Interview
Sportpsychologe Thomas Brandauer: "Corona-Krise eine psychische Herausforderung für jeden Sportler"

Sportpsychologe Thomas Brandauer
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Der Sportpsychologe des Olympiazentrum Kärnten, Thomas Brandauer, spricht im WOCHE-Interview über die mentale Herausforderungen, denen Spitzensportler derzeit begegnen. Außerdem gibt der Experte Tipps wie Hobbysportler mit der plötzlichen Leere im Alltag umgehen sollen.

WOCHE: Warum ist die aktuelle Situation für Spitzensportler eine besondere Herausforderung?
THOMAS BRANDAUER: Die Sportler wurden von einem Tag auf den anderen aus ihren intensiven Aktivitäten und Vorbereitungen auf Wettkämpfe herausgerissen. Sportler sind über das Jahr gesehen sehr strukturiert, haben genaue Pläne, auf welche Ziele sie als nächstes hinarbeiten – sei es ein einzelner Höhepunkt wie die Olympischen Spiele oder das nächste Fußball-Match am Wochenende. Diese Ziele motivieren die Sportler in ihrem Handeln und sind ihnen jetzt genommen worden.

Gerade für Sommersportler ist das wahrscheinlich noch schwieriger?
Natürlich muss man zwischen einzelnen Disziplinen unterscheiden. Sommersportler sind jetzt gerade am Saisonbeginn, starten mit dem Outdoor-Training und wurden darin gestoppt. Aber auch für Wintersportler ist das nicht so leicht wie man meinen möchte. Die Mannschaft des KAC hatte sich genau an dem Tag, als die Liga beendet wurde, noch einmal eingeschworen, alles zu geben. Daraus wurde aber nichts, ihnen wurde die Möglichkeit genommen. Auch im Alpinen Skiweltcup gab es Athleten, die noch Chancen auf bestimmte Gesamtsiege hatten.

Was macht die Olympia-Verschiebung mit den Athleten? Kärnten hat ja vier Fixstarter.
Natürlich gab es Unmut bei den Athleten, als noch nicht klar war, ob verschoben wird. Je nach Sportart wirkt sich das umso schlimmer aus. Für einen Schwimmer etwa ist es extrem wichtig, das Element jeden Tag zu fühlen. Etwas entlastend ist jetzt natürlich, dass sich alle – auch die Konkurrenten – in derselben Situation befinden. 

Wie gehen die Spitzensportler mit der Situation um? 
Auf Hochleistungsniveau ist es für die Athleten sehr schwierig, damit klar zu kommen. Einerseits dient der Sport für sie zur Existenzsicherung: Sie leben davon. Andererseits ist ein großer Teil ihrer Identität damit verknüpft. Jeder Spitzensportler ist immer mit 100-prozentigem Einsatz und voller Leidenschaft dabei. Sie sind darauf getrimmt, stetig die bestmögliche Leistung abzurufen.

Kann die aktuelle Lage nicht auch dazu führen, dass Druck abfällt?
Das ist bestimmt der Fall, aber sicher kein Dauerzustand. Am Anfang kann die neue Situation sicher entlastend sein. Der Druck von außen und von einem selbst ist plötzlich weg. Wenn dieser Zustand aber länger anhält, kann das zu einem Problem werden und sogar zu depressiven Stimmungen führen und Ängste schüren – eben weil Spitzensport großer Teil der eigenen Identität ist. Die Verunsicherung wird größer.

Was hilft dabei?
Es gibt natürlich Dinge, mit denen sich die Sportler selbst gut ablenken und stärken können. Das kann zum Beispiel ein laufendes Studium sein oder aber die vermehrte Zeit mit der eigenen Familie, die sonst etwas zu kurz kommt. Viele versuchen sich an neuen Trainingsmethoden und machen auch verstärkt mentales Training. 

Wie belastet die Situation auch Breitensportler?
Ein Hobbysportler versucht ja über regelmäßige Bewegung gesund zu bleiben oder einen Ausgleich vom Alltag zu finden. Gleich wie beim Spitzensportler sind das Ziele, die derzeit genommen sind. Wichtig ist, sich umzuorientieren, um den Ausgleich trotzdem zu erhalten. Wenn wir uns sportlich betätigen, stellt das ein hormonelles Gleichgewicht in unserem Körper her. Wenn uns das genommen ist, kommt es zu Entzugserscheinungen.

Was können Amateursportler machen, um das zu vermeiden?
In den Medien versuchen sehr viele Einzelpersonen oder Vereine, die Menschen zu Sport in den eigenen vier Wänden zu motivieren. Mit einem Ergometer oder Laufband – sofern man das zu Hause hat – kann man da schon sehr gut Abhilfe schaffen. Es gibt aber auch andere Formen des Trainings, die man sehr gut zu Hause durchführen kann. Auch Laufen kann man nach wie vor. Wichtig ist, sich auch hier eine Routine zu erstellen und sich regelmäßig körperlich zu betätigen.

Interview: Stefan Plieschnig

Sportpsychologe Thomas Brandauer
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