15.06.2017, 23:37 Uhr

Laufbericht Wappenlauf Siegenfeld-Heiligenkreuz 2017

Voll motiviert vor dem Start: Mit Richard Wagner, Stefan Winkelmayer und Bernhard Berger
Siegenfeld: Feuerwehr | Liebe Lauffreundinnen,

eine Woche vor dem Wappenlauf bin ich den Ötscher Mountain Run gelaufen. Obwohl die Strecke wegen Schechtwetters verkürzt wurde sind 18Km mit knapp 1000 Höhenmetern nichts was ich so "nebenher" verkrafte. Zwar ist mir der Ötscher-Lauf sehr gut gelungen und hat auch riesen Spaß gemacht doch die brutal steilen Bergabstücke haben meine Oberschenkel noch 3 Tage lang brennen lassen. Dazu habe ich mir noch eine Verkühlung eingefangen und mir für den Tag vor dem Wappenlauf auch noch den Gfieder Geländelauf bei Ternitz vorgenommen. Der ist dem Wappenlauf sehr ähnlich, beide gefallen mir von Strecke und Atmosphäre her ausgezeichnet und ich konnte mich nicht überwinden einen der beiden auszulassen ... naja ;-)
Wie erwartet waren beim Gfieder die Beine schwer, das Laufen trotz wunderschöner Strecke mühsam aber ich konnte knapp einen 3. Klassenrang in´s Ziel retten. Ob es mir am Tag darauf beim Wappenlauf besser gehen würde? Immerhin wollte ich meinen Klassensieg vom Vorjahr vetreidigen ...

Vor dem Start herrscht beim Wappenlauf großes Hallo, wie erwartet sind viele Freunde und Bekannte da - und mit Georg Schuller, Helmut Wohak und Markus Müller die drei Führenden der 50er Klasse der Thermentrophy. Die sind alle drei ungefähr meine Leistungsklasse, jeder von uns kann die anderen 3 schlagen wenn er einen guten Tag hat - oder er wird durchgereicht wenn´s nicht läuft. Also brauche ich einen verdammt guten Lauf!

Nun, das Wetter passt, ein strahlender Frühsommermorgen, auch wenn es recht warm ist - damit sollte ich umgehen können, keine Ausrede! Kurz Aufwärmen und dann heißt es 3 - 2 - 1 - Start!

Die ersten 1,5Km der Strecke sind relativ flach und ich schlage ein mittleres Tempo ein, horche in mich hinein ob alles passt - ja, das fühlt sich gut an, jedenfalls besser als am Vortag beim Gfieder. Es folgt der erste kleine Anstieg durch einen Hohlweg - das geht recht locker, sehr gut! Helmut und Markus setzen sich zwar ein wenig ab aber das ist kein Problem, meine Streckenteile kommen erst - die langen Bergabpassagen auf der Waldstraße nach Heiligenkreuz und am Radweg bis zum Heutal und dann die letzten 2Km bergab in´s Ziel - das liegt mir, da kann ich viel Tempo machen.

Nach etwa 3Km ist der höchste Punkt der Strecke erreicht, jetzt gilt es, Gas auf! Aber ... verdammt, was soll das? Die Schienbeine schmerzen bergab bei jedem Schritt, ich kann nicht vernünftig auftreten und schon garnicht Druck machen ... ?!? Statt leichfüßig bergab zu sausen geht nur ein schwerfälliges, plattfüßiges Klapp - Klapp - Klapp als ob ich Metallplatten an den Sohlen hätte ... es folgt ein kleiner Anstieg. Ich versuche da ein wenig Tempo zu machen - ja, das geht ... und dann wieder bergab - Schmerzen, Ziehen in der Schienbeingegend, Klapp, Klapp, Klapp ... Mist, da geht nichts, kampflos muß ich meine Freunde ziehen lassen, habe keine Chance mitzuhalten :-( Verzweifelt versuche ich die Schrittlänge zu variieren, anders aufzutreten aber es hilft nichts. Die Waldstraße geht in Asphalt über und das macht die Sache noch schlimmer - Platsch Platsch Platsch klatschen die Schuhe auf den Asphalt, durch das Stift Heiligenkreuz, über den Radweg ... einfach zum Vergessen! Andere Läufer in meiner Umgebung keuchen zwar, laufen aber sonst fast lautlos. Ich keuche zwar nicht, dafür bin ich eh zu langsam, aber zu hören ist mein Geplatsche glaube ich ein paar hundert Meter weit ... endlich ist der Asphalt zu Ende und der Anstieg durch das Heutal beginnt - eine richtige Wohltat!

