Große Eröffnung
Haus der Volksgruppen - Ort der Vielfalt, Begegnung und des Miteinanders
- Gemeinsam wurde das symbolische Band zur Eröffnung durchgeschnitten: Josko Vlasich, Attila Somogyi, Horst Horvath, Hans Peter Doskozil, Emmerich Gärtner-Horvath, Ludwig Frauer, Josef Buranits, Klaus Glavanits und Oliver Snurer
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Mit einem Festakt und einem anschließenden Tag der offenen Tür ist das Haus der Volksgruppen in Oberwart am Samstag feierlich eröffnet worden. Hunderte Besucherinnen und Besucher, zahlreiche Ehrengäste sowie Vertreterinnen und Vertreter der burgenländischen Volksgruppen nahmen an der Eröffnung teil.
OBERWART. Unter den Gästen waren Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Landesrätin Daniela Winkler und Justizministerin Anna Sporrer, Bezirkshauptmann Peter Bubik, Superintendent Robert Jonischkeit, Bischofsvikar Norbert Filipitsch, Weihbischof Franz Scharl und Pfarrer Richárd László Kádas, der kroatische Botschafter in Österreich Daniel Glunčić, die ungarische Botschafterin in Österreich Edit Szilágyiné Bátorfi, sowie weitere Ehrengäste aus Politik, Kultur und Wirtschaft, Vertreterinnen und Vertreter der Volksgruppenorganisationen und der Stadtgemeinde Oberwart.
„Die Volksgruppen sind untrennbar mit der Geschichte und der Identität unseres Landes verbunden. Mit dem Haus der Volksgruppen haben wir dieser Vielfalt einen gemeinsamen, sichtbaren und lebendigen Raum gegeben. Es ist ein Haus der Begegnung, der Zusammenarbeit und des Austauschs und damit ein Ort, an dem das Miteinander auch für kommende Generationen gelebt werden kann“, erklärte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.
Die feierliche Eröffnung fiel bewusst auf den Europäischen Tag der Sprachen und rückte damit jene Vielfalt in den Mittelpunkt, die das Burgenland seit jeher prägt.
- Die Tamburica Vláhija aus Weiden bei Rechnitz spielte beim Festakt auf.
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Ein Haus der Vielfalt
Der Festakt machte deutlich, dass das neue Haus nicht allein eine bauliche Investition darstellt, sondern vor allem eine gemeinsame Infrastruktur für Kultur, Bildung, Sprache und gesellschaftliches Zusammenleben. Im Anschluss an die offizielle Eröffnung öffnete das Haus seine Türen für die Bevölkerung. Beim Tag der offenen Tür konnten sich die Besucherinnen und Besucher ein Bild von den neuen Räumlichkeiten machen, die Arbeit der Volksgruppenorganisationen kennenlernen und das Haus als neuen Ort der Begegnung erleben.
"Es gibt keinen besseren Ort als Oberwart, um so ein Haus zu bauen. Oberwart steht für Vielfalt, das Burgenland für ein gemeinsames Miteinander."
Hans Peter Doskozil, Landeshauptmann
Mit dem Haus der Volksgruppen wurde in Oberwart ein gemeinsames Zentrum geschaffen, das die burgenländischen Volksgruppen erstmals an einem Standort zusammenführt. Institutionen der Burgenlandkroaten, der Burgenländischen Ungarn und der Roma arbeiten hier unter einem gemeinsamen Dach. Das Haus verbindet dabei unterschiedliche Funktionen: Neben den Räumlichkeiten der Volksgruppenorganisationen stehen Seminar- und Gemeinschaftsräume, eine Bibliothek, ein Schnitt- und Proberaum sowie ein Veranstaltungssaal zur Verfügung. Ergänzt wird das Angebot durch Gästezimmer, einen Gastronomiebereich mit öffentlich zugänglichem Bistro und 20 Starterwohnungen.
- Schülerinnen und Schüler der Tourismusschule servierten auch der Ministerin Mehlspeisen.
