Ausgetrickst?

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Wieso heißt der Brunnen in der Mitte des Hohen Marktes Hochzeitsbrunnen?
Ich war bei einem ausgezeichnet geführten Stadtspaziergang, www.wien-sightseeing.at, habe viel Neues gehört und zusammen mit meiner Freundin Marianne Notizen gemacht. Voilà:
Der Brunnen geht auf Kaiser Leopolds des Ersten Gelübde zurück, das er 1702 in der Sorge um die Wiederkehr seines Sohnes Joseph aus dem Spanischen Erbfolgekrieg ablegte. Zuerst wurde nach einem Entwurf des Hofarchitekten J.B. Fischer von Erlach ein Denkmal aus Holz aufgestellt und dann, nach dem Tod Leopolds I. von Fischer von Erlach junior aus Marmor neu erbaut.
Das Monument wurde der Vermählung von Jesu Eltern gewidmet. In der Bibel ist nur die Verlobung Marias mit Joseph erwähnt, aber in Italien hat man auch die Vermählung gern dargestellt, so der junge Raffael ca. 1504.
Das Werk auf dem Hohen Markt hat jüdische Bezüge, obwohl Leopold die Wiener Juden aus der Stadt vertrieben hat. Seine spanische Gemahlin glaubte, dass ihre Fehlgeburten auf jüdische Verwünschungen zurückzuführen wären. Die Juden mussten sich deswegen in der Unteren Werd, also im ungesunden, malariaträchtigen, hochwassergefährdeten Gebiet ansiedeln, das daher nun Leopoldstadt heißt. Aber Joseph, Maria und Jesus waren ja Juden. So ist der Geistliche, der das Brautpaar segnet, eindeutig als jüdischer Hohepriester zu erkennen. Einen Hohepriester gab es nur bis 70 n. Chr., bis zur Zerstörung des 2.Jerusalemer Tempels durch die Römer. Nach der Vernichtung des Tempels gab es nie mehr einen Hohepriester.
Der Hohepriester hier hat das Brustschild Choschen. "Viereckig soll er sein, eine Spanne lang und eine Spanne breit. Und du sollst ihn mit einem Besatz von Steinen versehen, mit vier Reihen Steine. (...) In Gold gefasst sollen sie eingesetzt werden. Und die Steine sollen für die Namen der Kinder Israels bestimmt sein, zwölf für ihre Namen." So steht es in 2.Mose 28, 16-22.
Er hat auch ein flaches Täfelchen oder besser Döschen an der Stirn. Das könnte eine Tefila sein, ein Behälter, der heute noch oft für das Gebet mit Riemchen an der Stirn und auch an den Armen befestigt wird und fromme Texte enthält.
Der Hohepriester hat auch spezielle Quasten – Zizijot - an seinem Gewand. Diese sollen daran erinnern, dass man gottgefällig leben soll.
Den barocken Wolkenhimmel könnte man auch als jüdischen Hochzeits-Baldachin deuten.
Unklar bleibt, woher – außer von der italienischen Renaissancemalerei – die Künstler so viele jüdische Bezüge kannten und wie das unter den nicht gerade judenfreundlichen Kaisern Leopold I. und seinem Nachfolger verwirklicht werden konnte. Wahrscheinlich haben diese gar nicht genau gewusst, was sie da sahen. So wurde die judenfeindliche, protestantenfeindliche, fremdenfeindliche Gegenreformation ein bisschen ausgetrickst.

Autor:

Elisabeth Anna Waldmann aus Favoriten

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