Versicherungs- und dann bei einem Logistikunternehmen gearbeitet. Meine Eltern wollten die Firma eigentlich schon verkaufen, aber im letzten Moment habe ich mich entschieden, mitzumachen. Ich habe dann auch gleich begonnen, Saxofon zu lernen. So kann ich die Kunden besser verstehen und beraten.

Gibt es bestimmte Instrumente, die im Trend liegen?
Einmal gab es einen TV-Werbespot, indem „Kazoos“ (Erklärung: Ansing-Trommeln) vorgekommen sind. Plötzlich wollten alle dieses Instrument kaufen, obwohl keiner darauf spielen konnte (lacht).

Steckbrief Andrea Grießl

Übernahm 2007 das Geschäft ihres Vaters.
Ist Eigentümerin des Musikinstrumentenhauses Grießl.
Geboren am 24. 7. 1979 in Graz.
Spielt selbst mehrere Instrumente: Saxofon, Querflöte, Klavier und etwas Gitarre.
Musik ist für sie der ideale Ausgleich. Beim Klavierspielen vergisst sie alles um sich herum und konzentriert sich nur auf die Noten und die Melodie.
Hat einen 14 Monate alten Sohn namens Aurelian.
Fährt gerne nach Kroatien zum Beachvolleyball spielen.
Absolvierte die Handelsakademie in Graz und war vor ihrem Einstieg ins Familienunternehmen bei einer Versicherung und einem Logistikbetrieb tätig.
Ihre Eltern sind zwar beide in Pension, aber im Hintergrund der Firma immer noch im Einsatz.
Ab und zu musiziert sie mit Freundinnen auf Hochzeiten.

Musikinstrumentenhaus Grießl

Eröffnung: 1992
Gegründet von Alois Grießl
Mitarbeiter: 4
(Voraussetzung für alle Mitarbeiter: gute Beherrschung eines Blasinstrumentes)
Service: Reparatur, Pflege, Workshops, Eigenbau
Kontakt: Wiener Straße 235, 8051 Graz
Telefon: 0316/68 10 01

Gast und Wirtschaft

Café Polanz
Waagner-Biro-Straße 133, 8020 Graz
Tel.: 0316/58 77 10
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 7.30 bis 1 Uhr, Sonntag 8.30 bis 1 Uhr, kein Ruhetag.
Beschreibung: Das Café Polanz ist fünf Minuten vom dazugehörigen Hotel Bokan entfernt. In gemütlicher Kaffeehaus-Atmosphäre kann man zwischen Süßspeisen und kleinen Mahlzeiten wählen. Eine große Terrasse lädt zum Verweilen im Freien ein.

Das Essen
Andrea Grießl und ihre Mutter Erika entschieden sich für ein gemeinsames großes Wiener Frühstück, die WOCHE wählte ein kleines Wiener Frühstück. Zu diesem klassischen Start in den Tag gab’s Caffé Latte und Cappuccino.
Die WOCHE meint: Unter der breiten Auswahl an Frühstücksköstlichkeiten (Lachsteller, gesundes Frühstück mit Müsli, English Breakfast, Omelette …) fehlte es auch der traditionellen Wiener Variante mit Butter, Marmelade, Schinken, Käse und Orangensaft an nichts.
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