Geschichte & Bräuche
Advent, Nikolaus und Mariä Empfängnis – das wird gefeiert

Das Hochaltarbild der Pfarrkirche Flachau zeigt die Unbefleckte Empfängnis Mariä. Die Pfarrkirche Flachau ist der Maria Immaculata geweiht.
  • Das Hochaltarbild der Pfarrkirche Flachau zeigt die Unbefleckte Empfängnis Mariä. Die Pfarrkirche Flachau ist der Maria Immaculata geweiht.
  • Foto: Archiv der Erzdiözese Salzburg (AES)/J. Kral
  • hochgeladen von Sebastian Noggler

Das Wort Advent kommt vom lateinischen „adventus“ und bedeutet „Ankunft“. Christen verbinden damit die Erinnerung an die Geburt Jesu in Bethlehem. Für sie ist der Advent die Zeit der freudigen Erwartung. Verschiedene Bräuche unterstreichen dieses Warten und lassen die Vorfreude auf das Weihnachtsfest noch intensiver werden: Der Adventkranz, der Adventkalender oder auch Lieder vom Warten und Hoffen. Die BEZIRKSBLÄTTER gehen mit der Erzdiözese Salzburg den Bräuchen und Feiertagen auf den Grund.

SALZBURG, BEZIRK KUFSTEIN, BEZIRK KITZBÜHEL (eds/red). Die Adventzeit beginnt immer am vierten Sonntag vor dem ersten Weihnachtstag, dem 25. Dezember. Der Beginn der Festzeit liegt somit immer zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember. Im längsten Fall kann sie also 28 Tage und im kürzesten Fall 22 Tage dauern. Anfangs dauerte die Bußzeit vor Weihnachten sogar 40 Tage – genau wie die Fastenzeit vor Ostern. Es war Papst Gregor, genannt "der Große", der im 6. Jahrhundert die Dauer der Adventzeit auf die vier Sonntage vor Weihnachten festlegte. Dort, wo die Liturgie im Ambrosianischen Ritus gefeiert wird, wie etwa in Mailand, dauert die Adventzeit noch heute sechs Wochen – ebenso in den orthodoxen Kirchen.

Adventkranz: Ursprünglich evangelisch

Der Adventkranz ist das zentrale Symbol der vorweihnachtlichen Zeit und geht auf den norddeutschen evangelischen Theologen Johann Wichern (1808–1881) zurück. In Österreich verbreitete sich der Brauch endgültig erst nach 1945. Ähnlich wie im benachbarten Bayern ist in Österreich der Kranz traditionell in den liturgischen Farben – mit drei lila Kerzen und einer rosafarbenen – geschmückt. Die rosa Kerze wird am dritten Adventsonntag entzündet, der auch „Gaudete“ („Freuet euch“) genannt wird. Das Licht der Kerzen vertreibt die Dunkelheit und symbolisiert Hoffnung.

111 Jahre Adventkalender

Neben dem Adventkranz zählt auch der Adventkalender – vor allem bei Kindern beliebt – in den Tagen des Dezembers als Hinführung zum Weihnachtsfest. Verschiedene Vorformen des Adventkalenders finden sich bereits im 19. Jahrhundert. 1908 druckte der Münchner Verleger Gerhard Lang den ersten Adventkalender mit Klapptürchen. Ursprünglich war der Kalender als religiöse Hinführung auf Weihnachten gedacht, heute verbergen sich hinter den Türchen Bilder, Sprüche oder Süßigkeiten.

"Anklöpfeln": Brauchtum in Tirol und Salzburg

Ein vor allem in Tirol und Salzburg gängiger Brauch ist das sogenannte „Anklöpfeln“. Im Mittelpunkt steht die Verkündung der Weihnachtsbotschaft. Eine Gruppe von Sängern verkleidet sich dafür als Hirten und zieht von Haus zu Haus, um das Weihnachtsevangelium zu verkünden. Zeitlich fällt das „Anklöpfeln“ auf die drei Donnerstage vor Weihnachten. Mittlerweile ist der Brauch von der Österreichischen UNESCO-Kommission in das „Immaterielle Kulturerbe“ aufgenommen worden.
Im städtischen Bereich weitaus unbekannt, aber in ländlichen Gegenden noch praktiziert ist der Brauch des „Frauentragens“. Dabei wird ein Marienbild oder eine Muttergottesstatue in der Pfarre oder Nachbarschaft herumgereicht. Diese „wandert“ so von Familie zu Familie, die sie für je einen Tag aufnimmt und sie mit einem Rosenkranzgebet und Adventliedern begrüßt bzw. wieder verabschiedet.

Nikolaus von Myra – Heiliger der Kinder

Am 6. Dezember ist der Gedenktag des heiligen Nikolaus. Geboren wurde der spätere Bischof von Myra um das Jahr 280 in Patara in Lykien in der heutigen Türkei. Seine Eltern starben an der Pest – so besagt es die Legende. Nikolaus erbte ihr Vermögen und verteilte es an Arme. Nikolaus wurde bereits mit 19 Jahren von seinem Onkel zum Priester geweiht, schließlich wurde er Abt des Klosters Sion nahe dem damaligen Myra. Um das Jahr 350 starb er in Myra, dem heutigen Demre, rund 100 Kilometer südwestlich von Antalya. Im 11. Jahrhundert wurden seine Gebeine nach Bari in Süditalien gebracht, wo sie noch heute bestattet liegen.

Das Verteilen von Geschenken am Vorabend des Nikolaustages gründet auf den vielfältigen Legenden über den Heiligen. Nach einer davon erweckte Nikolaus drei ermordete Schüler wieder zum Leben. Einer anderen Legende nach schenkte er drei Mädchen heimlich Gold für die Aussteuer, um sie vor der Tempelprostitution zu retten.

