Transit
Kufstein spricht sich gegen Scheiteltunnel bei Plöckenpass aus
- Der Plöckenpass ist eine der wichtigsten Verbindungsstraßen nach Italien im oberen Gailtal. Nun spricht die italienische Seite von dem möglichen Bau eines Scheiteltunnels.
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Nach dem Felssturz ist der Bau eines Scheiteltunnels unter dem Plöckenpass im Gespräch. Das würde eine neue Transitroute bis nach Kufstein bringen. Bürgerinitiativen, aber auch die Stadt Kufstein, sprechen sich dagegen aus.
BEZIRK KUFSTEIN, OSTTIROL. Lange war es um einen Ausbau rund um den Plöckenpass ruhig gewesen, der Felssturz am 1. Dezember 2023 brachte jedoch den Stein buchstäblich wieder ins Rollen.
Rund fünf Monate nach dem Felssturz starteten die Sicherungsarbeiten an der bestehenden Passstraße auf italienischer Seite. Gleichzeitig wurden nach dem Felssturz aber auch wieder drei Varianten für Transit entlang der Plöckenroute diskutiert.
Italien: Vorstoß für Scheiteltunnel
Auf dem Tisch lagen ein Basistunnel, ein Scheiteltunnel oder eine anders trassierte, nicht Felssturz-gefährdete Passstraße auf der italienischen Seite. Zur Prüfung wurde eine gemischte italienische und Kärntner Arbeitsgruppe eingesetzt. Obwohl diese Prüfung bisher nicht abgeschlossen ist, zeichnet sich ab, dass man sich für eine Scheiteltunnel-Variante entscheiden könnte – zumindest auf italienischer Seite.
Laut einem Schreiben der Bürgerinitiative (BI) "Stop Transit - Osttirol" hat sich die zuständige Landesrätin Cristina Amirante am 30. Juli 2025 – laut BI vor allem auf Druck der Wirtschaftskammer Pordenone-Udine und der Industriellenvereinigung Confindustria Udine – schon auf eine Scheiteltunnel-Variante festgelegt.
- Derzeit gibt es eine neue Prüfung von drei Varianten für eine dauerhafte Lösung.
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Tunnel als "beste" Lösung
Amirante argumentiert, dass der Tunnel die Entstehung von Transit-Schwerlastverkehr verhindern würde. Der Tunnel würde nicht nur den Berggebieten des Friaul nützen, sondern der ganzen Region Friaul-Julisch-Venetien und daher den nordadriatischen Häfen Triest, Monfalcone und Porto Nogaro. Der 4,1 km lange Tunnel sei die Lösung, die den Anforderungen des Gebiets am besten entspreche: Er garantiere Sicherheit, eine auch im Winter durchgehende Verbindung und schütze den touristischen und ökologischen Charakter des Passes. "Er ist die nachhaltigste und modernste Wahl, die von Institutionen und Wirtschaftsverbänden unterstützt wird", erklärte Amirante.
Allerdings wäre der notwendige Ausbau in Kärnten, Tirol und Salzburg von der öffentlichen Hand zu tragen – bislang ohne Aussicht auf EU-Fördermittel. Der Bau eines Tunnels würde zudem mindestens zehn Jahre in Anspruch nehmen.
Bürgerinitiativen dagegen
"Eine alpenquerende Transitroute für den Schwerverkehr bzw. Hafenverkehr bzw. aus der industriestarken Region ist ja gerade der Hauptzweck dieses Tunnels", sagen indes die Vertreter der Bürgerinitiative Stop Transit - Osttirol.
Auch die Bürgerinitiativen im Oberen Gailtal, im Oberen Drautal und in Osttirol sowie die Alpenvereinssektion Obergail-Lesachtal äußerten sich kritisch und sagen Nein zum Tunnel: "Wir verwehren uns gegen die von der Plöckenpass-Lobby kolportierte Behauptung, dass sich 'alle einig' seien und den Tunnel befürworten." Auch auf österreichischer Seite sei die Tunnellösung nicht konsensfähig. Kolportierte Berichte, wonach sich alle Bürgermeister des Gailtales darüber einig seien, seien schlichtweg falsch, so die Initiativen.
Sollte eine die oben angesprochene Variante kommen, würde eine neue alpenquerende Lkw-Transitstrecke entstehen, die über Oberkärnten, Osttirol, Pinzgau und nicht zuletzt über St. Johann i.T., Kitzbühel und Kufstein führen würde. Die Bürgerinitiative Stop Transit - Osttirol wandte sich daher auch in einem Schreiben an den Kufsteiner Bürgermeister mit der Bitte, gegen den Bau eines Plöckentunnels zu intervenieren.
- "Ich spreche mich klar gegen den Bau eines 4,1 km langen Scheiteltunnels am Plöckenpass (Passo di Monte Croce Carnico) aus", sagt Kufsteins Vize-Bgm. Stefan Graf.
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Das sagt Kufstein
"Ich spreche mich klar gegen den Bau eines 4,1 km langen Scheiteltunnels am Plöckenpass (Passo di Monte Croce Carnico) aus. Aus meiner Sicht gibt es weder für die Gemeinde Kufstein noch für die Region ein Interesse, einem solchen Vorhaben zuzustimmen", sagt Kufsteins Vize-Bürgermeister Stefan Graf (in Vertretung von Bgm. Martin Krumschnabel). Die Transitroute würde unweigerlich durch oder an Kufstein vorbeiführen. Die negativen Auswirkungen auf Bevölkerung und Umwelt wären entlang der gesamten Strecke deutlich spürbar.
"Die Belastung durch den Schwerverkehr ist in unserer Region bereits heute zu hoch. Alle Maßnahmen, die diesen Verkehr attraktiver machen, sind daher aus meiner Sicht konsequent abzulehnen",
sagt Graf. Er betont, dass es sinnvoller wäre, über eine Verschärfung des sektoralen Fahrverbots, eine Ausweitung von Nacht- und Feiertagsfahrverboten, einen schnelleren Ausbau alternativer Transportwege oder die Einführung eines strengen Slot-Systems zu diskutieren.
In Kufstein selbst habe man zwar nur begrenzte Möglichkeiten, auf eine solche überregionale Entwicklung Einfluss zu nehmen. "Sollte das Projekt jedoch ernsthaft in Betracht gezogen werden, werden wir alle zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen – von Resolutionsanträgen im Gemeinderat über direkte Gespräche mit Land und Bund bis hin zu Initiativen im Gemeinde- oder Städtebund – um diese Entwicklung zu verhindern", so Graf abschließend.
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