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Kulturelle Vielfalt
„Dieses Haus bringt zusammen, was zusammengehört: die Organisationen und Einrichtungen unserer Volksgruppen, ihre Sprachen, ihre Kultur und ihre vielfältigen Aktivitäten. Gleichzeitig öffnet es sich bewusst nach außen. Damit wird aus einem Gebäude ein lebendiger Ort, an dem Begegnung stattfinden, Wissen weitergegeben und kulturelle Vielfalt sichtbar und erlebbar wird“, so Doskozil. Im Haus der Volksgruppen sind der Burgenländisch-Ungarische Kulturverein (BUKV), der Kroatische Kulturverein (HKD) im Burgenland, das Roma-Service, die Roma Volkshochschule Burgenland, die Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn sowie das Mehrsprachige Offene Radio MORA beheimatet.
Rund ein Drittel der Gesamtfläche steht den Volksgruppenorganisationen zur Verfügung. Die räumliche Konzeption verbindet individuell nutzbare Bereiche für die einzelnen Organisationen mit gemeinsam nutzbaren Einrichtungen und schafft damit auch architektonisch die Voraussetzungen für Austausch und Zusammenarbeit. Umgesetzt wurde das Haus von der Landesimmobilien Burgenland GmbH (LIB). Ein Teil der bestehenden Struktur (ehemaliges Internat) wurde saniert, dazu neues Bauvolumen ergänzt. Nachhaltige Elemente wie Photovoltaikanlagen, Holz als wesentlicher Baustoff sowie begrünte Dach- und Fassadenflächen ergänzen das architektonische Konzept.
- Die Leon Berger Band hatte ebenfalls einen Auftritt.
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Vom „Jahrhundertprojekt“ zum gemeinsamen Haus
Die Grundlage für das Projekt wurde im Jubiläumsjahr „100 Jahre Burgenland“ 2021 gelegt. Damals unterzeichneten Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und die Stadtgemeinde Oberwart einen Letter of Intent, mit dem die Realisierung des Hauses der Volksgruppen auf den Weg gebracht wurde. Die Idee selbst wurde schon davor geboren. "Ein wesentlicher Ideengeber war Martin Ivancsics, der heuer leider verstorben ist. Er meinte, wir müssen etwas für die Volksgruppen tun, das nachhaltig ist. Daraus ist dieses Haus jetzt entstanden", erinnerte sich der Landeshauptmann.
"Das Haus der Volksgruppen soll dabei ein offener Ort für alle Menschen sein, ein Ort der Begegnung, des Austauschs und des gemeinsamen Lernens, der von der gesamten Bevölkerung genutzt und mit Leben erfüllt werden soll."
Horst Horvath, Geschäftsführer VHS Roma
Nach der Fertigstellung und der Schlüsselübergabe an die Nutzerorganisationen im Frühjahr 2026 nahm das Haus zunächst seinen Probebetrieb auf. Nach mehreren Monaten des praktischen Betriebs und der schrittweisen Inbetriebnahme wurde es nun mit dem Festakt offiziell seiner Bestimmung übergeben. Damit erhielt das Projekt, das im Rahmen der 100-Jahr-Feierlichkeiten des Burgenlandes seinen Ausgang genommen hatte, seinen feierlichen Abschluss und zugleich den offiziellen Auftakt für seine künftige Funktion als gemeinsames Haus der burgenländischen Volksgruppen.
- Christian Kolonovits wurde mit dem "EUROSTAR" ausgezeichnet.
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EUROSTAR für Christian Kolonovits
Im Rahmen der feierlichen Eröffnung wurde der Rechnitzer Komponist, Dirigent und Musiker Christian Kolonovits mit dem EUROSTAR für sein musikalisches Lebenswerk ausgezeichnet. Die vom Verband Österreichischer Volks- und Unterhaltungsmusikkomponisten (VÖV) ins Leben gerufene und seit 2010 gemeinsam mit der AKM vergebene Auszeichnung würdigt herausragende Persönlichkeiten der österreichischen Musik.
Der 1952 in Rechnitz geborene Kolonovits zählt zu den vielseitigsten Musikschaffenden des Landes. Sein Werk reicht von Pop und Rock über Filmmusik bis zu Oper und klassischen Orchesterprojekten. Dem Burgenland ist er eng verbunden: Mit „Coming Home“ setzte er sich mit Geschichte, Vielfalt und Zusammenleben der Volksgruppen auseinander, „Csaterberg“ widmete sich der pannonischen Kultur, 2021 schuf er eine Neufassung der Landeshymne. Mit der EUROSTAR-Auszeichnung wurde damit ein Künstler geehrt, dessen Werk musikalische Vielfalt, kulturelle Identität und Weltoffenheit verbindet.
