Kaisertal - den schönsten Ort Österreichs bewusst bewahren

Die BiologInnen und der Wilde Kaiser im Hintergrund: Ein "Juwel" das geschützt gehört.
  • Die BiologInnen und der Wilde Kaiser im Hintergrund: Ein "Juwel" das geschützt gehört.
  • hochgeladen von Elisabeth Schwenter

BEZIRK KITZBÜHEL (elis). Das Naturschutzgebiet Kaisergebirge feierte 2013 sein bereits 50-jähriges Bestehen und wurde vergangenes Jahr in der ORF Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ zum schönsten Ort Österreichs gekürt. Der Wilde Kaiser ist ein Juwel, ausgezeichnet und behütet. Das soll er auch bleiben.
Seit 10 Jahres gibt es die Schutzgebietsbetreuung. Die Biologin und Bundesrätin der Grünen Tirol Nicole Schreyer leitet die Betreuung, seit 2014 wird sie von Philipp Larch, ebenfalls Biologe, unterstützt. 2016 wurde verstärkt in Projekten zu den Themen Tourismus, Naturschutz und Umweltbildung gearbeitet, 2017 soll die erfolgreiche Arbeit fortgesetzt werden und Öffentlichkeit, Bevölkerung und Tourismus aktiv eingebunden werden.

Fokus auf Naturschutz – Freiwillige gesucht

Viel Engagement und Aufmerksamkeit stecken die beiden BiologInnen in die Neophytenbekämpfung im Kaiserbachtal und in den Mooren des Wilden Kaisers. „Neophyten, also schädliche, bzw. „nicht-heimische“ Arten, wie Springkraut und Riesenknöterich, treten häufig dort auf, wo das Gelände etwa durch Bau- oder Baggerarbeiten verändert wird. Die Samen der Schädlinge gelangen durch die Arbeiten in das Naturschutzgebiet und verbreiten sich rasend schnell“, so Larch. Hier müsse ständig kontrolliert und das „Unkraut“ entfernt werden. Im vergangenen Jahr wurde ein dementsprechendes Projekt in St. Johann etwa von SchülerInnen aus der Marktgemeinde und von den AsylwerberInnen unterstützt. Auch für das kommende Jahr, für den kommenden Sommer, werden Freiwillige gesucht, denen das „Juwel“ vor der Haustüre ein Anliegen ist - und die ein paar Stunden ihrer Zeit für die Bekämpfung der Schädlinge investieren möchten. Gemeinsam mit den Tourismusverbänden der Region und den Bundesforsten wird 2017 ein großes Bekämpfungs-Projekt gestartet, um den Schädlingen an den Leib zu rücken.
Gerade Moore, wie etwa das Moor am Wilden Kaiser in St. Johann, das unter dem Titel „Moor and More“ einen Erlebnisrundweg für Kinder und Erwachsene bietet, wären besonders schützenswert. „In Tirol sind heute nur mehr 3 % der ursprünglichen Moorflächen erhalten. Diese zu schützen und zu pflegen, ist uns ein großes Anliegen“, erklärt die Biologin.

Die Natur geht uns alle an

Die Aufgeben der SchutzgebietsbetreuerInnen sind vielfältig. Neben der Dokumentation und Bewahrung der Flora und Fauna im Gebiet, wird im Jahr 2017 die Öffentlichkeitsarbeit groß geschrieben.
Nicole Schreyer und Phillip Larch bieten zu diesem Zweck unterschiedliche Info-Möglichkeiten.
„Wir betreuen Bauvorhaben der Gemeinden aus „Naturschutz-Perspektive“, wir informieren die Tourismusverbände und sind in ständigem Kontakt zu den „Stakeholdern“. Außerdem bieten wir Beratung bei Förderungen für Naturschutzmaßnahmen und Umweltbildung und Wandertage für Schulklassen“, so Larch.

Auf dem richtigen Weg ans Ziel

„Wichtig ist und das Bewusstsein der Menschen für ein Naturschutzgebiet zu schärfen. Es gibt die Berge rundherum, mit ihren touristischen Möglichkeiten, und es gibt eben Naturschutzgebiete“, sind sich die BetreuerInnen einig. Die Naturschutzgebiete dürfen und sollen auch bewandert und erforscht werden, allerdings eben im Bewusstsein dafür, was hier möglich ist und was eben nicht.
Die Nachhaltigkeit ist wichtig. Die „Fun-Seite“ und die „Erholungs-Seite“ der Berge, wie Schreyer es nennt, müsse man unterscheiden. Erholung habe zudem auch einen großen Wert für den Tourismus.
Im Naturschutzgebiet heißt es daher „Bitte auf den Wegen bleiben“ und „Bitte nicht mit dem Mountainbike durch den Wald“.
„Früher wurden Mountainbike-Insidertipps über Mundpropaganda weiter gegeben. Auch für Strecken, die eigentlich nicht dafür vorgesehen waren. Da war das noch überschaubarer. Heute wird viel in Foren im internet gepostet - und viel mehr Menschen informieren sich so. Das ist ein Problem. Hier müssen wir Bewusstsein schaffen und sagen: Bitte nicht!“, ergänzt die Biologin.
Auffällig sei auch, dass immer mehr Mensch die Wanderwege verlassen und abseits der Wege durch den Wald gehen würden. Das ist für die Wildtiere ein Problem. Die Tiere merken sich nämlich, wo Menschen unterwegs sind und meiden diese Plätze. Oft meiden sie dann, gerade im Winter, ihre Futterplätze, weil dort gewandert wird.

Mitmachen und Infos

In den kommenden Monaten werden rund ums Naturschutzgebiet Kaisergebirge Infotafeln an den Eingängen zu den Hauptwanderrouten aufgestellt.
Außerdem bietet die Schutzgebietsbetreuung in der Geschäftsstelle des TVB St Johann eine monatliche Sprechstunde an. Die Schutzgebietsbeauftragten haben ein offenes Ohr für Anliegen, Fragen oder Anregungen, für Auffälligkeiten und Konfliktpotenzial. „Die Zusammenarbeit zwischen allen AkteurInnen wird immer besser. Wir können hier enorm viel bewegen, wenn alle an einen Strang ziehen“, ist Schreyer überzeugt.

Mehr dazu:

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