Coronavirus
Auch für die Luftchemie ist es ein Jahrhundertereignis

Gute Luft auf den Landesstraßen nach einer Woche Quarantäne. Luftqualität ist aber nicht nur von Verkehr, sondern auch von meteorologischen Gegebenheiten abhängig.
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Die Maßnahmen, die von den Behörden gegen die Verbreitung des Coronavirus' gesetzt worden sind, haben ihre Auswirkungen auch auf die Luftgüte. Thomas Karl ist Professor in Innsbruck am Institut für Atmosphärenwissenschaft und sagt: "Die aktuelle Situation ist ein Jahrhundertereignis für die Luftchemie".

INNSBRUCK. Die Aufnahmen von Wuhan kennt die ganze Welt: Darin werden die Veränderungen in der Luftqualität sichtbar gemacht. Die Bilder zeigen China aus der Vogelperspektive. Anfangs ist ein Großteil des Landes rot oder gelb gekennzeichnet. Das bedeutet besonders viel Schadstoffemissionen. In der Zeit der Quarantäne lichtet sich das Bild: Die Emissionen verschwinden. Die Leute freut es, dass die Maßnahmen, die die Weiterverbreitung des Coronavirus' verlangsamen sollen, auch für die Umwelt eine kurze Atempause bedeutet. In Venedig schwimmen in den Kanälen wieder Fische, das Wasser sieht sauber aus – in Wirklichkeit wird der Dreck, der durch die Nutzung der Kanäle mit großen Schiffen verursacht wird, nicht mehr aufgewirbelt. Trotzdem bewegt es die Menschen in vielerlei Hinsicht und auch für die Wissenschaft bedeutet die globale Pandemie eine Ausnahmssituation.

Gut für die Luft?

Thomas Karl vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften an der Uni Innsbruck erklärt: "Weltweit sind alle Wissenschaftler in Hochbetrieb und es werden jede Menge Studien gemacht. Auch wir sind in ständigem Austausch mit den Kollegen". In Innsbruck befindet sich eine Messturm der Uni direkt in der Stadt beim Universitätsgebäude der Geisteswissenschaften. Hier werden verschiedene Parameter gemessen, die Rückschlüsse auf die städtische Atmosphäre geben. Daraus können Rückschlüsse auf den Gehalt von Stickstoffoxiden, Metan, Ozon, aber auch Feinstaub in der Luft getroffen werden. Ob die Quarantäne-Maßnahmen und die Verkehrsbeschränkungen einen großen Unterschied machen, kann Karl noch nicht sagen

. "Wir können erst in ein paar Tagen genaueres sagen. Unserer Einschätzung nach wird es besonders zu den üblichen Stoßverkehrszeiten zu großen Unterschieden kommen. Klarerweise erwarten wir uns große Abnahmen bei den Luftschadstoffen."

Luftgüte ist aber nicht nur vom Verkehr abhängig, mahnt der Experte. Auch meteorologische Gegebenheiten spielen eine große Rolle zum Beispiel in der Bewertung von Feinstaub. "Wenn es föhnig ist, wird die Luft besser durchmischt und es gibt dadurch eine bessere Luftqualität."

Konkrete Aussagen macht das Land Tirol. Auf den Landesstraßen wurden in der ersten Woche der Quarantäne um 74 Prozent weniger Verkehr gemessen, das 50 bis 60 Prozent weniger Stickstoffoxide verursacht hatte, wie noch im Jahr davor im gleichen Zeitraum. Der Güterverkehr ist im Gesamtkontext 26 Prozent weniger geworden. Das freut die LH-Stv. Ingrid Felipe:

"Dass sich die Luft und die Natur einstweilen erholen, ist eine gute Nachricht in diesen schweren Zeiten."

Und was bringt Corona für die Luftqualität in der Zukunft?

Was die aktuelle Ausnahmesituation künftig bedeutet ist aber nicht klar. Für Karl gibt es Szenarien in allen Richtungen: "Es kann sein, dass es weniger Verkehr gibt, aber es kann auch genau das Gegenteil eintreten: Mehr Verkehrsaufkommen." Klar ist jedenfalls, dass der aktuelle "Stillstand", den die Welt erlebt, Aufschlüsse zum Klimawandel und den notwendigen Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele bringen wird.

Autor:

Agnes Czingulszki (acz) aus Innsbruck

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