- Weihbischof Franz Scharl und Bischofsvikar Norbert Filipitsch führten die Segnung durch.
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Statements der Volksgruppenvertreter
- Horst Horvath, Geschäftsleiter der VHS Roma (Roma Volkshochschule Burgenland): "Die Roma Volkshochschule für Erwachsenenbildung besteht seit 25 Jahren und ist einzigartig in Europa. Wir leisten darin Aufklärungsarbeit gegenüber Vorurteilen von Rassismus. In unserer Roma-VHS werden Vorträge veranstaltet, Diskussionen abgehalten sowie Studienreisen absolviert. Die Roma-Zeitung erscheint zweimal im Jahr, worin Aspekte gegen Antiziganismus sowie das Programm der Roma Volkshochschule abgedruckt werden."
- Ludwig Frauer, Obmann von BUKV (Burgenländisch-Ungarischer Kulturverein): "Schön, dass wir jetzt hier sein können. Gemeinschaftliche Aktivitäten zwischen Ungarn, Roma und Kroaten sollten jedenfalls konzentriert nach außen getragen werden. Wir machen das gemeinsam - Hand in Hand. Wir sind bestrebt, unsere gewohnten Tätigkeiten wie Musik, Handwerkskunst und kulturelle Aktivitäten hinauszutragen, damit die Mehrheitsbevölkerung weiß, was wir hier im Hause zu leisten imstande sind."
- Emmerich Horvath: "Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirates der Roma: "TV Erba wird hier in diesen Räumlichkeiten produziert. Auch andere Projekte, wie die zweisprachige Zeitung „dROMa“, die einsprachige Kinderzeitschrift „Mri nevi MiniMulti“ sowie der „dROMa-Blog“, werden vom Verein Roma-Service herausgegeben. Ein wichtiger Aspekt ist die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte, die die Volksgruppe erlebt hat. Die ältere Generation hatte ja Schulverbot. Deshalb haben wir bereits vor 30 Jahren eine Nachmittagsbetreuung für Roma-Kinder eingeführt, die heute ebenfalls in diesen Räumlichkeiten stattfindet."
- Josko Vlasich, Mitbegründer des „Mehrsprachigen offenen Radios MORA: "Radio Mora ist das einzige viersprachige Radio in Österreich, das in Volksgruppensprachen die Sendungen gestaltet. Wir senden von 0 bis 24 Uhr von Montag bis Freitag in allen unseren vier Sprachen des Burgenlandes: Kroatisch, Ungarisch, Romani und Deutsch. Uns ist es sehr wichtig, dass wir auch im Volksgruppenhaus einen Platz gefunden haben, weil es ganz notwendig ist, dass wir die Volksgruppensprachen des Landes an die Öffentlichkeit bringen, dass wir sie hörbar machen und das geht mit unserem viersprachigen Radio hervorragend."
- Attila Somogyi, Vorsitzender der Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn: "Die ungarische Volksgruppe ist die älteste aller Volksgruppen im Burgenland und seit über 1.000 Jahren hier ansässig. Die Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn bietet deshalb Kurse und Veranstaltungen zur ungarischen Sprache und Kulturpflege an. Unsere Volksmusikgruppe „Õri Banda“ ist die älteste aktive, ungarische Volksmusikgruppe Österreichs und wir freuen uns schon auf viele schöne Veranstaltungen und Konzerte in diesem besonderen Haus."
- Josef Buranits, Präsident des HKD (Kroatischer Kulturverein im Burgenland): "Die Kroatinnen und Kroaten leben seit 500 Jahren in dieser Region und sind Teil der Sprach- und Kulturlandschaft bis heute. Mit der Gründung des Burgenlandes im Jahr 1921 wurden sie Teil der Republik Österreich. Als ältester Verein der Volksgruppe ist der kroatische Kulturverein seit 1929 mit seinen Ortsorganisationen im ganzen Land aktiv. Unsere Aufgabe ist es, Sprache, Tradition und kulturelles Erbe zu bewahren, weiterzuentwickeln und für kommende Generationen lebendig zu halten. Das Volksgruppenhaus in Oberwart eröffnet uns neue Möglichkeiten, sichtbarer zu werden und die Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit, den Ungarn und Roma sowie den Institutionen des Landes weiter zu stärken."
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