Hospizverein Baden
Martina Meissner bleibt bis zum letzten Moment bei den Menschen

Martina Meissner engagiert sich im Hospizverein in Baden. Hier mit Handpuppe Paulina. Diese kommt bei den Besuchen in der Schule zum Einsatz.  | Foto: Mirjam Preineder
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Der Verein Hospizbewegung Baden begleitet Menschen und ihre Angehörigen am Ende ihres Lebens und möchte die Angst davor lindern, indem sie sie nicht allein lässt.

BEZIRK BADEN. Martina Meisser aus Pfaffstätten ist ehrenamtlich tätig beim Verein Hospizbewegung Baden. Ihre erste Begegnung mit dem Sterben war 1997, als ihre Oma gestorben ist, die von ihr und ihrer Mutter gepflegt wurde. Als das Ende nahte, fühlten sie sich überfordert, trotzdem wollten sie, dass die Oma zuhause sterben darf. Meisser erklärt: "Es war total friedlich, es war noch ein tiefes Atmen." 

Als sie dann vom Hospizverein hörte, ist sie hingegangen, das ist fast 25 Jahre her. Sie betont: "Es ist eine Unterstützung für die Angehörigen, man kann erklären, was wird passieren. Ich möchte andere unterstützen. Die Vorstellungen vom Sterben sind sehr schlimm, aber oft ist es ganz friedlich. Das Gesicht ist danach friedlich. Viele sind total froh, dass sie dabei waren. Es ist ein besonderer Moment, wenn man dabei sein darf, es prägt."

Begleiten von Familien

Für Martina Meissner gehörte zu ihren ersten Aufgaben das Begleiten von Patienten und ihren Angehörigen zuhause. Es gibt aber auch Betreuungen im Pflegeheim. Sie hat die Ausbildung gemacht, um auch Kinder betreuen zu können, aber auch die, um in Schulen zu gehen.

Seit 2011 ist sie an Schulprojekten beteiligt. Unter dem Motto "Hospiz macht Schule" kommen Hospizbetreuer in Schulen, zu Kindern und Jugendlichen ab der 3. Volksschule. Dabei erzählen sie von den Aufgaben des Hospizvereins und erarbeiten die Themen Abschied, Tod und Trauer in Workshops. Sie berichtet: "Die Kinder sind fasziniert und wollen alles ganz genau wissen. Sie freuen sich, über das Thema reden zu dürfen, sie wissen, zuhause werden Mama und Papa traurig, deshalb wird wenig darüber geredet. Wir machen auch einen Ausflug zum Friedhof oder Bestatter, da werden viele Fragen gestellt."

Martina Meissner mit Handpuppe Paulina.  | Foto: Mirjam Preineder
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Sie betont, wie wichtig es ist, mit den Lehrern zu sprechen, wenn es in Familien eine Trennung, jemand Schwerkranken oder einen Todesfall gibt, damit sie wissen, wieso das Kind anders ist: "Das sagen wir auch immer den Familien."

Meissner weiß, "Kinder kann man überall mitnehmen, ins Krankenhaus und auch zum Begräbnis, man muss sie aber vorher vorbereiten, wie es ausschaut, z.B. die Schläuche im Krankenhaus. Oder beim Begräbnis sollte man eine Person haben, der das Kind vertraut, die mit dem Kind rausgehen kann, wenn es zu lang wird." Sie erzählt von berührenden Momenten mit Kindern, die sich von ihren Großeltern verabschiedet haben. Die noch Zeichnungen und auch ein Fußballshirt der Oma mit ins Grab gegeben haben, das Kind sagte: "Sie ist auf alle Fußballmaches mitgegangen". Die erfahrene Begleiterin weiß: "Es ist für Kinder toll zu wissen, die Oma hat etwas von mir, das ich ihr geschenkt habe. Es ist für Kinder nicht traumatisch, sondern hilft ihnen mit der Situation umzugehen."

Sternenkinder 

Ein weiteres wichtiges Projekt an dem sie beteiligt ist, in Baden wurde vor drei Jahren am Stadtpfarrfriedhof eine Sternenkinder-Gedenkstätte errichtet. Hier können Angehörige ihrer vor, während oder kurz nach der Geburt verstorbenen Kinder gedenken. Familien können Sterne mit dem Namen oder Kosenamen des Kindes gravieren lassen, einen für das Denkmal, eines für zuhause. Wenn Babys sehr früh verloren werden, gibt es meist nichts, das bleibt, so hat die Familie etwas Sichtbares, das da ist.

Sternenkinder-Gedenkstätte im Baden. Gedenkfeiern finden jährlich statt. | Foto: Christian Dusek
  • Sternenkinder-Gedenkstätte im Baden. Gedenkfeiern finden jährlich statt.
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Parallel dazu gibt es eine Trauergruppe für Angehörige von Sternenkindern. Der nächste Termin dafür ist am 10.6. Information und Anmeldung: Hospizbewegung Baden, Mühlgasse 74, 2500 Baden, +43650 2286622 oder unter mht@hospiz-baden.at. Diese Trauergruppe ist ihr als Sternenkind-Oma ein wichtiges Thema.

In Weigelsdorf gibt es ein Sternenkindergrab, bei dem Frau Kuchler vom Glasmuseum mitgewirkt hat. In der Vöslauer Pfarrkirche gibt es einen Gedenkplatz, an dem Kerzen entzündet werden können. Diese Plätze sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass es noch ein Kind gegeben hat.

