30 Jahre Verein PIA
Vom Tabuthema zur gesellschaftlichen Verantwortung

Der Verein PIA feiert sein Jubiläum am 9. Oktober 2026 in der Spinnerei Traun und blickt auf drei Jahrzehnte Beratung, Therapie und Präventionsarbeit zurück. | Foto: Panthermedia/Monkeybusiness
3Bilder
  • Der Verein PIA feiert sein Jubiläum am 9. Oktober 2026 in der Spinnerei Traun und blickt auf drei Jahrzehnte Beratung, Therapie und Präventionsarbeit zurück.
  • Foto: Panthermedia/Monkeybusiness
  • hochgeladen von Marlene Leitner

Seit 1996 setzt sich der Verein PIA gegen sexualisierte Gewalt ein. Mit kostenloser Therapie, Beratung und Präventionsarbeit hat die Organisation in drei Jahrzehnten rund 39.500 Therapiestunden geleistet und etwa 50.000 Menschen erreicht. Am 9. Oktober 2026 feiert PIA sein Jubiläum in der Spinnerei Traun.

OBERÖSTERREICH. Der Verein PIA blickt auf 30 Jahre Arbeit gegen sexualisierte Gewalt zurück. Seit der Gründung 1996 hat sich der gesellschaftliche Umgang mit diesem Thema grundlegend verändert. Gesetze wurden novelliert, Opferrechte gestärkt und Prävention professionalisiert. Dennoch bleibt sexualisierte Gewalt gesellschaftliche Realität.

Drei Jahrzehnte im Zeichen des Wandels

Als PIA 1996 gegründet wurde, war sexualisierte Gewalt weitgehend ein Tabu. Betroffene mussten häufig alleine darum kämpfen, gehört zu werden. Mit dem Inkrafttreten des österreichischen Gewaltschutzgesetzes 1997 wurde ein wichtiger Meilenstein gesetzt. Schutz vor Gewalt wurde zunehmend als staatliche Verantwortung verstanden.

Die öffentliche Wahrnehmung veränderte sich ab 2010 deutlich. Die Aufarbeitung von Missbrauch in kirchlichen und institutionellen Kontexten rückte ins Bewusstsein. Spätestens mit der weltweiten MeToo-Bewegung ab 2017 wurde sichtbar, wie verbreitet sexuelle Belästigung ist. Mehr Sichtbarkeit bedeutet jedoch nicht, dass sexualisierte Gewalt überwunden ist.

"Reden wir darüber, auch wenn es uns sprachlos macht," sagt Gründerin und Obfrau-Stv. Christa Pühringer.

Beeindruckende Bilanz der Vereinsarbeit

In 30 Jahren leistete PIA rund 39.500 Therapiestunden. Etwa 9.500 Beratungen und Telefonate wurden geführt. Rund 1.550 Onlineberatungen kamen hinzu. Aktuell arbeiten 17 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im PIA-Netzwerk. Etwa 30 Personen stehen derzeit auf der Warteliste.

Die Präventionsarbeit erreichte in drei Jahrzehnten etwa 50.000 Menschen. Davon waren rund 36.700 Kinder und Jugendliche. Etwa 13.200 Eltern und Erwachsene nahmen an Workshops teil. Im Schuljahr 2025/26 führte das sechsköpfige Präventionsteam 174 Workshops durch. Dabei wurden 3.296 Kinder und Jugendliche erreicht.

Zwischen 2016 und 2025 begannen insgesamt 403 Personen eine neue Therapie bei PIA. 327 Personen haben ihre Therapie in diesem Zeitraum abgeschlossen. Die Zahl der Therapiestunden stieg von 1.618 im Jahr 2016 auf 2.504 im Jahr 2025. Das entspricht einem Anstieg von 55 Prozent.

Verantwortung liegt bei der Gesellschaft

Prävention wird heute umfassender gedacht als vor 30 Jahren. Die Verantwortung für sexualisierte Gewalt liegt bei jenen, die Grenzen überschreiten. Die Französin Gisèle Pelicot brachte dies auf den Punkt: "Die Scham muss die Seite wechseln." Scham darf nicht bei jenen bleiben, denen Gewalt angetan wurde.

Schulen, Vereine und Unternehmen sind gefordert, sichere Rahmenbedingungen zu entwickeln. Seit dem Schuljahr 2024/25 sind Kinderschutzkonzepte an österreichischen Schulen verpflichtend. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen durch Smartphones und soziale Medien. Grooming und die unerlaubte Weitergabe intimer Bilder zeigen, dass Prävention laufend weiterentwickelt werden muss.

