Wegen Engpässen
Morgen Sonder-Landtag zur Notärzte-Diskussion

Bereitschafts- und Notärzte: Engpässe in der jüngsten Vergangenheit beschäftigen morgen den Landtag.
  • Bereitschafts- und Notärzte: Engpässe in der jüngsten Vergangenheit beschäftigen morgen den Landtag.
  • Foto: RK NÖ
  • hochgeladen von Thomas Dorfer

"Interessant" könnte morgen die Diskussion im Sonder-Landtag werden, wenn es um die Engpässe bei den Notärzten und Bereitschaftsärzten geht. 

KÄRNTEN. Morgen findet die von der Kärntner FPÖ beantragte Sondersitzung des Landtages statt. Großes Thema werden "Engpässe bei Bereitschafts- und Notärzten" sein. FPÖ-Chef Gernot Darmann erläutert: "Wenn an Wochenenden in Spittal und Villach kein Notarzt Dienst macht und in einzelnen Regionen kein Bereitschaftsarzt erreichbar ist, sind Patienten akut gefährdet. Wir müssen die Probleme, welche durch den Ärztemangel in Kärnten entstehen, lösen."
Mehr zu den Engpässen hier und hier

In der morgigen Sonder-Landtagssitzung will Darmann Antworten von Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ). Die FPÖ will auch Lösungsvorschläge einbringen. 

FPÖ: Notarzt-Nachwuchs gefragt

Die FPÖ glaubt, dass das Hauptproblem darin liegt, dass nur ein Teil der ausgebildeten Notärzte auch tatsächlich "ausrückt". Man spricht von 500 Notärzten, von denen nur knapp 150 Dienst versehen. Also müssten Notärzte wieder "in das System zurückkehren". Darmann: "Daher sind die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit zu verbessern. Dringend notwendig ist gleichzeitig eine Ausbildungsoffensive, um den Notarzt-Nachwuchs für die Zukunft zu sichern. Alle Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik müssen Anreize und Rahmenbedingungen schaffen, dass möglichst viele junge Mediziner die neue 33 Monate dauernde Ausbildung absolvieren und dem System zur Verfügung stehen."

FPÖ-Antrag für kinderärztlichen Telefondienst

Für den Bereitschaftsdienst, so Darmann, wäre ein "Pool von Ärzten" wichtig, die in unbesetzten Sprengeln einspringen. 
FPÖ-Gesundheitssprecher Landtagsabgeordneter Harald Trettenbrein bringt eine weitere FPÖ-Forderung ein: einen kinderärztlichen Telefondienst. "Der FPÖ-Antrag dazu wird von der SPÖ seit Monaten nicht behandelt", ärgert er sich.

Prettner (SPÖ): "Unverantwortliche Panikmache"

Landeshauptmann-Stellvertreterin Beate Prettner bedauert natürlich jeden unbesetzten Dienst, hält jedoch fest: "Bis Dezember 2019 wurden jedes Jahr alle rund 3.300 Notarzt-Dienste (allein am Boden) besetzt. Erstmals im Dezember 2019 konnten zwei Dienste nicht besetzt werden. Diese wurden dann von anderen Notarzt-Stützpunkten und niedergelassenen Ärzten mitbetreut. Hier von einem massiven Problem des Notarzt-Systems zu sprechen, ist ,mutig', respektive eine Polemik, die auf Verunsicherung und Panikmache der Bevölkerung abzielt." Dies sei unverantwortlich.
Konkret gab es zwischen den Weihnachtsfeiertagen diese zwei Lücken – sie entsprechen 0,03 Prozent der Dienste. Im Jänner kamen zwei weitere unbesetzte Dienste hinzu. Doch die restliche Jänner-Einteilung stehe bereits ohne Ausfälle fest. 

Prettner: "Ärztlicher Bereitschaftsdienst keine Landessache"

Da der ärztliche Bereitschaftsdienst Sache von Österreichischer Gesundheitskasse (ÖGK) und Ärztekammer ist, gibt Prettner Darmann mit auf den Weg: "Diese Regelung fällt nicht in den Verantwortungsbereich des Landes. Darmann wird daher angeraten, hier mit seinem Parteikollegen, dem Ombann der ÖGK, Matthias Krenn, Rücksprache zu halten."

