100 Jahre Niederösterreich
"Trennung war ein zäher Kampf" (mit Video)

10. November 1920: Dieses Bild zeigt die erste Sitzung des Landtags von Niederösterreich-Land.
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Niederösterreich im Wandel der Zeit: Vom Versorger im Krieg zum Land mit eigener Hauptstadt.

NÖ. "Niederösterreich hat eine Schlüsselrolle gespielt. Es war wichtigster Versorger für Wien und für sich selbst", sagt Christian Rapp, Wissenschaftlicher Leiter Haus der Geschichte, Museum Niederösterreich, über die Zwischenkriegszeit.
Am 1. Jänner 1922 wurde Niederösterreich aus der Traufe gezogen, anfangs war man froh, die Großstadt los zu sein. Der Streit über das Vermögen war vorprogrammiert – vorstellbar wie bei einer Scheidung. Der wissenschaftliche Leiter spricht von einem "zähen Kampf. Manche von einer einvernehmlichen Trennung. Aber in manchen Details war es ein Rosenkrieg".

Schlüsselrolle bei Versorgung

In der Ausstellung im Haus der Geschichte wird gezeigt, dass gerade Niederösterreich eine Schlüsselrolle spielt, weil es der wichtigste Versorger für Wien und für Niederösterreich selbst war. Unmittelbar nach oder gegen Kriegsende hat sich abgezeichnet, dass das Bundesland die Versorgung fast nicht mehr schafft. Das hing auch damit zusammen, dass es während des ersten Weltkrieges Zwangsbewirtschaftung gegeben hat. Natürlich hat auch der Mangel der Arbeitskräfte mitgespielt. Es ging berag mit der Produktivität.
Man wisse und kenne auch die Bilder von hungernden Kindern, übrigens nicht nur aus Wien sondern auch aus Niederösterreich.

Mehr Milch, mehr Vieh und eigener Zucker

Aber in den ersten zehn Jahren bis zur Weltwirtschaftskrise ist in der Landwirtschaft sehr viel gelungen und das heften sich die Niederösterreicher zu Recht auf die Brust: Milchlieferungen haben sich bis 1930 verzehnfacht, Viehbestand vervielfacht, autark geworden ist man betreffend Zucker, wo man die eigenen Zuckerfabriken neu gegründet und ausgebaut hat.

Endlich sind wir Wien los

Die Trennung hat zu einem Zeitpunkt stattgefunden, wo man den Eindruck hatte:

"Naja, sind wir froh, dass wir die Großstadt los sind, aber nach ein paar Jahren hat sich gezeigt, Hoppla, da fehlt sehr viel an Steuergeld, denn das bleibt in Wien und fließt nicht mehr nach Niederösterreich. Und das haben schon einige unter den Christlich Sozialen, die Großdeutschen sowieso (die waren immer für eine Trennung) aber auch unter den niederösterreichischen Sozialdemokraten erkannt",

so Rapp. Man hat alles gekapp, es wurde gestritten, vor allem um das gemeinsame Vermögen und dessen Aufteilung: "Das war ein zäher Kampf, daher dauerte es ja auch so lang, bis diese Trennung vollzogen wurde". Wie bei einer Scheidung – manche sprechen von einer einvernehmlichen - manche von einem Rosenkrieg: "Es wurde um Vieles gefeilscht - das ging bis hin zu Bibliotheken und Gemälden aber natürlich ging's auch um Grundstücke und da insbesondere um das Landhaus in Wien in der Herrengasse, das gemeinsames Eigentum war und das die Wiener auch für sich in Anspruch genommen haben.

Landhaus bleibt in NÖ-Hand

Warum aber? Die Wiener haben eh das Rathaus? Es war eine der ganz späten Entscheidungen - man sagt, dass das am Silvstertag 21 also wirklich in den allerletzten Stunden - beschlossen wurde, dass Niederösterreich das Landhaus bekommt, so lange der Landtag dort tagt. Das tut er zwar jetzt nicht mehr, dennoch ist das heutige Palais Niederösterreich fest in blau-gelber Hand. Was keiner von beiden Ländern wollte, waren die Landesbahnen - die Mariazeller und andere kleinen Bahnen. Denn die waren damals schon nicht wahnsinnig gewinnbringend. Auch die Krankenanstalten waren ein Zankapfel, etwa Steinhof, das Zentralkinderheim – die spätere Semmelweisklinik. Niederösterreich musste nach der Trennung schauen, dass eine eigene Infrastruktur schafft, Spitäler ausgebaut und neue Einrichtungen für Kinder – auch Gugging – errichtet.

Hohe Arbeitslosigkeit

Angelangt in den 30er Jahren: Viele die in Niederösterreich arbeitslos waren, konnten in der Landwirtschaft mithelfen, aber es gab auch Gegenden, wie etwa Industrieviertel, wo die Arbeitslosigkeit im österreichweiten Vergleich besonders hoch war. Dort waren die großen Fabriken, da gab es keine Alternative.

NÖ war durch Besetzung im Hintertreffen

Der Umstand, dass Niederösterreich sowjetsich besetzt war, bedeutet für das Bundesland dass es im Hintertreffen gegenüber den westlichen Bundesländern war. Die wirtschaftliche Kraft verlagerte sich stark in den Westen.
Die erfreulicheren Ereignisse – das haben wir in der Chronik gemerkt – liegen eindeutig in den letzten 40, 50 und 60 Jahren. Während die ersten dreißig Jahre vollgepackt sind von Katastrophen. Ganz wichtig ist die Hauptstadtdebatte, 86 ist die Entscheidung gefallen, "die ich persönlich für wirklich wichtig halte. Ich habe damals studiert und viele, die aus Niederösterreich und Wien Umgebung kamen, haben gesag: 'Wozu braucht man das?'. Und ich würd sagen, alle von denen sagen heute, dass es die richtige Entscheidung war". Rein finanziell war es immer ein schlechtes Geschäft, dass man keine eigene Hauptstadt hatte, eine große Rolle spielt die räumliche Entwirklung, dass man mit St. Pölten und mit Krems auch eine Sogkraft hat. Und: St. Pölten hat mittlerweile mehr Arbeitsplätze als Einwohner.

Die Wanderausstellung des Museum Niederösterreich bietet einen Überblick über ausgewählte Schlüsselereigenisse der letzten 100 Jahre in Niederösterrreich. Sie startet am 14. Februar und zeigt etwa im Schulen und Bezirkshauptmannschaften in Niederösterreich 100 Orte und 100 Ergeignisse.
Mehr Infos auf hdgoe.at


Weitere Beiträge auf unserem Channel:
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