„Die Siebtelbauern“ des Theater Rum
Der Traum von Freiheit und Glück

Neun Damen und zehn Herren des Laienensembles setzen in einer langen und facettenreichen Vorstellung die Ideen des Autors bzw. Spielleiters mit Kraft und spürbarer Spielfreude um und treiben das Geschehen (unterbrochen durch eine viertelstündige Pause) zum erahnt ernüchternden, ja grausamen Ende. | Foto: Leo Gruber
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  • Neun Damen und zehn Herren des Laienensembles setzen in einer langen und facettenreichen Vorstellung die Ideen des Autors bzw. Spielleiters mit Kraft und spürbarer Spielfreude um und treiben das Geschehen (unterbrochen durch eine viertelstündige Pause) zum erahnt ernüchternden, ja grausamen Ende.
  • Foto: Leo Gruber
  • hochgeladen von Michael Kendlbacher

Kantig inszeniert, beherzt umgesetzt, wohlgelungene Premiere: „Die Siebtelbauern“ des Theater Rum.

1998 brachte Stefan Ruzovitzky das Stück ins Kino, 13 Jahre später dramatisierte der Tiroler Autor Stefan Hellbert die Story für die Bühne, und Fabian Kametz inszenierte sie quasi als modernen „Alpenwestern“ (Regieass. Eva Pichler), wobei die Umsetzung als Open Air Spektakel dank milden Wetters als Premierenvorstellung reibungslos möglich wurde. Die Geschichte spiegelt die Machtverhältnisse in Tirol im 19. Jahrhundert, harte Zeiten für die Knechte und Mägde, der kinderlose Großbauer Hillinger wird von einer vorerst fremden Frau erstochen, Kirche und Bauern ringsum hoffen auf erbrechtlichen Zugewinn, aber der alte Bosnigel vererbt alles an seine zehn Bediensteten, sieben davon treten das Erbe an, aber da begehren alte Machtstrukturen auf, sie akzeptieren keine Veränderung, Gewalt und Intrige zerstören den Traum vom freien Bauernleben in der Hofgemeinschaft.

Neun Damen und zehn Herren des Laienensembles setzen in einer langen und facettenreichen Vorstellung die Ideen des Autors bzw. Spielleiters mit Kraft und spürbarer Spielfreude um und treiben das Geschehen (unterbrochen durch eine viertelstündige Pause) zum erahnt ernüchternden, ja grausamen Ende. Die Szenenblöcke werden mit verständlichen musikalischen Zitaten eingeleitet, der Erzählende (frisch und sympathisch Adrian Zöschg als Severin) initiiert stumme Bilder, die vierköpfige Band treibt es mutig mit klanglichen Anspielungen, z.B. das Begräbnis des Großbauern mit der Landeshymne, mit „Großer Gott, wir loben..“ in der Kirche, „Im Märzen der Bauer..“ etc. Golfschläger spielen an auf Herrschaft, zuerst als Sportgerät, doch folgend als tötende Waffe. Die Macht im Dorf wird sichtbar im selbstgerechten Pfarrer (überzeugend dargestellt von Engelbert Habicher), dem strengen Gendarm (gelungen verkörpert von Christoph Trenker), dem gestelzt gravitätischen Notar (lustig in Szene gesetzt von Lukas Kiechl), dem ernsten Bestatter Nikolaus Schoner), aber in besonderem Maße in der machtbewussten, intriganten Wirtin Danningerin, von Silke Winkler ausdrucksstark in Szene gesetzt.

Claudia Recheis ist die schweigsame, ja stoische Rächerin Rosalind, Dominik Kapferer punktet mit lebendigem Spiel als ideenreicher, aber träumerischer Lukas, auf Augenhöhe dazu Alexandra Lechner als seine Verlobte Emmi, durchgehend temperamentvoll & leidenschaftlich agierend, Maria Knapp sympathisch und klar als wissende, geheimnishütende Nana sowie Edeltraud Firlinger gefällig in ihrem Part als Gertrud. Josef Steiger ist der brutale, aber verführbare Großknecht, Martin Moritz liefert dessen charakterlosen Nachäffer, großartig burlesk angelegt mit zotigen Sprüchen und Gesten, als zarter Gegensatz dazu Patrick Probst als stummer Florian, der plötzlich seine Stimme findet. Ja, und da sind noch so manche Damen und Herren, die erwähnt werden sollten, weil sie alle überzeugend engagiert an einem Strang gezogen haben. Luis Graninger sorgte für eine verständliche & originelle Bühne, Mirjam Lintner für die gelungenen Kostüme, Florian Weisleitner für das nahezu geniale Lichtdesign, welches ausdrucksstark die Bühnensequenzen begleitete, Hannes Wetzinger verantwortet das reibungslose Tondesign und Barbara Wanker mit Barbara Trenker zeichnen für Maske und Frisuren.

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Nun, keine leichte Kost, auch kein rein endogenes Psychoproblemstück, aber überzeugend historisch gedacht, einer möglichen Wirklichkeit feudalerer Zeiten abgetrotzt und daher echte Gesellschaftskritik, die auch heute noch verständlich und zulässig bleibt.

Eine Theaterkritik von Peter Teyml

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