Studie für Verbesserungen im Notarztwesen

Unabhängig von der jetzigen Diskussion habe Prettner bereits im Oktober 2018 eine Studie in Auftrag gegeben, um das Notarztwesen zu evaluieren. Diese Studie des EPIG-Instituts liegt seit Anfang Dezember 2019 vor. Darin enthaltene Vorschläge zur Verbesserung des Systems werden demnächst der Öffentlichkeit präsentiert, so Prettner. 

Team Kärnten: Mehr Kompetenzen für Notfallsanitäter

Team-Kärnten-Chef Gerhard Köfer spricht sich in diesem Zusammenhang für eine Kompetenz-Erweiterung der Notfallsanitäter aus, wie es bereits in Tirol und Wien der Fall sei: "Mir geht es darum, dass Notfallsanitäter auch in unserem Bundesland zielgerichteter eingesetzt werden können und über mehr Aufgabengebieten sowie Möglichkeiten verfügen. Das würde das Notarzt-System in Kärnten massiv entlasten und die aktuell schwierige Gesamtsituation eklatant verbessern."

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Welche medizinischen "Säulen" gibt es in Kärnten?

Notarztwesen:

  • neun Notarzt-Stützpunkte, rund um die Uhr (365 Tage im Jahr) einsatzbereit
  • Die neun systemführenden Notärzte haben die Monatseinteilung für ihren Notarzt-Stützpunkt über. Dafür bekommen sie zusätzlich zu den Einsatz-Honoraren 510 Euro pro Monat Honorar 
  • Flugrettung mit dem C11 (Stützpunkt Klagenfurt) und dem RK1 (Stützpunkt Fresach) sowie C7 (Stützpunkt Lienz). Neu sind auch Nachtflüge.
  • Kontakt: Notrufnummer 144

Was kostet das Kärntner Notarztwesen das Land?

  • Etwa 1,1 Millionen Euro zahlte das Land Kärnten 2019 an Personalkosten-Ersatz an die Krankenanstalten. Warum? Die Krankenhäuser stellen einen Notarzt an Werktagen (Montag bis Freitag) von 7 bis 15 Uhr aus dem Krankenhaus-Dienst frei.
  • An Notarzt-Honoraren fielen für das Land 2019 etwa 2,5 Millionen Euro an. Werktags (Montag bis Freitag) gibt es zwischen 15 und 7 Uhr 646 Euro und an den Wochenenden und Feiertagen zwischen 7 und 7 Uhr jeweils 969,36 Euro.
    Ab 2020 gibt es neue Honorare: 653,92 Euro (Werktage ab 15 Uhr), 980,88 Euro (Wochenende, Feiertage) und 80,13 Euro zusätzlich für die Begleitung von Patienten im Rettungswagen. 
  • Jährlich fallen für das Notarztwesen in Summe rund acht Millionen Euro an: 2,5 Millionen Euro Honorare, 1,1 Millionen Euro Personalkosten-Ersatz für die Krankenanstalten, 1,5 Millionen Euro für die Flugrettung, 2,5 Millionen Euro NEF und NEF-Fahrer (Notarztsanitäter), 0,2 Millionen Euro für NEF-Medikamente

Ärztlicher Bereitschaftsdienst (von Notärzten unabhängig):

  • Montag bis Donnerstag, 19 bis 7 Uhr, und Freitag, 13 bis 19 Uhr
  • Kompetenz der Sozialversicherung und Ärztekammer (vertragliche Regelung), nicht im Verantwortungsbereich des Landes
  • 36 Sprengel, 36 Ärzte
  • zusätzlich Telefonarzt: 521,30 Euro Pauschale (zahlt das Land)
  • Land zahlt dafür jährlich ca. 2,1 Millionen Euro
  • Kontakt: über das Rote Kreuz 141, bei Notwendigkeit Telefonarzt, bei Notwendigkeit wird Sprengel-Arzt informiert
  • am Wochenende und an Feiertagen: Sache der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK, früher GKK)

Telefonische Gesundheitsberatung 1450:

  • seit Anfang November 2019
  • erste Anlaufstelle bei plötzlichen gesundheitlichen Beschwerden, im Idealfall vor Bereitschafts- oder Notärztedienst
  • 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag
  • Experten beraten am Telefon, um Leute dorthin zu leiten, wo sie am besten ausgehoben sind (z. B. 50 Prozent der Ambulanz-Besucher gehören gar nicht in die Ambulanz)
Autor:

Vanessa Pichler aus Klagenfurt

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