10.06.2017, 10:12 Uhr

Geschichten vom mühlviertler Eisenmann: halbes Happy End am Plüschingerteich

Alle Jahre wieder … kommt das Christuskind. Nicht ganz, denn es muss heißen: alle Jahre wieder, kommt der mühlviertler Eisenmann an den Plüschingerteich!
Um sich mit vielen anderen, sehr kranken Dreisportlern in einem von Kinder- und Pensionistenpi**e erwärmtem, von Enten verschi**enem und von Algen verwachsenem Tümpel zu prügeln, Bojen zu umschwimmen und anschließend bei tropischen Temperaturen auf eine (oder mehrere) Radrunden in seine Heimat, das geliebte Mühlviertel, zu begeben und abschließend noch eine ausgedehnte Wanderung auf dem wunderschönen Damm zu unternehmen, entweder bei arktischen oder wahlweise tropischen Temperaturen.

Am Plüschingerteich hat der Eisenmann schon viel erlebt, jährlich kehrt er zurück. Er wurde hier schon gedemütigt, erniedrigt und verschmäht. Hier verweigerte das Schlachtross vor einem Jahr den Dienst, die Laufmuskulatur tat dies bisher jedes Jahr. Es gab Kälte und Hitze, Hagel und Sonnenhitze, Schneeflocken und flimmernden Asphalt. Es wurde gesprintet, olympisiert und halb-distanziert. Der Eisenmann bezwang am Plüschingerteich schon alle ihm gebotenen Distanzen, maß sich mit Raelerts und Nonames. Es kämpfte gegen den kleinen Buben, den DH, den Eierbären und den Herrn Gscheit. Er rang den Feind im eigenen Bett nieder, erniedrigte den Ja-Aber, wurde aber vom Kugelfisch besiegt.

Diesmal kam er zurück, mit wenigen Lauf- und Radkilometern und noch weniger Schwimmmetern im Gepäck. Aber trotzdem will er nicht schon aufgeben, bevor es begonnen hat. Hier am Plüschingerteich hatte der Eisenmann vor genau zwei Jahren sein schwimmerisches Highlight, als er als 15. aus dem Wasser entstieg, vor vielen Favoriten und vorm kleinen Buben, vor das Pröll und anderen Wapplern. Aber heuer stehen die Vorzeichen anders, denn aufgrund beruflicher Sklavenarbeit kam der Eisenmann kaum zu einem Wasserkontakt, außer beim allabendlichen Duschprozedere. Aber das senkrechte Aufhalten in der heimatlichen Duschkabine gilt nicht als Schwimmeinheit, obwohl der Eisenmann schon versucht hatte, dies ins Trainingstagebuch einzutragen. Das Weib ermahnte den Eisenmann aber, dass dies nicht rechtens sei. Und so kamen in der Addition nicht viele Schwimmkilometer zusammen. Fluch auf den nicht so toleranten Sklaventreiber, der des Eisenmann´s Passion zum Dreisport nicht teilt und dem Eisenmann das frühe Verlassen des Sklavenortes oft verweigerte.

Außerdem waren die Laufeinheiten leider zu selten, zu kurz und zu langsam, um eine karriereförderliche Performance abzuliefern. Das Erklimmen des ersten Stocks im Sklavenort zählte auch nicht als Laufeinheit, der Gang zur Kaffeemaschine ebenso nicht. Somit war alles Oasch, um es auf den Punkt zu bringen. Trotzdem wollte der Eisenmann sich stellen und erhobenen Hauptes drauf-los-ballern, um mit wehenden Fahnen unter zu gehen – aber zumindest mit Ehre und Stolz. Vollgas bis zum Erbrechen, eine altbewährte Taktik. Draufdrücken bis die Rettung kommt. Laufen bis zum Wiederkäuen.

Gestählt von der thailändischen Vorbereitung checkte der Eisenmann das Schlachtross also in der Wechselzone ein, das übliche Gegockel der anderen Eierbären beobachtend. Immer wieder lustig, dies zu beobachten, wie sich erwachsene Männer benehmen, als Superstars fühlend, und alle anderen „beeindruckend“. Da wird gepost, Understatement betrieben und im Vorfeld Ausreden lautstark verschallt: „ich mach das nur aus dem Training raus“, „will nur durchkommen“, „hab gestern noch trainiert, bin also nicht so spritzig, ist ja nur ein Test“, „hab zu wenig trainiert, bin also nicht so spritzig, ist ja nur ein Test“ – das sind die Standartfloskeln in der Triathlonwelt. Schon oft gehört, schon oft gelacht. Aber man könnte sein sauer erbautes Eigenheim darauf setzen, dass die vorher genannten Sätze in der Wechselzone fallen. Mehr Gewinnchancen gibt es wohl nirgendwo!

