Pacht-Streit geht weiter
Bauernprotest vor dem Bischofshof in Eisenstadt
Unter den burgenländischen Bäuerinnen und Bauern herrscht weiter Unmut um die Neuvergabe der Pfarrgründe. Am Dienstag riefen die Landwirte daher zur Demonstration beim Bischofshof in Eisenstadt auf, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. An die Diözese wurde eine Petition abgegeben, der sich bereits 600 Gleichgesinnte anschlossen.
EISENSTADT. Nachdem die Diözese Eisenstadt im Frühjahr die alten Pachtverträge für Pfarrpfründe gekündigt hatte, begann eine Neuausschreibung der Flächen über ein offenes Online-Bieterverfahren (MeinBezirk berichtete). Die Vorgehensweise der Diözese stieß bei den bisherigen Pächtern auf massive Kritik und mündete am Dienstag in einer großangelegten Bauerndemonstration vor dem Bischofshof in Eisenstadt.
"Dann stirbt unser Berufsstand"
Mit 14 Hektar und damit rund fünf Prozent landwirtschaftlicher Fläche weniger, muss der Biohof Schmit aus Zagersdorf nun auskommen. "Wir haben in unsere gepachteten Flächen in den letzten Jahrzehnten enorm viel investiert, um die Bodenfruchtbarkeit zu gewährleisten. Das kostet Geld. Mit einem Pachtpreisniveau, wie es von der Diözese verlangt wird, ist das nicht möglich, schon gar nicht bei jährlicher Addition des VPI", sagt Bio-Bauer Martin Schmit.
Das große Problem an den nun erhöhten Pachtpreisen: "Wenn andere Verpächter es jetzt genauso machen wie die Kirche, dann stirbt unser Berufsstand", betont Schmit im Gespräch mit MeinBezirk.
- Mit 20 Traktoren und rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde in Eisenstadt demonstriert.
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600 Unterstützer
Im Zuge der Demonstration wurde auch eine Petition an die Verantwortlichen der Diözese übergeben. 600 Personen haben sich der Initiative in den letzten zwei Wochen angeschlossen. Sollte die Diözese die Forderungen der Landwirtinnen und Landwirte nicht erfüllen, würden nun Kirchenaustritte drohen, heißt es von der Bauerngemeinschaft. In Verbindung mit dem Pacht-Streit habe es bisher fünf Kirchenaustritte gegeben, so die Diözese.
Die Bauerngemeinschaft werde jedenfalls "erneut aufmarschieren", sollten sich die Bedingungen nicht verändern.
Unterstützung durch die Landwirtschaftskammer
Die Landwirtschaftskammer stellt sich in der Causa auf die Seite der Bäuerinnen und Bauern. LK-Präsident Nikolaus Berlakovich, ebenfalls bei der Bauerndemo anwesend: "Die Stimmung unter den Bauern und in den Pfarrgemeinden ist derzeit äußerst angespannt. Unsere Betriebe sind derzeit ohnehin stark gefordert durch Unwetterschäden, schwierige Marktsituationen und immer mehr bürokratische Vorgaben aus Brüssel. Hier sollte nicht noch zusätzlich an der Pachtspirale mit weitreichenden Auswirkungen gedreht werden." Man fordere daher eine Nachdenkpause zur Lösungsfindung.
- LK-Präsident Nikolaus Berlakovich war bei der Demo in Eisenstadt ebenfalls anwesend.
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"Preisniveau von Landwirten bestimmt"
Insgesamt gehe es bei der Neuvergabe um 930 Pachtflächen und rund 1.200 Hektar Land. "In Relation gesehen sind das 2,8 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen im Burgenland", sagt Stefan Salzer, Leiter der Bau- und Liegenschaftsabteilung der Diözese Eisenstadt.
Wir haben allen Landwirtinnen und Landwirten die gleiche Ausgangslage gegeben", erklärt Anneliese Rothleitner-Reinisch, Leiterin der Hauptabteilung Diözesane Medien. Die neuen Preise der Pachtflächen seien von den Landwirtinnen und Landwirten selbst geboten worden. Den Alt-Pächtern habe man die Chance gegeben, bei ihren Angeboten nachzubessern. 5.000 Angebote von 1.600 Interessierten habe die Diözese erhalten. "60 Prozent der Flächen sind wieder an Altpächter vergeben worden", so Salzer. Außerdem habe man die Gründe nicht an Neupächter aus den umliegenden Bundesländern vergeben.
- Stefan Salzer, Leiter der Bauabteilung der Diözese Eisenstadt und Anneliese Rothleitner-Reinisch, Leiterin der Hauptabteilung Diözesane Medien bei einem Pressetermin kurz vor der Bauerndemo in Eisenstadt.
- Foto: Stefan Schneider
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Die Neuverpachtung diene laut Diözese vor allem dem Zweck, die soziale Absicherung von Priestern im Burgenland zu gewährleisten, da diese nicht staatlich pensionsversichert sind. Daher wurde im zweiten vatikanischen Konzil eine Neustrukturierung der Verpachtung beschlossen. Die Vergabe der Pacht lag zuvor in den Händen der jeweiligen Pfarrer.
Wie viel die Diözese nun an Mehreinnahmen durch die gestiegenen Pachtpreise bekomme, wollte man auf Anfrage nicht beantworten.
Geteilte Meinungen unter Bauern
Dass die Ansichten unter den Bäuerinnen und Bauern auseinandergehen, zeigen Alexander Küffer aus dem Bezirk Oberwart und Reinhard Puchas aus dem Bezirk Jennersdorf. Sie sehen die Neuvergabe gelassen: "Ich verstehe die Aufregung überhaupt nicht. Öffentliche Ausschreibung sind heutzutage etwas ganz Normales und jeder hatte die Möglichkeit ein angemessenes Angebot abzugeben", sagt Reinhard Puchas.
Ähnlich sieht das Jungbauer Alexander Küffer. Er betreibt erst seit wenigen Jahren seinen Betrieb und war froh über die Chance an neue landwirtschaftliche Flächen zu kommen. "Ich habe meinen Betrieb von null weg aufgebaut und habe nichts vererbt bekommen", sagt Küffer. Beide hätten sich zuvor genau durchgerechnet, welche Angebote sie abgeben, damit es sich auch wirtschaftlich ausgehe. Bisher sei die Pachtvergabe ein geschlossenes System gewesen, in dem man als Neueinsteiger schwer Fuß fassen konnte.
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