Kein harter Asphalt mehr, kein Plattfuß-Laufen mehr, es geht wieder bergauf ... ich schlage ein gleichmäßiges Tempo ein und beginne mich zu entspannen. Daß ich nicht der Einzige mit Problemen bin merke ich jetzt aber bei einem anderen Läufer: Während ich ruhig - und schmerzfrei - die Steigung hinauflaufe und mich dabei langsam wieder wohler fühle beginnt ein Läufer vor mit zu gehen, ich überhole ihn, wenig später überholt er mich ziemlich flott und beginnt nur ein paar Meter weiter wieder zu gehen. Dieses Spiel wiederholt sich bis oben 4 oder 5 mal - offensichtlich versucht er sich mit Intervallen die Steigung hinaufzuarbeiten. Am Sattel ist er knapp vor mir und mir graut schon vor den letzten zwei Kilometern bergab in´s Ziel.

Aber es hilft nichts, ich muß da runter also Tempo, Plattfuß! Gut, etwas schneller, dem Intervalläufer hinterher ... ??? Hmmm ... noch ein bissl schneller, ein wenig aufholen ... nichts, keine Schmerzen, kein Klapp - Klapp!? Spinn ich? Was soll das ... noch ein wenig schneller, am Intervalläufer vorbei, jetzt schon richtig flott ... HA! Wie das geht, das macht richtig Spaß ... und immer noch tut nichts weh! Wie gibt´s das, ich pack´s nicht! Wieso erst jetzt? So wollte ich von Anfang an laufen, nicht erst die letzten beiden Kilometer! Mißtrauisch halte ich das Tempo, horche in mich hinein - nichts, keine Schmerzen mehr, alles im grünen Bereich - nur leider zu spät um das Rennen noch zu retten. Aber nicht zu spät um noch ein wenig Spaß zu haben - in Form von Überholmanövern! Läufer um Läufer hol ich mir, ein paar hundert Meter vor dem Ziel schließe ich zu einer Vierergruppe auf die nun in Zielnähe ebenfalls Tempo macht ... einer reißt ab und - vorbei ... der kleine Weg hinunter zur Bundesstraße - zwischen zweien durch ... und jetzt die letzten 300m auf der Straße in´s Ziel! Der Vierte gibt ordentlich Gas aber ich kann locker mitgehen - keine Schmerzen, kein Klapp - Klapp ... noch 200m, fast gleichauf ... noch 100m und Zielsprint! Jippiiieeee das fetzt und macht Spaß, ich zische vorbei und durch´s Ziel - geschafft!

Hin- und hergerissen zwischen Ärger daß der Lauf danebengegangen ist und Freude daß das Ende doch noch versöhnich war gratuliere ich meinen Freunden - klar, alle waren schneller als ich, haben tolle Zeiten hingelegt und mir bleibt diesmal nur der 4. Platz in der 50er Klasse. Auch der Stefan der heuer eine sehr starke Saison läuft hat mich wieder einmal abgehängt - na gut, der läuft aber in der M30 ;-) Nach zahllosen Plaudereien und Rennanalysen verabschiede ich mich und nehme die positiven Eindrücke dieses Rennens mit: Viele Freunde hier, viele nette Gespräche und - besser ZWEI gute Kilometer bei einem Rennen als gar keine :-)

Liebe Grüße bis zum nächsten Mal,

beim Badener Stadtlauf :-)

Hans

P.S.: Lob wieder einmal für die Veranstalter, die das Rennen und das Drumherum ausgezeichnet organisiert haben, die Markierungen, die Labestationen, das Läuferbuffet undundund ... ich komme sicher wieder. Ich muß nur überlegen wie ich das Programm Ötscher - Gfieder - Wappenlauf konditionell besser schaffen kann. Denn weglassen will ich keinen dieser Läufe ... die Gier ist ein Hund ;-)
P.P.S.: Info´s, Ergebnisse und Fotos gibt es auf http://www.thermentrophy.at und auf http://www.wappenlauf.at
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