Engelbert-Stenico-Kulturpreis für das Jahr 2017
Historiker Roman Spiss mit SPÖ-Kulturpreis ausgezeichnet

Engelbert-Stenico-Kulturpreis wurde an Roman Spiss (Mi.) verliehen: GR Marco Lettenbichler, GR Manfred Jenewein, LA Benedikt Lentsch und GR Simone Plangger (v.l.) gratulierten.
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  • hochgeladen von Othmar Kolp

In seiner Forschung hat sich Roman Spiss mit Randgruppen und der Zeit des Nationalsozialismus in Landeck beschäftigt.

Engelbert-Stenico-Kulturpreis

LANDECK (otko). Die Lage in Landeck vor 100 Jahren war katastrophal – die politische und militärische Führung hatte im 1. Weltkrieg total versagt. Die Versorgungslage war verheerend und es mangelte an allem. Zudem gab es tausende Kriegsversehrte. Es gab zu wenig Mehl, das Brot wurde deshalb mit Baumrinde, Kartoffelschalen oder Sägespäne gesteckt. Auch die Säuglingssterblichkeit war enorm und seit 1916 verstarben 20 Prozent der Kinder. Milch war keine mehr zu bekommen und Städter tauschten sogar Pelzmäntel bei den Bauern für ein paar Eier oder Erdäpfel ein. Nach dem Waffenstillstand zogen zwischen 40.000 und 90.000 geschlagene Soldaten vom Reschen kommend durch Landeck. Danach folgte die italienische Besatzung.

Keine Geschichte der Herrschenden

"Über Jahrzehnte wurde das Heroische betont und man hat es erfolgreich geschafft, sich nicht mit dem fürchterlichen Charakter des damaligen Regimes und der Führung auseinanderzusetzen", betont der aus Landeck stammende Historiker Roman Spiss. Solche Alltagsgeschichten sind seine Motivation in der Freizeit zu forschen und die letzten Zeitzeugen zu befragen. "Biographien von Herrschende sind in großer Zahl vorhanden. Mit ist es viel wichtiger wie es der breiten Masse gegangen ist", erklärt Spiss.
Neben seiner Forschung zu Randgruppen und Minderheiten wie den Jenischen, zu den Schwabenkindern, hat er sich auch mit der Zeit des Nationalsozialismus in Landeck umfassend befasst. Zu erwähnen ist hier insbesondere seine Dissertation "Landeck 1918 – 1945- Eine bisher nicht geschriebene Geschichte". Aus seiner Feder stammt auch das Kapitel über Landeck im Sammelband "1938 – der Anschluss in den Bezirken Tirols".

Preis weiterer Ansporn

Die SPÖ-Fraktion im Landecker Gemeinderat würdigte nun die Arbeit von Roman Spiss mit der Verleihung des "Engelbert-Stencio-Kulturpreises" für das Jahr 2017. Der ehemalige SPÖ-Vizebürgermeister Manfred Weiskopf hat den Preis vor 30 Jahren gestiftet. Dotiert ist die Auszeichnung mit 1.500 Euro. Damit reiht sich Spiss in Reihe bekannte Preisträger wie Raoul Schrott, Karlheinz Schütz, Michael Öttl oder zuletzt die Powerband Tirol.
"Als Historiker hat Roman Spiss wichtige Bücher für den Bezirk geschrieben. Dabei hat er sich große Verdiente gemacht und auch nicht so glorreiche Kapitel aufgearbeitet. Bei seiner Forschung schaut er auf jene, die nicht so im Mittelpunkt standen. In seinen Büchern geht es um Fakten und er hat eine bescheidene und zurückhaltende Art", so SPÖ-Fraktionssprecher GR Manfred Jenewein in seiner Laudatio. Der Preis soll jedenfalls der Ansporn für weitere Forschung zu den helleren und dunkleren Kapiteln von Landeck sein.

Veränderung zum Positiven

Mag. DDr. Roman Spiss MSc., der 1964 geboren wurde, hat Geschichte, Geographie und Politik studiert und unterrichtet seit Jahren am Gymnasium Adolf-Pichler-Platz in Innsbruck. "Für mich ist es eine große Ehre diesen Preis zu bekommen. Uns geht es heute gut und allen Rückschlägen zum Trotz bin ich überzeugt, dass die Veränderung zum Positiven weitergeht", unterstrich Spiss seine zentrale Botschaft.

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