Klagenfurter im Führungsteam
Kärntens Landeshauptmann spricht über Erneuerung der SPÖ
- Seit gestern ist der Klagenfurter neben seinem Mandat als Nationalrat und Parlamentsklubobmann noch dazu SPÖ-Geschäftsführer. Zusammen mit Eva-Maria Holzleitner und Markus Marterbauer führt er die SPÖ an.
- Foto: Erich Varh
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SPÖ stellt nach dem Rückzug von Andreas Babler die Weichen für einen Neustart – und zwei Kärntner spielen dabei eine wichtige Rolle. Landeshauptmann Daniel Fellner zeigt sich mit dem Ergebnis des Krisengipfels zufrieden, während der gebürtige Klagenfurter Philip Kucher künftig an der Spitze der Bundes-SPÖ mitwirken soll. Was bedeutet die neue Konstellation für Kärnten – und welche Rolle spielt Fellner dabei? Und wie hoch stehen die Chancen für eine SPÖ-FPÖ-Koalition 2028 Kärnten?
WIEN, KÄRNTEN. Noch im April dieses Jahres schätzte der in Wien lebende Kärntner Journalist Wolfgang Rössler den Bekanntheitsgrad von Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) am Wiener Politikparkett noch als überschaubar ein. Spätestens seit dem gestrigen Krisengipfel im Wien, bei dem die Führungsdebatte um den Parteichef Andreas Babler entschieden wurde, hat sich das geändert. Vergangene Woche preschte Fellner mit einem Vorschlag für ein Treffen der Länderchefs voraus, um das öffentliche Beschäftigen mit der Führungsspitze zu beenden oder zumindest einzudämmen. Öffentliche Kritik an Andreas Babler hat Kärntens Landeshauptmann, der dem "Team Dosko" zugeordnet werden kann, nie geäußert.
Fellners blaue Annäherung
Ganz uneigennützig dürfte Fellners Vorpreschen aber nicht sein. Beim ORF-Kärnten-Sommergespräch sagte er, dass die SPÖ auf Bundesebene bei Umfragen mit 15 Prozent eine Grenze erreicht habe, die indiskutabel sei. "Wer sich damit zufriedengibt, hat das Wesen der Politik nicht verstanden", sagt Fellner heute gegenüber MeinBezirk. Er ist sich bewusst: In zwei Jahren finden in Kärnten Landtagswahlen statt. Im ORF Sommergespräch streckte Fellner die Hand zur FPÖ aus. War sein Vorgänger, Peter Kaiser, noch entschieden gegen eine Koalition mit den Freiheitlichen, sagte Fellner im ORF Sommergespräch, dass er die FPÖ nach den Landtagswahlen zu Koalitionsgesprächen einladen würde.
Angerer: "Vernünftiges Regierungsprogramm
MeinBezirk hat bei FPÖ-Parteiobmann Erwin Angerer nachgefragt, wie er zum Vorschlag des SPÖ-Landeshauptmanns steht. "Ich schätze das grundsätzlich demokratiepolitisch sehr positiv ein". Als Kommunalpolitiker (Anm.: seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Angererer Bürgermeister von Mühldorf.) sei er es ohnehin gewohnt, die Parteifarbe außen vorzulassen und im Sinne der Interessen der Bevölkerung zu agieren, mit sozialdemokratischen Gemeindevertretern arbeite er in Mühldorf "sehr positiv und gut zusammen". Unter einer Voraussetzung kann sich Angerer Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ vorstellen: "Wenn man ein vernünftiges Regierungsprogramm im Sinne der Kärntner Bevölkerung zustande bringt und bereit ist, dieses mit uns umzusetzen".
Zeichen auf Veränderung?
Zurück nach Wien: Gegenüber MeinBezirk zieht Daniel Fellner nach dem gestrigen Krisengipfel zufrieden Bilanz. "Ich bin positiv überrascht, dass es erstmals gelungen ist, alle Landesparteivorsitzenden an einen Tisch zu bekommen. Das war etwas, nach dem sich schon viele gesehnt in der Sozialdemokratie gesehnt haben." Ein wichtiger Schritt Richtung Erneuerung in der SPÖ sei getätigt worden. "Es war der einhellige Tenor von allen Ländern sowie den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, dass wir etwas anders machen müssen."
Klagenfurter als SPÖ-Geschäftsführer
Am Sonntag wurde bei der Krisensitzung entschieden, das Babler geht, die SPÖ von einem dreiköpfigen Team geführt wird– bis zum nächsten Parteitag Anfang nächsten Jahres. Neben Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner gehört der in Wien lebende Klagenfurter Philip Kucher diesem Vorsitz an. Kucher zählt zu einem der engsten Vertrauten Bablers. Kucher fühlt sich in seiner Rolle als SPÖ-Parlamentsclubobmann wohl. Angebote nach Kärnten zurückzukehren, winkte aber immer ab. Seine Rolle auf Bundesebene zu gestalten, wollte er nicht aufgeben. Fellner mache es stolz, dass mit Kucher ein Kärntner die Geschicke der SPÖ leitet.
Für Fellner gibt es keinen "Plan B"
Finanzminister Markus Marterbauer, Eva-Maria Holzleitner und Philip Kucher einige nach Ansicht Fellners eines: Sie genießen das Vertrauen der Länder sowie der Gewerkschaften. "Marterbauer genießt das hundertprozentige Vertrauen aller Landesparteivorsitzenden", betont Fellner noch einmal. Marterbauer leidet an einer Krebserkrankung. Die Genesung von dieser Erkrankung soll noch ein paar Wochen andauern. Für Fellner gibt es keinen Plan B – er zeigt sich zuversichtlich, dass Markus Marterbauer ab Jänner 2027 Parteichef und Vizekanzler wird. Für Daniel Fellner ist die öffentlich ausgetragene Führungsdebatte vorerst vom Tisch.
Zur Person
Philip Kucher hat eine klassische politische Laufbahn hinter sich. Bereits während seines Studiums engagierte er sich im VSStÖ Kärnten, dessen Vorsitzender er war. Von 2005 bis 2007 fungierte er als stellvertretender Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft an der Universität Klagenfurt. 2013 zog Kucher erstmals in den Nationalrat ein, dem er seither angehört. Seine politische Erfahrung sammelte er zudem auf kommunaler Ebene: Sechs Jahre lang war er Gemeinderat in Klagenfurt.
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