Professionelle Begleitung ermöglicht Heilung

Sexualisierte Gewalt kann weitreichende Folgen haben. Professionelle Begleitung kann Betroffene dabei unterstützen, wieder Sicherheit zu gewinnen. Eine junge Mutter kam zu PIA, nachdem sie selbst in ihrer Kindheit Gewalt erlebt hatte. In der Therapie lernte sie, eigene Grenzen zu setzen. Heute kann sie ein selbstbestimmtes Leben führen.

"Ohne meine Therapeutin würde ich wohl verzweifeln", berichtet eine Betroffene. "Sie gibt mir Hoffnung, Zuversicht und Halt." Eine andere Person ergänzt: "Mithilfe von PIA kann ich wieder ein schönes und angstfreies Leben führen."

Finanzierung über Spenden und Subventionen

Über 30 Jahre standen Einnahmen von rund 6,7 Millionen Euro Ausgaben in gleicher Höhe gegenüber. Spenden machten rund 36 Prozent aus. Öffentliche Subventionen betrugen lediglich 28 Prozent. Die weiteren Einnahmen stammen aus Krankenkassenzuschüssen und Kostenbeteiligungen.

Ein Präventionsworkshop verursacht Gesamtkosten von rund 1.200 Euro. Schulen leisten davon einen Kostenbeitrag von 200 Euro. Die Differenz finanziert PIA über Subventionen und Spenden.

Jubiläumsfeier in der Spinnerei Traun

"Dass heute mehr über sexualisierte Gewalt gesprochen wird, ist ein wichtiger Fortschritt", stellt Obfrau Viktoria Grünberger fest. "Aber Sichtbarkeit allein schützt noch niemanden." Es brauche weiterhin professionelle Unterstützung für Betroffene.

Unter dem Motto "Wir reden drüber" feiert PIA am Freitag, 9. Oktober 2026, sein 30-jähriges Bestehen. Ab 18 Uhr beginnt der Charity-Abend mit Musik. Im offiziellen Programm ab 19 Uhr erwarten die Gäste Gespräche und Einblicke in die Arbeit von PIA. Eine Charity-Modenschau mit bekannten Persönlichkeiten sowie eine Tombola runden das Programm ab. Die Einnahmen des Abends unterstützen die Beratungs- und Therapiearbeit von PIA.

Der Verein PIA feiert sein Jubiläum am 9. Oktober 2026 in der Spinnerei Traun und blickt auf drei Jahrzehnte Beratung, Therapie und Präventionsarbeit zurück. | Foto: Panthermedia/Monkeybusiness
Anzeige

Land OÖ Inklusionszuschuss
Inklusion am Arbeitsplatz: OÖ unterstützt mit bis zu 1.372 Euro monatlich

Der Oö. Inklusionszuschuss unterstützt Unternehmen, Gemeinden und Gemeindeverbände dabei, Menschen mit Behinderungen eine berufliche Perspektive am ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Arbeitgeber können dafür einen Zuschuss von bis zu 1.372 Euro pro Monat erhalten. Arbeit bedeutet mehr als Einkommen. Sie ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe, stärkt Selbstständigkeit und eröffnet neue Perspektiven. Gleichzeitig können Unternehmen von den Fähigkeiten und Potenzialen von Menschen profitieren, die...

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

UP TO DATE BLEIBEN

Aktuelle Nachrichten aus Oberösterreich auf MeinBezirk.at/Oberösterreich

Neuigkeiten aus deinem Bezirk als Push-Nachricht direkt aufs Handy

MeinBezirk Oberösterreich auf Facebook: MeinBezirk Oberösterreich

MeinBezirk Oberösterreich auf Instagram: @meinbezirk.oberoesterreich

Jetzt gleich unseren WhatsApp Kanal MeinBezirk Oberösterreich abonnieren!

ePaper jetzt gleich digital durchblättern

Veranstaltungs-Tipps, die besten Partyfotos und coole Gewinnspiele im wöchentlichen MeinBezirk.at-Newsletter


In unseren Gesundheits-Videos erklären österreichische Expert:innen
das Wichtigste über Krankheiten, Diagnose, Therapie & Vorbeugung
und beantworten die häufigsten Fragen.

MeinMed.at

Gesund, weil richtig informiert.

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?

Werde Regionaut!

Jetzt registrieren

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.