Nikolaus gilt in der Volksfrömmigkeit als Helfer in fast allen Nöten. Er ist Schutzpatron der Reisenden, der Seeleute und vor allem der Kinder und Schüler, der Mädchen und Frauen. Diese Schutzfunktion zeigt sich auch in den Nikolausfeiern am Abend des 5. Dezember, wenn in vielen Haushalten eine als Bischof verkleidete Person die Kinder danach befragt, ob sie im vergangenen Jahr brav gewesen sind. Diese Frage geht auf eine Bibelstelle zurück, die häufig zum Nikolausfest gelesen wurde: das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matthäusevangelium 25, 14–23). Im 14. Jahrhundert entstand der Brauch des „Bischofsspiels“ in Klosterschulen, wo ein Schüler für einen Tag als „Bischof“ fungieren durfte. Daraus entstand die Gepflogenheit, dass Nikolaus die Kinder beschenkt, seit 1555 ist Nikolaus als Gabenbringer für Kinder belegt.
Nikolaus ist einer der beliebtesten Heiligen, nicht nur in der katholischen, sondern vor allem in der orthodoxen Kirche. Er ist ein Heiliger, der die Hand reicht, auch anderen Konfessionen und Religionen – eine Brücke zwischen Orient und Okzident.

Mariä Empfängnis

Die Gläubigen der katholischen Kirche begehen das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ in der Überzeugung, dass Maria seit dem Zeitpunkt ihrer Zeugung ohne Sünde gewesen ist, das heißt, sie war von Gott begnadet und blieb auch zeitlebens sündenfrei („ohne Makel“). Daher lautet einer ihrer Titel auch Immaculata (lat. „die Unbefleckte“).

Das Fest steht im Jahreskreis historisch gesehen in der Nachfolge des älteren Fests Mariä Geburt am 8. September. Ausgehend von diesem Datum wurde neun Monate zurückgerechnet und daher der 8. Dezember als Termin für das Hochfest Mariä Empfängnis festgelegt.

Das Tagesevangelium (Lk1, 26–38) nimmt zwar Bezug auf Maria als Gottesmutter, nämlich auf die Verkündigung von Jesu Geburt durch den Engel Gabriel. Dies ist aber nur durch „Bedingung“ der Makellosigkeit Mariens möglich. Somit hängt dieses Fest mit zwei weiteren Marienfesten eng zusammen. Zum einen natürlich mit dem Fest Mariä Verkündigung (Verkündigung des Herrn) am 25. März. An diesem Tag ist das Tagesevangelium ebenfalls Lk 1, 26–38. Zum anderen ist es auch mit Mariä Himmelfahrt am 15. August, der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, verbunden. Diese Aufnahme ist ebenfalls nur durch ihre Befreiung von der Erbsünde möglich und zu verstehen.

Dogma der "unbefleckten Empfängnis"

Das Dogma von der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“ wurde am 8. Dezember 1854 von Papst Pius IX. in der Bulle "Ineffabilis Deus" (‚Der unbegreifliche Gott‘) als Glaubenslehre der katholischen Kirche verkündet:

„Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben.“

Davon klar zu trennen ist die Lehre von der jungfräulichen Empfängnis Jesu durch den Heiligen Geist, die auch von den anderen christlichen Konfessionen akzeptiert wird und zum Glaubensbekenntnis gehört. Die Begriffe "Erbsünde" oder "Erbschuld" weisen auf eine schicksalhafte Verstrickung in das Böse hin, in die jeder Mensch – im Gegensatz zur persönlichen Schuld einer absichtlichen Ablehnung Gottes – hineingeboren wird, ohne persönlich daran schuld zu sein.

Geschichte des Feiertags

In der Ostkirche bestand mancherorts bereits seit dem 9. Jahrhundert ein „Tag der Empfängnis der Allerheiligsten Gottesmutter durch Anna“, im Westen führte Anselm von Canterbury um 1100 das Fest in seiner Diözese ein. Das Hochfest wurde 1477 von Papst Sixtus IV. in Rom installiert, 1708 schrieb es Papst Clemens XI. als „Mariä Empfängnis“ der gesamten katholischen Kirche vor.

In Österreich reicht die Geschichte dieses Fests als Feiertag bis 1647 zurück. Kaiser Ferdinand III. erklärte Maria zur Schutzheiligen Österreichs und führte den 8. Dezember auch als gesetzlichen Feiertag ein. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Feiertag abgeschafft. Auf ein Volksbegehren hin wurde 1955 als Dank für die wiedererlangte Freiheit Österreichs der Feiertag wieder eingeführt. Somit ist der 8. Dezember ein gesetzlicher Feiertag, an dem arbeitsfrei ist.
Die Konsumzwänge führten jedoch dazu, dass Mariä Empfängnis seit 1995 seine ursprüngliche Bedeutung zunehmend eingebüßt hat und nun einer der umsatzstärksten Einkaufstage im Advent ist.

Arbeitsfrei für Frauen

Früher war dieser Tag vor allem ein Feiertag der Frauen, denn sie durften an diesem Tag nicht arbeiten. Im Brauchtum ist es auch der Auftakt zur Weihnachtsbacksaison. Für die Hausfrauen begannen arbeitsreiche Tage, da sie das Weihnachtsgebäck vorbereiten mussten. Bis zum 12. Dezember musste alles fertig sein. Danach sollte bis Weihnachten nichts mehr gebacken werden.

Autor:

Sebastian Noggler aus Kufstein

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