Lockerung in der Corona-Krise
Gastronomie nimmt ab 15. Mai Betrieb auf

Marcel Märzinger startete Anfang März den Betrieb in der "Sichtbar" in Grieskirchen. Bereits in Woche Zwei gingen die Lichter aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus vorübergehend aus.
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  • Marcel Märzinger startete Anfang März den Betrieb in der "Sichtbar" in Grieskirchen. Bereits in Woche Zwei gingen die Lichter aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus vorübergehend aus.
  • Foto: Sichtbar
  • hochgeladen von Christina Gärtner

Gastronomiebetriebe dürfen ab 15. Mai 2020 wieder öffnen. Allerdings nur in Verbindung mit einigen rechtlichen Auflagen.

BEZIRKE GRIESKIRCHEN, EFERDING. Wer ab 15. Mai ein Lokal besuchen möchte, kann das maximal zu viert - zuzüglich der eigenen minderjährigen Kinder - machen. Der Tisch muss vorweg reserviert werden. Vor Ort ist darauf zu warten, bis ein Mitarbeiter den Sitzplatz anweist. Auf dem Weg dorthin ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) für die Gäste ebenso Pflicht wie bei jedem Verlassen des Tisches. Für Mitarbeiter besteht MNS/Visier-Pflicht. Der Schankbetrieb ist untersagt. Was Gastronomen zur Wiederaufnahme des Betriebes unter den genannten Voraussetzungen sagen, lesen Sie hier. Spannend bleibt, ob die Gäste das Angebot annehmen und die rechtlichen Auflagen eingehalten werden.

Hoher Aufwand

Marcel Märzinger, der bereits in seiner zweiten Woche als neuer Betreiber der „Sichtbar“ in Grieskirchen von der gesetzlichen Schließung betroffen war, hat seine elf Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und sich gegen einen Abhol- oder Lieferservice entschieden. Hier wurde die Dachterrasse aufgebaut, eine neue Speise- und Getränkekarte geschrieben und die Zeit für akribische Reinigung genutzt. Anton „Toni“ Tossmann von der Hoftaverne Hartkirchen hat ebenfalls keinen Abholservice angeboten und die Sperrzeit für Renovierungsarbeiten genutzt. Seine fünf Mitarbeiter wurden zur Kurzarbeit angemeldet.„Ich wollte die Situation so sozial wie möglich regeln. Aber es bleibt doch einiges am Unternehmer hängen“, lassen sich laut Tossmann sehr viele Anträge nur gemeinsam mit dem Steuerberater abwickeln. Sibylle Sittenthaler von der Jausenstation am Hochfeld in Bad Schallerbach stößt ins gleiche Horn. Sie hat deshalb einen offenen Brief an die zuständigen Landes- und Bundespolitiker verfasst. „Die Auflagen werden ständig geändert. Es weiß bis heute niemand, wann und wie viel Unterstützung er bekommt. Um die Anträge erledigen zu können ist man immer auf den Steuerberater angewiesen“, so Sittenthaler. Die Wirtin freut sich über die positive Antwort auf den Kurzarbeitsantrag für ihre beiden Mitarbeiter und streicht die gute Betreuung durch das AMS Grieskirchen heraus.

Existenzsorgen

Nachdem sich die Ausbreitung des Corona-Virus dramatisch zugespitzt hat, musste Märzinger bereits in der zweiten Woche massive Ausfälle und Umsatzeinbußen von über 50 Prozent verzeichnen. Deshalb gingen in seinem Lokal bereits am 13. März die Lichter vorübergehend aus. „Natürlich hatte ich Anfangs Bedenken, weil auch nicht klar war, wie lange die Schließung dauern wird. Jetzt bin ich froh, dass wir wieder aufsperren können - im Gegensatz zu anderen, die gar nicht mehr weitermachen können. Noch einen Monat länger hätte meine Existenz aber auch gefährden können“, so Märzinger. Weder in der Jausenstation noch in der Hoftaverne sah man durch die Schließung am 16. März seine Existenz bedroht. In beiden Lokalen kam es allerdings Mitte April zu einem Stimmungsumschwung. „Wir haben mit 13. März geschlossen. Bis Ostern waren wir zuversichtlich. Aber mit den Absagen der vielen Reservierungen für Erstkommunion, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern für die Folgemonate hat sich das gewandelt“, so Sittenthaler. Tossmann, seit 32 Jahren Wirt und Gastronomie-Urgestein, unterstreicht: „Ich bin ein Dorfwirtshaus. Durch die Absagen der Veranstaltungen ist es für mich unmöglich, kostendeckend zu arbeiten. Wenn die Einschränkungen noch bis Ende des Jahres aufrecht bleiben wird es für mich eher ein Minusgeschäft.“ Tossmann ortet zudem Diskrepanzen bei den Vorgaben: „Warum bei Hochzeiten nur maximal zehn Personen, bei Begräbnisse aber bis zu 30 Personen zulässig sind, erschließt sich mir nicht ganz. Vor allem, da hier eher die Risikogruppen vertreten sind.“ Wie es mit seinem Dorfpub weitergeht steht für Tossmann noch nicht.

