Interview mit Susanne Mayr
"Digitale Nähe bei örtlicher Distanz ist momentan unsere Devise"

Gähnende Leere vor der HAK/HAS Bad Ischl, wo sich in der Früh normalerweise Schüler tummeln, um rechzeitig zum Unterrichtsstart im Klassenzimmer zu sein.
  • Gähnende Leere vor der HAK/HAS Bad Ischl, wo sich in der Früh normalerweise Schüler tummeln, um rechzeitig zum Unterrichtsstart im Klassenzimmer zu sein.
  • Foto: HAK/HAS Bad Ischl
  • hochgeladen von Philipp Gratzer

Susanne Mayr, Direktorin der BHAK/BHAS Bad Ischl schildert die ungewohnten Umstände der letzten Wochen.

BAD ISCHL. Die Welt steht derzeit fast still. Zum Glück trifft das auf das Lernen nicht zu, denn Schüler und Lehrer beschreiten derzeit neue, digitale Wege, um im Lehrplan voranzukommen. BHAK/BHAS Bad Ischl-Direktorin Susanne Mayr zieht nach den ersten Wochen "distance learning" eine Zwischenbilanz.

BezirksRundschau: Wie ist es für Sie, dass es derzeit so ungewohnt ruhig im Schulgebäude ist?
Mayr: Ein leeres Haus hat immer etwas Trauriges. Meine Kontrollgänge durchs Haus sind einsam, ohne junge Menschen und ohne das gewohnte, vertraute Team, das sich sonst in diesen Mauern so menschlich um alles kümmert. Ich freue mich auf eine belebte Schule und auf ein Wiedersehen.
Ein paar lyrische Zeilen, die ich am 17. März 2020 ins schulische Corona-Tagebuch notiert habe:
Die Stadt ist stiller geworden. Nichts erinnert an das geschäftige Brausen am Morgen, wenn aus den stauenden Autos Kinder mit dicken Rucksäcken hastig entfliehen. Es erinnert an Tage mit erstem Schnee, wenn sich die Welt wie in Watte gepackt leiser anfühlt. Das Schulhaus kalt – die Heizung wurde wohl aus Spargründen gedrosselt – die Gänge wirken breiter als sonst. So viel Platz für die Leere, die sich zwischen den Mauern ungehindert bewegen kann. Kein Trampeln und Klopfen mehr über mir, das davon zeugt, dass sich junge Männer im Klassenraum um eine Kugel balgen und zeigen müssen: Wir scheren uns nicht um Verbote! Wenn's Spaß machen soll, wird's halt manchmal laut; nicht nur in den Pausen! 
Jetzt ist die Welt um mich still geworden…

Es gibt ja derzeit viele Unklarheiten, wie es mit dem "regulären Schulbetrieb" weitergehen wird. Umso wichtiger sind geordnete Strukturen für Schüler, um daheim ordentlich lernen zu können. Wie zufrieden sind Sie mit der Umsetzung und welches Feedback bekommen Sie von Lehrenden und Schülern?
Feedback per Online-Fragebogen wurde von uns nach einer Woche "distance learning" eingeholt, denn es ist für uns wichtig, um künftig unsere digitalen Praktiken weiterzuentwickeln und zu optimieren. Das Stimmungsbarometer liegt bei 4,63 von 6 Sternen. Home-Office bietet für uns alle die großartige Möglichkeit, das schulische Leben, den Unterricht, den Kontakt untereinander "normal" weiterführen zu können, obwohl wir uns nicht physisch begegnen.
Die Klassenvorstände und Fachlehrkräfte wurden schon Wochen vor Corona digital geschult, weil wir einen Home-Office-Day für Mai geplant hatten. Wichtig bei "distance learning" ist der klar strukturierte konsequente Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern. Die im Rahmen der Überbrückungsphase erbrachten Leistungen fließen als Mitarbeit in die Semester- bzw. Jahresbeurteilung mit ein. Nach Ostern darf auch neuer Stoff durchgenommen werden. Bekannte Inhalte wurden bereits wiederholt und damit gefestigt und es soll unseren Schützlingen nicht langweilig werden. Die jungen Menschen sind immer wissbegierig.

Die Matura ist momentan vermutlich eines der größten "Sorgenkinder".
Können sich die Schüler auch mit ihren Sorgen an die Pädagogen wenden?
Für die Maturantinnen und Maturanten gilt auch, dass sie sich mit ihren Sorgen jederzeit an uns wenden können. Der erfolgreiche Abschluss für HAK- und Praxisschülerinnen/-schüler liegt auch heuer wieder im Zentrum unseres Handelns. Auf jeden Fall wird die Matura 2020 ein Nachweis, dass sich unsere Absolventinnen und Absolventen rasch auf neuartige Situationen einstellen und konstruktiv mit Ausnahmeereignissen umgehen können.

Es gibt derzeit ja auch die Petition „Matura ohne Prüfung“. Wie groß ist die Chance, dass es wirklich zu so einem Szenario kommt? Wann wird es generell wieder einen "normalen Schulalltag" geben?
Als Schulleiterin warte ich auf die Anweisungen des Ministeriums, da es in dieser schwierigen Phase ganz wichtig ist, dass nicht jede Schule oder jeder Schultyp sein eigenes Süppchen kocht. Darüber hinaus halte ich nichts von Spekulationen. Gesundheit geht vor. Digitale Nähe bei örtlicher Distanz ist momentan unsere Devise.

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