Sonntagspredigt für 12. Juli
Niemand ist nur felsiger Boden, niemand nur guter Boden

Anna-Maria Marschner, leitende Seelsorgerin der Pfarre Gschwandt bei Gmunden.
  • Anna-Maria Marschner, leitende Seelsorgerin der Pfarre Gschwandt bei Gmunden.
  • Foto: Magdalena Lahninger
  • hochgeladen von Philipp Gratzer

Das Wort zum Sonntag stammt dieses Mal von Pfarrassistentin Anna-Maria Marschner, leitende Seelsorgerin der Pfarre Gschwandt bei Gmunden, Gründerin des Entwicklungsprojekts „FAMUNDI – würdevolles Leben für Kinder und Familien“.

Die Zeichen, die uns heute in der Lesung aus dem Buch Jesaja und im Evangelium nach Matthäus begegnen, um die Wirksamkeit Gottes zur Sprache zu bringen, sind mitten aus unserer Alltagswelt genommen. Der Regen bleibt nicht ohne Wirkung, ein Sämann macht die Erfahrung, dass ein Teil des Samens aufgeht, ein anderer nicht.
Wir sind mitten in der Erntezeit! Die Wintergerste ist bereits eingefahren, herausfordernde Zeiten derzeit für die Bauern, weil es nie drei ganze Tage in Folge nicht regnet … Ja, wir sind abhängig von Sonne und Regen, von den Gegebenheiten der Natur – wir haben vieles nicht selbst in der Hand, das merken wir heuer ganz besonders durch das Corona-Virus. Wir sind angewiesen auf Gottes Segen, auf gedeihliches Wetter, wie es im Wettersegen heißt. Besonders in der Landwirtschaft aber auch im persönlichen Leben.
Jesus spricht am Beispiel des unscheinbaren Samens vom unbegreiflichen großen Gott und seiner unendlichen Liebe und Güte. Beim Säen geht vieles verloren. Man muss viel mehr säen, als man braucht, weil die Verlustquote groß ist: Da ist der Same, der von den Vögeln gepickt wird, der Samen, der auf Felsen fällt, der Samen der ins Gestrüpp fällt und schließlich nur ein Teil, der vierte Teil, der überreich aufgeht.
Auch mit dem, was wir in unserem Leben aussäen ist es ähnlich. Manches wird sofort zerredet und zerstört, findet also gar nicht die Möglichkeit tiefer verstanden zu werden. Manches wird zuerst für toll befunden, dann aber auch gleich wieder vergessen, anderes fällt in die Dornen … Aber die Frage ist immer: Worauf richte ich meinen Blick? Was bekommt meine Aufmerksamkeit? Wenn ein Viertel des Samens dreißig, sechzig und hundertfach Frucht bringt, dann könnten wir auch sagen: die anderen drei Bereiche sind nahezu vernachlässigbar. So viel Frucht ist doch Zeichen für die Überfülle! Dennoch lassen wir Menschen uns oft nach unten ziehen und richten unsere Aufmerksamkeit viel mehr auf das Negative als auf das Positive!
Vor kurzem bin ich auf den deutschen Philosophen Wilhelm Weischedel (1905-1975) gestoßen. Er schrieb über die „Güte“: „Güte ist die behutsame Bejahung des Menschen und deshalb mehr als Toleranz. Sie öffnet dem anderen den Raum, in dem er in seinen wesentlichen Möglichkeiten leben kann. Sie ist auch, mehr noch als die Großmut, zum Verzeihen fähig.“
Im Hinblick auf das Evangelium möchte ich sagen, dass doch diese vier Bereiche der Saatfläche in jedem von uns liegen. Niemand von uns ist ausschließlich perfekter fruchtbarer Boden – das ist nur Gott! Wenn wir das von einem Menschen annehmen, werden wir sicher enttäuscht. In keinem Menschen bringt das Wort Gottes ausschließlich Frucht. Aber auch niemand ist nur Gestrüpp. Wenn wir in uns hineinschauen, dann haben wir von allem etwas, von allen vier Teilen. Wesentlich erscheint es mir, mit Güte auf andere und auch auf uns selbst zu schauen, das heißt diese behutsame Bejahung des Menschen zu leben, im tiefen Vertrauen, dass Gott jeden Menschen immer schon zuerst geliebt hat, immer wieder verzeiht und ins Leben ruft, ja in die Fülle.

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