22.11.2016, 14:39 Uhr

"Leistung für viele nicht mehr erstrebenswert"

Referierten bei "Industrie im Dialog" (v.l.): Axel Greiner, Georg Kirchmayr, Franz Schellhorn und Paul Eiselsberg. (Foto: IV OÖ/Krügl)

Dass drei von vier Bürgern in Österreich mehr Leistungen vom Staat erhalten, als sie in das System einzahlen, ist für die Industriellenvereinigung Oberösterreich alarmierend. Bei "Industrie im Dialog" wurden die Themen Sozialstaat und Leistung erörtert.

"Ganz Österreich baucht wieder ein Umdenken", sagt Axel Greiner, Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich. "Es müssen die richtigen Anreize für Leistung und Eigenverantwortung gesetzt werden." Das viel strapazierte Wort Work-Life-Balance habe einen falschen Ansatz. Denn Arbeit und Leben seien keine Gegensätze, sondern Arbeit sei ein wichtiger Teil des Lebens.

"Statt Arbeitsstunden die Leistung bezahlen"

Für Franz Schellhorn, Chef der Agenda Austria, ist es ein Grundversprechen des Sozialstaates, dass ungleiche Startchancen ausgeglichen werden – die Aufsteiger aus allen sozialen Schichten sollten aber relativ früh zu Nettozahlern gemacht werden. "Leistung per se ist heute für viele nicht mehr erstrebenswert", sagt er. Für ihn gehört auch die Stundenzählerei in den Betrieben zum Auslaufmodell. "Statt Arbeitsstunden sollte die eigentlich erbrachte Leistung bezahlt werden", schlägt Schellhorn vor.

"Es fehlt die Vision"

Auch Georg Kirchmayr, Chef von TGW, kritisierte, dass die Einkommen kaum höher seien als die zu erwartenden Sozialtransfers. Viele staatliche Leistungen würden außerdem nach dem Gießkannenprinzip verteilt. "Der Bürger muss zu mehr Eigenverantwortung ermächtigt werden und das Schicksal wieder stärker selbst in die Hand nehmen", sagt Kirchmayr.

"System braucht mehr Treffsicherheit"

Paul Eiselsberg berichtete aus seiner Erfahrung als Meinugsforscher, dass 64 Prozent der selbständig Erwerbstätigen denken, dass sich Leistung heute nicht mehr auszahlt. "Insgesamt fehlt es der Gesellschaft an Vision, die Motivation von innen schafft", erklärt Eiselsberg. Das Sozialsystem brauche mehr Treffsicherheit und müsse unterscheiden, ob jemand nicht könne oder nicht wolle.
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