16.10.2014, 17:52 Uhr

Von der Hohen Munde in den Noaflsaal: Das "Wiedersehen" von Mitterers Drama "Munde"

Initiatorin des Abends Dr. Edith Hessenberger und Felix Mitterer, der seinen Weg zum Stück und zum Gipfel schildert.

"Eine harte Nummer, die ich nie mehr machen würde", so bezeichnet Felix Mitterer das Unternehmen "Munde" von 1990, eine Theateraufführung auf dem Gipfel des Telfer Hausberges. Es war ein Abenteuer und ein besonderes Gemeinschaftserlebnis! Am Donnerstag, 16.10., wurden der Film und eine Dokumentation darüber im Noaflhaus vorgeführt, dazu erzählten "Munde"-Veteranen einige Anekdoten.

TELFS. Es war ein besonderes Wiedersehen von Mitterers Theaterstück "Munde", das 1990 auf dem Telfer Hausberg uraufgeführt wurde. Im Rahmen der Veranstaltungsserie "Alte/Neue TelferInnen" im Telfer Noaflsaal hatten die vielen Besucher die Gelegenheit, eine ORF-Aufzeichnung auf Leinwand "nachzuerleben".

Der bekannte Tiroler Autor Felix Mitterer war persönlich vor Ort und schilderte wie es damals war, seinen Weg zum Stück und zum Gipfel - und zum immer noch brennenden Thema Ausländer und Migration. "Ich würde das Stück heute nicht anders schreiben - aber den Aufführungsort würde ich nicht mehr da oben wählen", lächelt der Autor: "Dieser Aufwand war schrecklich, dann noch der ganze Hubschrauber-Wahnsinn! Aber am Ende war es dann ein besonders Gesamterlebnis, das ich nicht missen möchte! Bei der Premiere hatten wir das schönste Sommerwetter, die Kulisse war beeindruckend. Leider war es bei einer der nächsten Aufführungen, bei der Aufzeichnung durch den ORF, etwas trüb im Hintergrund, das finde ich schade, es schaut aus als hätte man das im Studio aufgenommen."

Thema Migration und Gastarbeiter
Auf dem Gipfel aufgeführt wurde der Betriebsausflug einer Spenglerei-Belegschaft auf den Munde-Gipfel, die Feier auf dem Gipfel war geprägt von zwischenmenschlichen Spannungen, in der auch der türkische Gastarbeiter Mehmet, genannt Alex, eine Rolle spielt, auch ein Machtkampf innerhalb des Betriebes sorgen für Streit. Vorurteile und Diskriminierungen enden dann in einem Drama.

Integrationsbeauftragten der Marktgemeinde und Initiatorin der Veranstaltungsreihe Dr. Edith Hessenberger führte durch den spannenden Abend - der mit der Filmvorführung und netten Gesprächen mit den damals aktiven Theatermachern endete. Der Telfer Laien-Schauspieler Ibrahim Kalin (Mehmet) und auch Sepp Geiger, der auf das Equipment der Theaterleute und Fernsehteams aufpasste, wussten einige Andekdoten zu erzählen. Kalins Schicksal wurde auch im Stück verarbeitet, wie Mitterer sagt: "Weil alles kann ich auch nicht erfinden."
Das Theater war eine Extrem-Erfahrung für alle, besonders wenn ein Gewitter am Gipfel herannahte, durch die statische Aufladung die Haare zu Berge standen oder Funken von den metallenen Wanderstöcken zuckten. Felix Mitterer konnte für das Stück den heute so bekannten Tobias Moretti gewinnen, und er erinnert sich, dass Moretti damals zuerst abgesagt hatte, seine Schauspielkarriere an den Nagel hängen und LKW-Fahrer werden wollte: "Doch er hat es sich dann anders überlegt."

Spielort sorgte für Aufsehen

Die Aufführung 1990 im Rahmen der Tiroler Volksschauspiele sorgte vor allem wegen dem Spielort für Aufsehen in der Bevölkerung - sogar weltweit gab es Meldungen in Zeitungen, wie VSS-Geschäftsführerin Silvia Wechselberger noch weiß - auch ohne Hilfe des World Wide Web. Die vielen Materialtransporte mittels Hubschrauber (auf dem Gipfel-Plateau wurde eine Zeltstadt und Container für den ORF installiert) sorgte sogar im engen Theaterkreis für Unbehagen. Zum anderen sahen die Bürger eine bedenkliche Entwicklung, einen Eingriff in die Natur. Es war einfach eine verrückte Idee, für jede Aufführung fast 100 Leute auf den Gipfel aufsteigen zu lassen, die nach der Abendvorstellung oben übernachten und am frühen Morgen dem Heimweg talwärts antreten. Bergrettung Telfs und Leutasch sorgten für den sicheren Auf- und Abstieg. "Niemand hat sich verletzt, es grenzt an ein Wunder, bei so vielen Leuten. Im Nachhinein gesehen war es schon ein Wagnis", kommentierte auch VSS-GF Wechselberger das Unternehmen mit nachträglicher Erleichterung. Mitterer meinte, dass ihm erst mit der Zeit klar geworden war, welche Risiken man mit der Aufführung im Hochgebirge eingegangen war: "Damals 1983 habe ich mit Schönherr schon auf den Gipfel der Munde geschaut und gesagt, da oben müssen wir mal was machen. Als wir dann 1989 Geschäftsführerin Wechselberger und Obfrau Drexel die Idee vorbrachten, waren die natürlich voll begeistert!" (lacht) "Es war dann für mich der aufregendste Theatersommer überhaupt."
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