Gefahrenstelle in Neuhaus
Die vergessenen Höfe – erst handeln, wenn etwas passiert?
- Kein Gehweg, Betriebseinfahrt zu Bauernhof und Ab-Hof-Verkauf. Autos rasen mit über 100 kmh vorbei.
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NEUHAUS AM KLAUSENBACH (ak). Zwischen Neuhaus am Klausenbach und Krottendorf verläuft eine rund vier Kilometer lange, schnurgerade Strecke der L 256. Kaum ist am Ortsende die 50-km/h-Beschränkung aufgehoben, gilt Tempo 100. Genau auf diesem Abschnitt liegen drei landwirtschaftliche Anwesen. Drei Familien leben hier, insgesamt neun Kinder wachsen direkt an dieser Freilandstraße auf. Geh- oder Radwege gibt es nicht. Für Fußgänger bleibt lediglich ein schmaler Randstreifen entlang der Fahrbahn.
Bemühungen bisher erfolglos
- Bundesstraße aus Kalch kommend.
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Seit 1990 bemühen sich die Anrainer um eine Reduktion der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h. Bereits 2018 fand eine Verkehrsbegehung statt – mit dem Ergebnis, dass eine Beschränkung nicht erforderlich sei. Nun wurde die Situation erneut aufgegriffen. Laut Protokoll soll eine Verkehrszählung durchgeführt, der sogenannte V85-Wert ermittelt sowie Straßenbreite, Sichtweiten und Unfalllage geprüft werden. Erst danach soll entschieden werden, ob eine 70-km/h-Beschränkung zur Hebung der Verkehrssicherheit erforderlich ist.
Jegliche Infrastruktur fehlt
- Bundesstraße aus Neuhaus am KLausenbach kommend.
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Unabhängig davon bleibt ein strukturelles Problem bestehen: Entlang des betroffenen Abschnitts fehlt jegliche Infrastruktur für Fußgänger oder Radfahrer. Eine nahegelegene Bushaltestelle existiert nicht, die Kinder können den Schulweg nicht eigenständig bewältigen. Die Eltern sind täglich auf Bring- und Abholdienste angewiesen. Überlegungen für einen Geh- oder Radweg habe es in der Vergangenheit zwar gegeben, eine Einigung mit den betroffenen Grundstückseigentümern kam jedoch bislang nicht zustande. Wie real die Gefahr ist, zeigte ein Vorfall, über den bereits berichtet wurde: Eine junge Mutter war mit ihrem zwei Wochen alten Baby Lian im Kinderwagen am äußersten Fahrbahnrand unterwegs, als ein vorbeifahrendes Fahrzeug den Kinderwagen streifte. „Es hat einen furchtbaren Knall getan“, schildert sie. „Ich habe den Wagen mit aller Kraft festgehalten, damit er nicht in den Straßengraben kippt.“ Der Kinderwagen wurde dabei so stark beschädigt, dass er nicht mehr verwendet werden konnte und ersetzt werden musste.
Glück im Unglück-Mama und Baby wohlauf
- Der demolierte Kinderwagen war nicht mehr fahrbar.
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Mutter und Kind wurden vorsorglich mit dem Notarzthubschrauber ins Krankenhaus gebracht – glücklicherweise ohne Verletzungen. Der Unfalllenker ist bis heute nicht ausgeforscht. Nach Informationen aus dem Bezirk sind rund 20 Fahrzeuge des betreffenden Typs gemeldet. „Wir leben hier seit Generationen. Es kann doch nicht sein, dass unsere Kinder praktisch zwischen 100 km/h unterwegs sind“, sagt Michael Lang, Vater der jungen Mutter. „Wir wollen keine Sonderbehandlung. Wir wollen Sicherheit vor unserer Haustür.“
Erst handeln wenn es kracht?
- Drei Familien mit insgesamt neun Kindern leben an der 100er-Strecke. Die betroffene Annika Neubauer mit ihrem vierwöchigen Baby. (rechts)
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In behördlichen Stellungnahmen wird darauf verwiesen, dass es bislang zu keiner relevanten Unfallhäufung gekommen sei. Für die betroffenen Familien stellt sich dennoch die Frage, ob es tatsächlich erst zu schweren Unfällen kommen muss, bevor eine Geschwindigkeitsreduktion umgesetzt wird. Die Frage, wie viel noch geschehen muss, damit gehandelt wird, steht weiterhin im Raum.
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