Miss Mabuka
Vom Innsbrucker Straßenkind zur gefeierten DJane
- Vom Innsbrucker Straßenkind zum DJ-Pult. "Miss Mabuka" erzählt im MeinBezirk-Interview ihre persönliche Geschichte und macht anderen Betroffenen Mut.
- Foto: Miss Mabuka
- hochgeladen von Lucia Königer
Wenn Corinna als DJane Miss Mabuka bei der Pride Innsbruck oder bei „Mama geht Tanzen“ auflegt, sieht man eine Frau voller Energie, Lebensfreude und Selbstvertrauen. Kaum jemand ahnt, dass die Innsbruckerin als Jugendliche auf der Straße lebte. Heute erzählt sie offen von ihrer Vergangenheit und davon, wie sie es geschafft hat, sich ein völlig neues Leben aufzubauen.
INNSBRUCK. Das Leben von Corinna begann nicht einfach. Aufgewachsen in Innsbruck, erlebte sie eine schwierige Kindheit und Jugend. Konflikte zu Hause, Enttäuschungen und das Gefühl, nicht dazuzugehören, begleiteten sie über die Jahre. Mit 13 oder 14 Jahren begann sie immer häufiger wegzulaufen. Die Straße wurde zu ihrem Alltag.
„Natürlich sucht man sich Menschen, die einen verstehen“,
erzählt sie heute. Für Außenstehende mögen es die falschen Freunde gewesen sein. Für sie waren es damals die einzigen Menschen, die wussten, wie sich ihre Situation anfühlte.
Sie schlief bei Bekannten, auf Spielplätzen oder dort, wo sich gerade eine Möglichkeit ergab. Gleichzeitig rutschte sie in eine Welt ab, in der Alkohol und Drogen allgegenwärtig waren.
„Die Drogen haben einem in dem Moment das Gefühl gegeben, dass alles leichter ist“, sagt sie rückblickend.
- Heute hat es Corinna geschafft: Sie hat sich ein eigenes Leben aufgebaut und schafft mit ihrer Arbeit als DJane für viele Menschen einen Ort der Lebensfreude.
- Foto: Miss Mabuka
- hochgeladen von Lucia Königer
Der Ort, der alles verändert hat
Der Wendepunkt kam durch die Jugendanlauf- und Beratungsstelle "Chill Out". Dort begegnete Corinna Menschen, die sie nicht aufgaben auch dann nicht, wenn sie selbst wieder weglaufen wollte.
„Ich hatte dort Betreuerinnen und Betreuer, die immer an mich geglaubt haben.“
Heute ist sie überzeugt, dass genau diese Zeit ihr Leben gerettet hat. Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, dass jemand an ihre Zukunft glaubt. Der wichtigste Schritt sei gewesen, Hilfe anzunehmen. „Man muss sich helfen lassen wollen.“
Die Musik wurde ihr Anker
Bereits im Kleinkindalter merkte Corinna, dass Musik sie in ihren Bann zieht. Als im „Chill Out“ eine Musikanlage zur Verfügung stand, wurde klar, dass das Auflegen mehr als nur ein Zeitvertreib ist. Es entwickelte sich langsam zu einer Leidenschaft. Musik wurde für Corinna mehr als ein Hobby. Sie wurde zu einem Ort, an dem sie sich ausdrücken konnte. Während sie früher oft das Gefühl hatte, keinen Platz in der Welt zu haben, fand sie hinter dem DJ-Pult genau diesen Platz.
Heute kennen viele Innsbruckerinnen und Innsbrucker sie als Miss Mabuka. Sie legt bei Clubs, Veranstaltungen und Festivals auf, steht bei „Mama geht Tanzen“ hinter den Turntables und sorgt auch bei der Pride Innsbruck für Stimmung.
Wenn sie heute vor hunderten Menschen spielt und die Menge mitsingt, dann sind das Momente, die sie noch immer berühren.
„Da fließen manchmal sogar Tränen“,
erzählt sie.
Übrigens hat der Künstlername Miss Mabuka einen besonderen Ursprung. Mabuka hieß Corinnas früherer Hund, der ihr so ans Herz gewachsen ist, dass er in ihrem Künstlernamen verewigt wurde.
Eigene Firma, eigener Weg
Aus einem Hobby wurde mit den Jahren ein Unternehmen. Corinna machte sich als DJane selbstständig und baute ihre eigene Marke auf. Gleichzeitig blieb sie immer bodenständig. Neben ihrer Tätigkeit als DJane arbeitet sie auch als LKW-Fahrerin.
- Miss Mabuka bei der Pride 2025. Auch in diesem Jahr wird die Obfrau der Pride Tirol wieder bei der Kundgebung auflegen.
- Foto: Königer
- hochgeladen von Lucia Königer
Vielleicht gerade deshalb wirkt ihre Geschichte so authentisch. Sie spricht nicht von einem märchenhaften Erfolg, sondern von vielen kleinen Schritten, Rückschlägen und Entscheidungen. Von Therapien. Von Gesprächen. Vom immer wieder Aufstehen.
„Es gibt immer eine Tür“
Heute steht Corinna an einem Punkt, den sie sich als Jugendliche wohl selbst nicht hätte vorstellen können. Sie hat Arbeit, ein eigenes Unternehmen und ein stabiles Leben. Vor allem aber hat sie eine Botschaft für junge Menschen, die gerade kämpfen.
„Es gibt immer Türen. Manchmal gehen welche zu, aber irgendwo geht wieder eine auf.“
Wenn Miss Mabuka heute auf einer Bühne steht, sieht man nicht nur eine erfolgreiche DJane. Man sieht eine Frau, die sich ihr Leben Stück für Stück zurückgeholt hat und die beweist, dass die Vergangenheit nicht bestimmen muss, wie die Zukunft aussieht.
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