Kraftwerk Freudenau
Großturbinen-Check 20 Meter unter dem Wasserspiegel
- Im Kraftwerk Freudenau besichtigte MeinBezirk.at eine stillgelegte Turbine. Diese wird aktuell gewartet und saniert.
- Foto: Andreas Pölzl/RMW
- hochgeladen von Kathrin Klemm
Zuverlässig läuft das Kraftwerk Freudenau rund um die Uhr, um Strom zu erzeugen. Damit das möglich ist, werden die Turbinen alle neun Jahre gewartet und repariert. MeinBezirk.at konnte einen Blick hinter die Kulissen werfen und wagte sich ins Innere einer Turbine.
WIEN/LEOPOLDSTADT. Ein Drittel der Wienerinnen und Wiener versorgt das Kraftwerk Freudenau mit Strom. Damit ist es das größte innerstädtische Kraftwerk in Europa. Doch diese Leistung fordert seinen Tribut. Abnutzungen und Verschleiß sind unumgänglich und ziehen regelmäßige Wartungen und Sanierungen mit sich. Alle neun Jahre ist dies bei einer der sechs sogenannten Kaplan-Turbinen nötig.
Im Jänner war es soweit und eine der Maschinen wurde stillgelegt. Gestartet hat das Ganze mit einer Kontrolle und Reinigung der Fläche vor der Turbine. Erledigt wird dies von ausgebildeten Industrietauchern. MeinBezirk.at durfte ihnen bereits bei ihrer Tätigkeit über die Schulter schauen:
Danach legte man die komplette Turbine trocken. Nur so kann das Personal in die Tiefe gehen und das Laufrad, den Generator und alle anderen Teile genau unter die Lupe zu nehmen. Die Stromversorgung vom Kraftwerk aus ist dennoch garantiert. Denn während der Arbeiten wird die Leistung der stillgelegten Turbine von den anderen fünf Exemplaren komplett übernommen bzw. kompensiert.
20 Meter unter dem Wasserspiegel
"Unsere Turbinen sind Dauerläufer, das heißt, tief unter der Donau, wo man sie nicht sieht, arbeiten sie den ganzen Tag, das ganze Jahr", erklärt Florian Seidl von der Verbund AG, welche das Kraftwerk Freudenau seit 1998 betreibt. Die Maschinen sind enormen Kräften ausgesetzt, was verschiedene Arbeiten erfordert. Normalerweise sind nur 20 Personen in der Freudenau tätig, da vieles ohne menschliches Zutun läuft. Sind – wie aktuell – Arbeiten nötig, braucht es meist doppelt oder gar dreimal so viel Personal vor Ort.
"Wir machen einen umfassenden Service, checken die Lager, die Dichtungen, die Motoren, die Steuerung. Ob das alles so funktioniert, wie wir wollen. Denn die Turbine soll wieder neun Jahre lang, 8.600 Stunden rund um die Uhr, Strom erzeugen", erläutert Seidl.
Unter die Lupe genommen wird die Turbine von allen Seiten. Kontrolliert wird das Sieb, welches das Wasser zur Turbine bringt. Dafür gilt es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die tiefste Stelle des Kraftwerks – 20 Meter unter dem Wasserspiegel – hinunterzufahren. Möglich macht das eine kleine Gondel, welche bis zu drei Personen in die Tiefe befördert. Dort zeigt sich etwa auch die Qualität des Wassers. Bei einem Lokalaugenschein erblickte MeinBezirk.at mehrere Muscheln, welche gute Qualität attestieren.
- Bei der stillgelegten Turbine findet man auch Muscheln. Dies spricht laut dem Experten für eine gute Wasserqualität.
- Foto: Kathrin Klemm/RMW
- hochgeladen von Kathrin Klemm
An derselben Stelle findet man auch den hinteren Teil des Generators, welcher ebenfalls inspiziert wird. Apropos Generator: Von diesen gibt es, wie auch Turbinen, sechs Exemplare. Jeder davon ist an eine Turbine gekoppelt und wird auch von dieser betrieben.
Arbeiten noch bis Ende April
Aktuell stillgelegt ist auch das Laufrad, das wesentlich für die Stromerzeugung ist. Es besteht aus vier Flügeln und hat einen Durchmesser von 7,5 Meter. "Normalerweise schießen hier 500.000 Liter Wasser pro Sekunde durch und diese treiben das große Laufrad damit an", so Seidl. Wie viel das genau ist, zeigt folgender Vergleich: In nur 12 Minuten läuft so viel Wasser durch, wie alle Wiener Haushalte in einem Jahr benötigen.
- Insgesamt sechs Kaplan-Turbinen erzeugen Strom durch Wasser im Kraftwerk Freudenau.
- Foto: Kathrin Klemm/RMW
- hochgeladen von Kathrin Klemm
Natürlich zeigen sich auch hier gewisse Abnutzungen. Deshalb wird auf Roststellen kontrolliert, die Lager gecheckt oder die Kanten des Rades nachgeschliffen. Auch kontrolliert man, ob die Motoren noch funktionieren. "Das dauert natürlich seine Zeit, aber dafür soll diese Turbine nach dieser guten Wartung auch wieder neun Jahre lang im Dauerbetrieb Strom erzeugen", sagt der Experte.
Insgesamt zwei bis drei Monate dauern die Arbeiten je Turbine, je nachdem wie groß der Bedarf an Reparatur und Service ist. Im aktuellen Fall wird man damit sogar früher fertig sein, als gedacht: Die meisten Arbeiten sind bereits abgeschlossen. Bis die letzten Handgriffe erledigt sind, wird es noch bis Ende April dauern. Dann wird die Maschine wieder ans Stromnetz genommen und ist fit für die nächsten Jahre.
Wer selbst einen Blick hinter die Kulissen vom Kraftwerk Freudenau werfen möchte, kann an einer der Führungen teilnehmen. Zwar besichtigt man dabei keine Turbine von innen, doch gibt es viel anderes Interessantes zu entdecken und zu sehen. Mehr Infos und Anmeldung direkt hier online.
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