Rassismus-Video vom Oktoberfest
Entschuldigung, Stellungnahmen, Politdiskussion
- Das Münchner Oktoberfest: jetzt sorgt ein Rassismusvideo für politische Diskussionen.
- Foto: Tommy Lösch
- hochgeladen von Georg Herrmann
"Hier sind die Deutschen zu Hause", ein Video eines deutschen Influencers vom Oktoberfest sorgt für eine breite öffentliche Diskussion. Ein betroffener Tiroler hat sich über die sozialen Medien entschuldigt, die Tiroler Gemüsebauern betonen in ihrer Stellungnahme eine klare Haltung gegen Rassismus. Kritik kommt von LA Fleischanderl und LA Mair. LR Hagele reagiert als Bezirksobfrau.
TIROL. Ein deutschsprachiger Content-Creator und Influencer, der vor allem Street-Reportagen und investigative Videos aus „berüchtigten“ Vierteln macht, hat ein Video vom Oktoberfest gepostet. In diesem Videoausschnitt mit einer Länge von rund 1 Minute 40 Sekunden diskutiert eine Gruppe von Tirolern mit dem dunkelhäutigen Influencer. Du bist hier nicht zu Hause“ – mit diesen Worten startet ein Video. „Wer sagt das?“, entgegnet ihm der Influencer. Daraufhin erklärt ihm der Tiroler, dass hier „die Deutschen“ zu Hause sind. Das Posting wurde zigfach geteilt. Zahlreiche Kommentare befassen sich mit dem Thema und die Personalität des Tirolers wurden rasch in der Öffentlichkeit verbreitet.
"Allein dieses Video anzuschauen, tut schon weh! Aber Augen verschließen hilft auch nicht. Intoleranten Menschen wie diesem Typen sollte ein München Verbot ausgesprochen werden." Posting auf Instagram
Dieser hat sich inzwischen ebenfalls auf den sozialen Medien entschuldigt. „Ich habe zu viel getrunken und Dinge gesagt, die absolut inakzeptabel und nicht in Ordnung sind. Das, was ich gesagt habe, ist absolut nicht richtig und es tut mir leid.“ In diesem Zusammenhang haben die Tiroler Gemüsebauern eine Stellungnahme abgegeben.
- Das Video wurde mehrfach geteilt und kommentiert.
- Foto: MeinBezirk/Instagram
- hochgeladen von Georg Herrmann
Klare Haltung gegen Rassismus
"Zu dem aktuell kursierenden Video eines unserer Mitglieder (kein Mitglied des Vorstands) beziehen wir als Tiroler Gemüsebauern klar Stellung: Wir distanzieren uns ausdrücklich von den darin getätigten rassistischen Aussagen. Sie sind inakzeptabel und stehen im Widerspruch zu den Werten unseres Vereins. Der Besuch auf dem Oktoberfest war privat, das betreffende Mitglied hat dabei keine Vereinstätigkeiten wahrgenommen und unseren Verband nicht vertreten", lautet die Einleitung der Tiroler Gemüsebauern. „Respekt und ein fairer Umgang miteinander gelten unabhängig von Herkunft oder Nationalität. Auf unseren landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten Menschen aus verschiedenen Nationen täglich zusammen. Sie sind ein selbstverständlicher Teil unserer Betriebe und unserer Gemeinschaft. Ihre Würde und ihr Anspruch auf respektvolle Behandlung stehen außer Frage“, heißt es in der Stellungnahme. Nach Bekanntwerden des Videos habe der Verein das Gespräch mit dem betroffenen Mitglied gesucht und dabei seine Haltung deutlich gemacht. Das Mitglied habe sich für seine Aussagen entschuldigt und dafür die Verantwortung übernommen. Der Verein betont zugleich, dass eine Entschuldigung die getätigten Aussagen nicht ungeschehen mache. Entscheidend sei nun das weitere Verhalten des Betroffenen. Diesen Anspruch stelle man an alle Mitglieder. Der Vorfall soll nach Angaben des Vereins auch intern aufgearbeitet werden. „Rassismus hat in unserer Gemeinschaft keinen Platz“, halten die Tiroler Gemüsebauern fest. Diese Haltung gelte für den gesamten Verein.
„Solche Aussagen sind klar zu verurteilen. Als Tiroler Volkspartei distanzieren wir uns in aller Deutlichkeit von deren Inhalt. Wir müssen gemeinsam gegen Rassismus und Spaltung auftreten. Die anhaltende Hasswelle, die Morddrohungen und Gewaltaufrufe auf Social Media sind aber keinesfalls eine geeignete Gegenantwort. Hass kann niemals mit Hass bekämpft werden. Wir müssen miteinander reden, die Gesellschaft sensibilisieren und solchem Gedankengut gemeinsam entgegentreten. Die öffentliche Entschuldigung ist ein erster Anfang, macht es aber nicht ungeschehen“, erklärt Bezirksparteiobfrau LR Cornelia Hagele.
Politische Kritik
Der grüne Klubobmann Gebi Mair kritisiert die Aussagen des Funktionärs und verweist dabei auch auf dessen Tätigkeit als landwirtschaftlicher Unternehmer. Gerade Landwirtschaft und Tourismus seien in Tirol auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen. „Gerade von Betrieben, die auf die Mithilfe ausländischer Arbeitskräfte angewiesen sind, würde man sich mehr Respekt erwarten. Diese Betriebe könnten als Erste zusperren. Es sind eben nicht nur billige Arbeitskräfte, sondern es sind Menschen“, sagt Mair. Tirols Tourismus und Landwirtschaft seien seit Langem auch von Menschen unterschiedlicher Herkunft geprägt, argumentiert der Grünen-Politiker. Für viele von ihnen sei Tirol zum Lebensmittelpunkt geworden, „selbst wenn sie nicht Sepp oder Hans heißen“.
Prävention
SPÖ- Klubobfrau Elisabeth Fleischanderl will ein verbindliches Präventions- und Awareness-Konzept für Großveranstaltungen. Dazu sollen unter anderem geschulte Teams, Anlaufstellen für Betroffene und klare Verhaltensregeln gehören. Fleischanderl verurteilt den Vorfall um einen Tiroler Parteifunktionär beim Oktoberfest in München. Sie sieht darin auch Anlass für eine grundsätzliche Debatte über den Umgang mit rassistischen Vorfällen. „Rassendenken disqualifiziert jedes politische Tun – egal auf welcher Ebene. So etwas hat in keiner demokratischen Partei und in unserer Gesellschaft etwas verloren. Rassismus ist immer und überall zu verurteilen.“ Fleischanderl verweist in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung rechtsextremer Straftaten in Österreich. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen rassistischem Gedankengut und rechtsextremer Kriminalität. „Rassismus bereitet den Boden für rechtsextreme Kriminalität und Gewalt. Das bedroht unsere Demokratie und damit uns alle. Deshalb müssen wir entschieden dagegenhalten.“
- Der Videoausschnitt sorgt für Diskussionen
- Foto: Instagram/MeinBezirk
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