Am Worldwide Candle Lighting Day, am 2. Sonntag im Dezember wird - von Eltern in Amerika initiiert - um 19 Uhr eine Kerze ins Fenster gestellt. Für alle verstorbenen Kinder. So geht ein Lichterkreis um die Welt. In Baden wird jedes Jahr in einer anderen Kirche in einer besonderen Messe der verstorbenen Kinder gedacht.

Für Martina Meissner ist auch der TrauerRaum ein wichtiges Anliegen, den sie initiiert hat. Heuer findet er zum 7. Mal statt, immer um Allerheiligen. Am 31. Oktober und am 1. November 2026 findet der TrauerRaum in der Aufbahrungshalle am Stadtpfarrfriedhof statt, "denn da sind die Menschen dort". Es gibt eine Eröffnungsfeier mit Geschichten und Musik. Es gibt auch eine Gedenkfeier beim Sternenkinderdenkmal. Zum Abschluss werden in einem Feuerritual Zetteln mit Bitten, Dank oder Wünschen verbrannt, die zuvor in eine aus Ziegeln gebauten Klagemauer gesteckt wurden. In der Halle werden viele verschiedene Stationen aufgebaut, zum Nachdenken und Reflektieren.  Auch die Hospizbegleiterinnen stehen für Gespräche bereit. Es gibt auch einen Extraraum für intensivere Gespräche.

Durch ihre Projekte betreut Frau Meissner aktuell weniger Patienten und ihre Angehörigen, aber bei Familien mit Kindern wird sie oft dazugeholt.

Hospizverein Baden

Im Hospizverein Baden gibt es zwei Teams, das der Ehrenamtlichen und das Palliativteam, das sind die medizinischen Kräfte mit Ärzten, Krankenschwestern, Psychotherapeuten und Sozialarbeiter, die sich hauptamtlich um die Patienten kümmern. Diese melden dem freiwilligen Team auch oft Fälle, die Unterstützung benötigen. Beide Teams arbeiten kostenfrei. 

Meissner weiß: "Es ist faszinierend, man hört unglaubliche Lebensgeschichten. Was die Menschen erlebt und erlitten haben. Gerade bei den Kriegsgenerationen." Sie erläutert: "Oft ist Vermitteln ein Part unserer Aufgabe. Es ist gut sich auszusprechen. Auch das Begräbnis im Vorhinein zu besprechen wäre gut."

Sternenkinder-Gedenkstätte in Baden. | Foto: Christian Dusek
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Die Ehrenamtlichen im Hospizverein erleben viele bewegende Momente, vieles davon ist schön, aber es gibt auch Belastendes. Dafür gibt es sechsmal im Jahr Supervision für die Freiwilligen. Aber auch dazwischen sind die Kollegen und Koordinatoren für die Mitarbeiter da, man spricht miteinander.

Martina Meissner stellt klar: "Viele Familien holen uns zu spät, manchmal ist der Patient bis zu unserem Termin wenige Tage danach bereits verstorben." Sie empfiehlt bereits bei einer Diagnose, die nicht mehr kurativ sondern palliativ behandelt wird, Kontakt aufzunehmen, für einen Erstkontakt. Das Hospizteam begleitet Familien auch über lange Zeiträume, Monate oder Jahre.

Es gibt im Hospizverein aber auch viele andere Bereiche, wie den Flohmarkt, der von Maria Perschon und ihrem Team betreut wird. Die nächsten Termine sind am 24. Juli, 25. September und 27. November, jeweils von 12 bis 17 Uhr in der Mühlgasse 74 in Baden. Hier werden Spenden generiert. 

Sich freiwillig engagieren

Der Landesverband Hospiz Niederösterreich sucht dringend ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und -begleiter. Wer sich für eine freiwillige Tätigkeit beim Hospizverein interessiert, kann sich beim Verein melden. Vorkenntnisse sind nicht nötig. 

Interessierte absolvieren den Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitungskurs, danach müssen Praxisstunden absolviert werden, entweder im Hospizverein, im Pflegeheim oder in einem stationären Hospiz. Die Inhalte reichen von der Entwicklung der Hospizarbeit, Grundlagen in der Gesprächsführung, Trauer- und Angehörigenarbeit, ethische und rechtliche Fragen bis zu Selbstfürsorge und Supervision.

Der Zeitaufwand ist sehr unterschiedlich, man hat auch nicht durchgehend Familien zu begleiten. Martina Meissner erinnert sich an ihre erste Betreuung: "Man hat Ideen und möchte etwas tun. Bei meinem ersten Besuch hat die Patientin drei Stunden geschlafen. Man muss sich darauf einstellen, dass man einfach nur da zu sein braucht, das ist wichtig. Man muss keine Angst davor haben."

Sternenkinder sind Kinder, die vor, während oder nach der Geburt verstorben sind. | Foto: Christian Dusek
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Entscheidend sind Offenheit, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, sich auf zwischenmenschliche Beziehungen einzulassen. Gerade in einer Gesellschaft, in der Einsamkeit, Überforderung und die Tabuisierung von Sterben und Trauer zunehmen, ist Unterstützung für Betroffene von unschätzbarem Wert. Wünschenswert sind Herzensqualitäten: der Wunsch, Menschen wirklich zu begegnen, die Fähigkeit zu einer authentischen Auseinandersetzung mit dem Gegenüber, ein beherztes emphatisches Wesen, die Stärke „auszuhalten“ und „da zu sein“, Reflexionsfähigkeit und Hingabe.

Kontaktdaten Landesverband Hospiz NÖ für Interessierte:
Landesverband Hospiz NÖ
Lehrgangsleitung: Edda Kaufmann
+43 664 833 96 50
office@hospiz-noe.at

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