Vorher traf er noch den Ja-Aber, der sogleich schon mal erzählte, warum er heute nicht schnell sein konnte: verletzt, zu viel trainiert, zu wenig trainiert, wegen dem Rad, wegen dem Neoprenanzug, wegen den Schuhen, wegen dem Lauf vor einer Woche, wegen der OP vor einigen Jahren, wegen den Bieren gestern, wegen dem Fernsehprogramm gestern, wegen dem Nachbarhund, wegen der Schwiegermutter, wegen dem Schnitzel von der Schwiegermutter – wegen ….. blablabla.
Der große Bube tat es ihm gleich: nur aus dem Training heraus, nur ein Test, kein Stress, gestern noch gelaufen, gestern noch geschwommen, gestern noch geradelt, gestern noch gearbeitet…

Es ging dann so um die Mittagszeit, bei Highnoon, los. 300 wackere Dreikämpfer schmeißen sich in die verpi**ten, verschi**enen und verwucherten Fluten und steuern die erste Boje an. Dem Eisenmann ward sogleich die neue Schwimmbrille beschlagen, so konnte er nur erahnen, wo sich diese kleine, kaum ersichtliche Boje befindet. Aber mit Glück ward sie gefunden, auch die zweite und der Schwimmausstieg war nicht mehr weit. Anfangs gab es ein wenig Haue, aber die Schlägerei hielt sich erstaunlicherweise in Grenzen. Der mühlviertler Eisenmann glaubte die ganze Zeit, rückwärts zu schwimmen, da so viele Mitstreiter um ihn herumtrieben. Umso überraschter war er, dass er dann doch als 30. aus dem „brunzwarmen“ Wasser stieg, um sich mit dem Schlachtross auf den Weg zu machen.
Dann ging´s auf die Rundfahrt, dem Eisenmann ging´s prächtig und er konnte noch einige überholen, war viel allein unterwegs und hatte sogar Zeit, die Landschaft zu genießen und den Leuten zuzuwinken. Außerdem wurde ihm die Zeit mit Ärgern vertrieben, mit Ärgern über die Windschattenwappler, die wieder Hochkonjunktur hatten. Aber die 45km waren sogleich vorbei und es ging retour zum Plüschingerteich, um in die Laufschuhe zu schlüpfen und den Radweg am Damm zu belaufen.
Anfangs fühlte sich der Eisenmann sehr gut und schlug ein (für ihn) schnelles Tempo an. Für andere mag dies wohl einer Schnecke ähnlich sein, für den Eisenmann war es fast Lichtgeschwindigkeit. Ein Blick auf den Garmin-Wecker am Handgelenk sorgte für Frohlocken. Aber mit der Herrlichkeit war es schnell vorbei, nach wenigen Kilometern brach das Tempo ein, zuerst ein wenig, dann ein wenig mehr: das Sterben konnte beginnen. Und es wurde das schon viele Male durchlebte alte Gefühl: Leiden bis zum Ende. Die 10,5km wurden elendig lange, der Eisenmann musste wieder tausend Tode sterben.

Positiv war, dass diesmal die Labestelle voll ausgestattet war: die Speisekarte war diesmal voll. Und der Eisenmann griff sich bei jeder Labe alles, was er in die Finger bekam: Wasser, Cola, Iso und zwei Schwämme. Nur so konnte er diese Schlacht überleben. Kalte Schauer liefen ihm über den Rücken, es war inzwischen wirklich heiß geworden. Wie gesagt, die 10,5 zogen sich – es wurden gefühlte 42,2 daraus.
Mangelnde Unterstützung gab es diesmal wirklich nicht zu beklagen, der mühlviertler Eisenmann wurde angefeuert: vom Weib, von Kollegen, von Fremden. Er wurde vom Häuptling des Kugelfisches angeschrien und gepusht, von anderen, nicht identifizierten Anfeuerern ebenso. Der Eisenmann konnte die Bilder nicht mehr verarbeiten, der Zuckerstand im Körper war schon auf Minimum. Das schlägt sich auf die Augen. Aber er wurde angefeuert – von wem, keine Ahnung.

Und irgendwann war es dann auch geschafft – endlich – der Zielbogen ward durchlaufen und die Finishermedaille umgehangen. Geschafft, den Plüschingerteich-Triathlon besiegt. Die Schlacht geschlagen. Komplett fertig inhalierte der Eisenmann dann in der Ziellabe sofort sieben Gulasch mit zwölf Semmerl, um die leeren Speicher wieder zu füllen. Dazu fünf Liter Wasser und drei Liter Cola und als Nachspeise noch neun Kuchenstückerl. Gemeinsam mit einem befreundeten Athleten wurde das Rennen sofort bis in die letzte Sekunde analysiert und die verlorene Zeit herausgerechnet. Dazu wurden noch alle Was-wäre-wenn-Szenarien durchgespielt und sofort auf die To-Do-List gesetzt.
Aber beide waren glücklich und so trat der Eisenmann samt Weib die Heimreise an, ein halbes Happy End im Gepäck. Denn er war mehr als fünf Minuten schneller als vor zwei Jahren, was als Erfolg zu werten ist.

Beim Auschecken traf er dann noch den Ja-Aber, der ihm sogleich erzählte, warum es heute nicht geklappt hatte. Ok, das wusste ja der Eisenmann vorher schon, denn der Ja-Aber hatte ihm das schon am Vortag und vor dem Rennen erzählt. Somit war es bestätigt worden. Der Ja-Aber hat aber eine Zeit hingelegt, sodass eventuell ein Hauptschulmädchen ebenfalls eine Gefahr geworden wäre, wäre es am Start gewesen (und wäre das mit 14 überhaupt erlaubt).

Also ein halbes Happy End für den Eisenmann, der den darauffolgenden Sonntag mit der Rennanalyse verbrachte. Und die Speicher noch weiter auffüllte, bei einem Grillnachmittag – trainingsfrei natürlich. Das hatte er sich redlich verdient.

Die Basis für neue Heldentaten ist gelegt und der Eisenmann wird sich steigern, bestimmt!
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