Ortsreportage Leonding
Charakter bewahren

Leondings Stadtchefin Sabine Naderer-Jelinek. | Foto: Statdarchiv Leonding
  • Leondings Stadtchefin Sabine Naderer-Jelinek.
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Leondings Bürgermeisterin Sabine Naderer-Jelinek über ihre Zukunftsvision für die Stadtgemeinde. 

Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in Leonding?
Naderer-Jelinek: Die wirtschaftliche Lage in Leonding ist trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen gut und stabil. Unser positiver Rechnungsabschluss für 2025 zeigt, dass wir gut wirtschaften. Allerdings erdrücken uns langsam die Kosten, die uns das Land für die Spitalsfinanzierung u.ä. vorschreibt. Hier können wir nichts mitbeeinflussen, müssen aber voll mitbezahlen. Würde die Versorgungsqualität für die Menschen steigen, wäre das ja noch in Ordnung. Nur das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Um Leonding trotz dieser Belastungen zukunftsfit zu halten, wurde ein Konsolidierungspaket geschnürt. 14 Millionen Euro sparen in den nächsten 5 Jahren – das haben wir uns vorgenommen. Bei allem Sparwillen, dürfen wir aber auch die Zukunft nicht vergessen. Vor allem in Bildung, Infrastruktur und Lebensqualität müssen wir weiter investieren. So schaffen wir die Basis, um Leonding auch in den kommenden Jahren bestmöglich weiterzuentwickeln.


Vor welchen Herausforderungen steht die Kommune 2026?
Wie viele Städte und Gemeinden stehen auch wir vor der Herausforderung, mit steigenden Kosten und gleichzeitig begrenzten finanziellen Spielräumen umzugehen. Das betrifft laufende Ausgaben ebenso wie notwendige Investitionen in Infrastruktur und Angebote für die Bevölkerung. Unsere Aufgabe ist es, hier sehr sorgfältig zu priorisieren und verantwortungsvoll zu wirtschaften. Entscheidend ist für mich, die Balance zwischen Sparsamkeit und Zukunftsinvestitionen gut zu halten.

Welche Projekte setzt die Gemeinde derzeit um bzw. welche befinden sich in der Pipeline?

In den Sommerferien startet bereits der Bau des fixen Gebäudes der Digi-AHS, gleichzeitig laufen die Planungen für den Umbau der Mittelschulen in Doppl-Hart und Leonding. Darüber hinaus investieren wir gezielt in die Infrastruktur unserer Stadt, konkret in die Erneuerung der Wasser- und Abwasserversorgung, den Ausbau bzw. Umbau von Stadtteilbushaltestellen sowie Verbesserungen beim LILO-Radweg. Mit der Anschaffung eines Wechselladefahrzeugs für die Freiwillige Feuerwehr Rufling vor einigen Wochen stärken wir außerdem die Einsatzfähigkeit unserer Feuerwehren.

Wie sieht Ihre langfristige Vision für die Entwicklung der Stadtgemeinde aus?
‚Schön, hier zu leben.‘ Genau das soll auch künftig für die Menschen hier spürbar bleiben. Leonding soll weiterhin eine Stadt sein, in der sich Lebensqualität, gute Infrastruktur und ein starkes Miteinander verbinden. Trotz der finanziellen Situation ist es unser Anspruch, die Stadt verantwortungsvoll weiterzuentwickeln und zentrale Vorhaben Schritt für Schritt umzusetzen. Dabei steht an oberster Stelle, den besonderen Charakter Leondings zu bewahren: die gelungene und beliebte Mischung aus Stadt und ländlichem Raum. Leonding soll ein Ort bleiben, an dem Menschen gerne leben und arbeiten. Dazu gehört ein breites und gut erreichbares Bildungsangebot ebenso wie eine funktionierende Infrastruktur, attraktive Wohnräume und ein Umfeld, in dem sich Familien mit Kindern, Jugendliche und ältere Menschen gleichermaßen wohlfühlen.

Wo kann sich Leonding im Hinblick auf Betriebsansiedelungen in den kommenden Jahren noch entwickeln?
Leonding ist ein sehr starker Wirtschaftsstandort und genau deshalb ist die Flächenfrage auch so sensibel. Große freie Betriebsbauflächen gibt es nur mehr vereinzelt. Diese Potenzialflächen müssen strategisch, klug und mit Blick auf die langfristige Standortqualität entwickelt werden. Wir wollen nicht Wachstum um jeden Preis, sondern Ansiedelungen, die zum Standort passen, hochwertige Arbeitsplätze schaffen, bestehende Strukturen ergänzen und mit Themen wie Mobilität, Energie, Flächeneffizienz und Nachbarschaft gut vereinbar sind. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Nachverdichtung, die bessere Nutzung bestehender Betriebsflächen und die Weiterentwicklung bereits etablierter Wirtschaftsstandorte. Gleichzeitig ist Betriebsansiedelung nur ein Teil der Standortarbeit. Mindestens genauso wichtig ist es, die Betriebe, die bereits in Leonding sind, gut durch die aktuell schwierige Phase zu begleiten. Wir wollen ihnen die Vorteile des Standorts möglichst gut zugänglich machen. Unsere Agentur für Standort und Wirtschaft ist hier die erste Adresse.

Wie wirkt sich das angespannte Stadtbudget auf das Ferienprogramm aus?
Wir haben für das Ferienprogramm heuer das gleiche Budget wie in den vergangenen Jahren in die Hand genommen. Da aber die Programmpunkte selbst, besonders zum Beispiel die Busfahrten zu den Veranstaltungen, teurer geworden sind, mussten wir auf der Einnahmenseite ein wenig nachbessern und die Preise um ein bis zwei Euro pro Person erhöhen. Die gute Nachricht ist jedoch: Wir konnten das Angebot insgesamt sogar erweitern.

Wann werden die Bürger die ersten Ergebnisse von „Mission 2040“ bemerken?
Die ersten Ergebnisse sind bereits sichtbar: Wir haben den Klimaneutralitätsfahrplan und den Maßnahmenkatalog veröffentlicht und einzelne Punkte aus dem Fahrplan werden laufend umgesetzt. Spürbar wird das für die Bürgerinnen und Bürger dort, wo Maßnahmen im Alltag ankommen: bei Mobilität, Energie, Begrünung, Beschattung, Gebäuden, öffentlichem Raum.
Manche Veränderungen werden schnell sichtbar sein, andere brauchen Planung, Budget und politische Beschlüsse. Die Verwaltung alleine wird diese Transformation aber nicht schaffen. „Mission 2040“ ist kein Projekt, bei dem man jahrelang wartet und dann plötzlich ein Ergebnis sieht. Es ist ein langfristiger Transformationsprozess, der aus vielen konkreten Schritten besteht. Das kann nur funktionieren, wenn Bevölkerung, Betriebe, Institutionen, Vereine und Politik gemeinsam daran arbeiten. Deshalb ist Beteiligung ein zentraler Teil des Prozesses. Klimaneutralität ist eben nicht nur ein technisches Ziel, sondern eine gemeinsame Aufgabe für die ganze Stadt.

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