Ohlsdorf
59.000 Tonnen Reifen sollen "zugeschüttet" werden
- 2016 kam es zu einem Großbrand in der Reifenverwertung in Ohlsdorf.
- Foto: Peter Sommer (Archivbild)
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Am 14. Juli hätte am Gemeindeamt Ohlsdorf ein Infoabend der Firma ERG stattfinden sollen, es wäre um die Reifendeponie in Ohlsdorf gegangen. Es ist vorgesehen, einen rund 59.000 Tonnen Reifenberg mit einer rund vier Meter dicken Schicht aus Sand und Kies sowie Humus zu überdecken.
OHLSDORF. Der Informationsabend wurde aber abgesagt. Die Grünen Ohlsdorf informierten im Vorfeld über die Veranstaltung und die künftigen Pläne für die Reifendeponie bzw. die Entsorgung der Reifen. Der nun erfolgte Bescheid für die Überschüttung der Direktion für Umwelt und Wasserwirtschaft des Landes Oberösterreich stößt in Ohlsdorf nicht auf Begeisterung. Bei einer mündlichen Verhandlung Anfang Juni hat sich die Gemeinde für die ursprünglich vorgesehene Räumung und gegen die indessen geplante Überschüttung ausgesprochen. "Dies unter dem Gesichtspunkt, dass sich diese Deponie im gleichen Grundwasserstrom befindet wie die Baurestmassendeponie, die zur massiven Beeinträchtigung des Grundwassers und des Ohlsdorfer Trinkwassers geführt hat", heißt es von den Grünen Ohlsdorf.
Ohlsdorf ist "gebrandmarktes Kind"
Genau beim Thema Trinkwasser und dessen Verunreinigung ist man in Ohlsdorf hellhörig. 2014 gab es in der Gemeinde einen "Trinkwasserskandal", das Grundwasser wurde durch "Clopyralid", ein Pestizid, verunreinigt. "Clopyralid" war von der Baurestmassendeponie der Asamer Kies- und Betonwerke ins Grundwasser gelangt und zog einen langen Rechtsstreit nach sich. Letztendlich sprach der Oberste Gerichtshof der Gemeinde im Vorjahr einen Schadenersatz von 800.000 Euro zu. Die Firma ERG (Energetische Reifenversorgungs GmbH) gehört laut Medienberichten zur Hälfte dem verstorbenen Industriellen Hans Asamer. Eine zweite große Sorge ist die Brandgefahr, die von den Altreifen ausgeht. Es ist zwar vorgesehen, dass die vier Meter hohe Erdschicht über den Reifen das Risiko eines Schwelbrandes so gering wie möglich hält. Aber auch zum Thema Brandgefahr haben die Ohlsdorfer leider negative Erfahrungen gemacht. In den Jahren 2000 und 2016 kam es zu zwei Großbränden. 2000 brach ein Brand in einem Zwischenlager mit Altreifen aus. Der Schwelbrand innerhalb der Reifen beschäftigte die Einsatzkräfte lange. Nur eine Räumung des Lagers führte zur Beseitigung des Brandherdes. 2016 gerieten am Gelände eines Recyclingbetriebes Reifenschnitzel in Brand. Auch hier waren die Glutnester innerhalb der gelagerten Reifen für einen langwierigen Feuerwehreinsatz.
"Problem wird verschoben"
Umwelt-Landesrat Stefan Kaineder sagte im Gespräch mit den Oberösterreichischen Nachrichten: "Die Behördenentscheidung folgt den gesetzlichen Vorgaben. Das bedeutet aber nicht, dass sie umweltpolitisch richtig ist. Wenn ein Unternehmen eine vorgeschriebene Räumung nachträglich durch eine bloße Sicherung ersetzen lassen kann, dann müssen wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinterfragen. Statt die Altlast zu beseitigen, wird sie eingehaust und muss über Jahrzehnte überwacht werden. Das ist keine Lösung, sondern verschiebt das Problem auf kommende Generationen“, kritisiert Kaineder.
Gemeinde-Vorstand soll entscheiden
Ohlsdorfs Bürgermeisterin Inés Mirlacher hat für die kommende Woche eine Vorstandssitzung einberufen. In der soll beschlossen werden, ob rechtlich etwas unternommen werden soll bzw. ob die Gemeinde Beschwerde einlegen wird. "Ich kann den Weg der Beschwerde nicht alleine gehen. Aber ich verstehe die Bedenken der Bevölkerung voll und ganz, ich habe ja selber Kinder. Hier geht es um den Zukunftsraum unserer Kinder!", so die Bürgermeisterin. Die Lage des Areals ist sehr speziell: Daneben findet sich das Natura 2000-Schutzgebiet.
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