Weniger Sitzplätze

Um den Mindestabstand von einem Meter zwischen den Gästen beziehungsweise den Tischen einhalten zu können sind Adaptierungen notwendig. In der Hoftaverne gehen rund 40 Prozent der Sitzplätze verloren. Im Gastgarten muss etwa jeder zweite Tisch entfernt werden. Hier begrüßt man allerdings das „Wait-to-be-seated“-Prinzip, das hierzulande nur im gehobenen Restaurantsegment Usus war. „Ich finde die Regelung gut und freue mich darauf. Ich würde es befürworten, wenn das so bleibt“, so Tossmann. Anders sieht es Sittenthaler für ihren Mostheurigen: „Ich finde, jeder Gast sollte sich den Platz selbst aussuchen. Wir sind bisher immer gut damit gefahren, werden aber jetzt die Vorgabe nach bestem Wissen und Gewissen ausführen. Wie es funktioniert, wird sich zeigen.“ Wie so vieles wird es hier von der Disziplin der Gäste abhängen, wie gut die vorgeschriebenen Maßnahmen eingehalten werden. Auch Märzinger kann dem Prinzip wenig abgewinnen: „Wir sind für viele wie ein zweites Wohnzimmer. Für unsere Loungebar halte ich es für übertrieben“, so Märzinger. Er hat an der Bar eine Art von Empfangsbereich, um die Gäste zu ihren reservierten Tischen zu bringen.

Diverse Beschränkungen

Im Regelbetrieb wird die Sperrstunde um 23 Uhr von den Gastronomen als unproblematisch, für Feierlichkeiten allerdings als schwere Einschränkung, bezeichnet. „Die Öffnung bis 23 Uhr ist nicht optimal, aber besser, als die ursprüngliche Regelung. Ich kann damit leben“, so Märzinger. Wenn das Vereinsleben und Stammtische wieder aufgenommen werden, ist die vorgezogene Sperrstunde laut Tossmann und Sittenthaler allerdings schwierig. Interessant wird das Verbot des Schankbetriebs vor allem für den Mostheurigen. „Wir hatten bisher ein Selbstabholungssystem. Darauf waren auch die Preise ausgerichtet. Aber wie soll das jetzt funktionieren? Wer finanziert eine zusätzliche Servierkraft? Sobald sich die Vorgaben ändern, wird dieser Mitarbeiter nicht mehr benötigt, und wir haben doch auch eine moralische Verantwortung den Menschen gegenüber. Es ist noch offen, ob wir wie in den vergangenen Jahren Schülern der HBLW einen Praktikumsplatz anbieten können“, blickt Sittenthaler mit vielen Fragezeichen auf die nächsten Monate. Wie es mit den Rauchern funktioniert, wird sich zeigen. „Bei mir ist es kein Problem, da wir einen großen Gastgarten haben. Hier können sich die Raucher auf den Tischen verteilen, um den Mindestabstand einzuhalten“, so Tossmann. „Bei uns stehen auf der Terrasse Tische für Raucher bereit. Ich bin allerdings gespannt, wie das Rauchen mit einem Mund-Nasen-Schutz möglich ist“, so Märzinger.

Regionaler Einkauf

In der Hoftaverne kommt seit jeher alles aus der direkten Umgebung. Hier finden sich immer saisonale Produkte aus der Region auf der Speisekarte. Auch beim Mostheurigen kommt alles, was nicht selbst gemacht ist, von lokalen Lieferanten. Regionalität schlägt sich in der neuen Karte der Sichtbar nieder. „Wir setzen auf Lieferanten aus der Gegend. Gerade bei Obst, Gemüse, Säften und Cider beziehen wir Produkte aus der Region“, so der gelernte Koch und Neo-Gastronom Märzinger.

Neue Normalität

Weder Tossmann noch Sittenthaler oder Märzinger sehen sich in der Rolle des Kontrollors. Sie appellieren an die Vernunft und Eigenverantwortung der Gäste und die Einhaltung der Vorgaben. „Zu uns kommen alleinstehende Gäste auf der Suche nach Unterhaltung. Diese wurden bisher zu Tischen dazugesetzt. Das ist halt alles derzeit nicht erlaubt“, so Sittenthaler. Sie macht sich Gedanken über die Auswirkungen der jetzt geltenden Regeln auf das soziale Gefüge und das Miteinander. „Ich bin mit Leib und Seele Wirtin. Ich freue mich auf meine Stammgäste und wünsche uns allen, dass wir alles gut überstehen werden. Ich bin nach Rückschlägen immer wieder aufgestanden und habe die Ärmel hochgekrempelt. Jammern alleine bringt nichts. Wir gehen es wieder los und werden es schaffen. Auch dank des großen Zusammenhalts und Unterstützung der ganzen Familie“, so Sittenthaler kämpferisch.

Zur Sache:
Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) informiert unter dem Titel "Sichere Gastfreundschaft" auf einer eigenen Homepage sowie in youtube-Videos über Leitlinien und das richtige Verhalten in Gastronomiebetrieben.
WKO: Verhaltensempfehlungen für Gäste in Gastronomiebetrieben
WKO: Leitlinien für die Gastronomie

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