14.11.2017, 10:34 Uhr

Die Panik der Biedermänner

(Foto: Sarah Peischer)

Umjubelte Premiere von "Die (S)panische Fliege" des „Theater Rum“ im FoRum
Theaterbesprechung von Peter Teyml

RUM. Dass dieses „Schwank“ genannte Stück aus der Feder von Franz Arnold & Ernst Bach seit der Uraufführung 1913 in Berlin immer wieder auf die Bühnen gelangte und auch den Weg zum Film fand, verwundert nicht, ist es doch eine Verwechslungskomödie im Kultstatus und mit allen lustbetonten Zutaten sowie einem Moralspiegel versehen, in den man Grimassen schneiden oder einfach nur hineinlachen kann.
Zum Stück: Im Haus des Fabrikanten Klinke geht’s hoch sittlich her, die Tochter sollte das brave Söhnchen von Mutters Freundin heiraten, aber sie liebt einen stadtbekannten Frauenhelden und Anwalt. Doch auch Papa, und wie sich herausstellt, auch andere Männer in der Familie und im Freundeskreis hatten einst ein Verhältnis mit einer Tänzerin der „Spanischen Fliege“. Er leistet heimlich Unterhaltszahlungen und gerät arg in Bedrängnis, weil er den werbenden Jungmann für seinen außerehelichen Sohn hält. Aber es kommt noch ärger, bald halten sich vier Männer für den Erzeuger – das Chaos ist vorprogrammiert.
Spielleiterin Laura Hammerle (Assistenz Stefanie Kluibenschädl) bearbeitete mit kreativer Verve das Stück, lässt die acht Herrenund sechs Damen (inkl. das einfühlsame Musikerpaar Theresa Kiechl & Michael Huber) in einem von Martin Moritz witzig mit schräg zitierenden Möbeln ausgestattetem Raum (dazu passend die Kostüme von Mirjam Lintner) wie in einem Puppentheater tanzen, hüpfen, rutschen, schaukeln und parlieren, wobei der Mann am Regiepult die Aktionen lautmalerisch begleitet.
Die Dialoge in zackigem Berlinerisch und näselndem sächsisch-thüringischen Idiom werden trotz des flotten Tempos durchgehalten, optisch entzückt der manirierte Gestus einer bekannten Fernsehwerbung.
Christian Wanka gibt mit Lust den forschen Klinke, kongruent dazu Ingrid Trinkl als dessen moralhütende Gattin, Marion Knapp gefällt als hübsches, lolitahaftes Töchterlein, dazu Julia Fankhauser als Wally, Bernhard Rieder verwirklicht mit Elan den ängstlichen Schwager Alois, Christoph Trenker kann dem alten Freund Anton überzeugend eine knittrige Note verleihen, Florian Schneider gibt souverän den arroganten Anwalt Gerlach, Claudia Recheis überrascht in der gut gezeichneten Nebenrolle als Haushälterin, Maria Knapp als Mathilde und Bernhard Hölbling sind ein gefälliges Ehepaar Meisel. Komödiantische Gustostückerln liefern vor allem Dominik Kapferer als braver Heinrich Meisel und Engelbert Habicher als martialischer Abgeordneter Burwig.
Eine herrliche Ensembleleistung mit konsequenter Regie und tollen Gags, ein Muss für jeden Komödienfreund, bis 25. November gespielt.
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