30.11.2016, 11:33 Uhr

Podiumsdiskussion in Saalfelden: Alkohol- Sucht oder noch Genuss?

Der Psychosoziale Dienst des Landes Salzburg lud am Freitag, den 30. September 2016, zur Podiumsdiskussion in den Pfarrsaal Saalfelden.

SAALFELDEN. Kathrin Angerer-Gimpl vom Psychosozialen Dienst des Landes Salzburg - Standort Zell am See) konnte am Podium die Experten Kurt Latzlsperger (FA für Psychiatrie), Gottfried Jakober (Leiter Suchthilfe-Klinik Salzburg) sowie Caroline Weinlich (Therapeuthische Leiterin Suchthilfe-Klinik Salzburg).

Ein Betroffener schilderte den Weg vom Trinker zum trockenen Alkoholiker

Zudem schilderte Herr W., ein selber Betroffener, seine sehr betroffen machende Geschichte vom Leben als Trinker zum "trockenen Alkoholiker". Dieser Weg war steinig und mit vielen Rückschlägen verbunden. Nun trägt eine sozial Halt gebende Begleitung zur nötigen Stabilität bei, um die gewonnene Abstinenz zu schützen.

Die Krankheit schlägt geistig, seelisch und körperlich zu

Doktor Latzlsperger erläuterte aus medizinischer Sicht die Kriterien von Verhaltensmustern, die für die Diagnose "Alkoholsucht" typisch sind. Wenn zumindest drei davon - unter anderem verminderte Kontrollfähigkeit oder das Vernachlässigen sozialer Kontakte - zutreffen, kann diese Erkrankung, die geistig, seelisch und körperlich enorm beeinträchtig, bestehen.
Laut Statistik trinken die eindeutig alkoholkranke Menschen rund ein Drittel des in Österreich konsumierten Alkohols. Wer eines oder zwei der Verhaltensmuster aufweist, zählt vielleicht bereits zur Gruppe derer, die schädlichen Gebrauch von Alkohol praktizieren. Auf diese entfällt ein weiteres Drittel. Das letzte Drittel teilt sich der Rest der Bevölkerung.

Der erste Schritt aus der Krankheit...

Der Sucht (das Wort hat den selben Stamm wie Siechtum) ins Auge zu sehen, sich genau zu reflektieren, sich und andere nicht mehr zu belügen und das Problem zu benennen, gilt als der erste Schritt aus der Krankheit.


Gottfried Jakober schilderte als Leiter die Ressourcen und Behandlungsmöglichkeiten in den Suchthilfe-Kliniken Salzburg und führte durch den sehr informativen und emotionalen Abend mit Betroffenen und Interessierten.

Caroline Weinlich ging auf die Grundstrukturen von Süchten (oft Stressverarbeitungsstörungen) und deren Behandlung ein und sprach über lange Wege bis zur Tiefpunkterfahrung. Der längste Teil dahin betrifft die Unentschlossenheit der Betroffener: "Habe ich bereits ein Problem?" oder "Aber nein, ich habe alles unter Kontrolle!" oder auch "Ist mein Trinkverhalten noch Genuss oder bereits Sucht?"

Antworten und Hilfestellungen finden Betroffene und/oder Angehörige bei Hausärzten, Fachärzten, Therapeuten oder eben beim psychosozialen Dienst. Zudem gibt es auch noch Selbsthilfegruppen.
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