Interview
"Die Digitalisierung ist für viele Ältere ein Problem"
- Seniorenbund-Bezirksobmann Johann Hingsamer.
- Foto: Hingsamer
- hochgeladen von David Ebner
Bargeldloses Bezahlen in der Schärdinger Parkgarage nennen viele Altersdiskriminierung. Doch stimmt das?
EGGERDING, BEZIRK. MeinBezirk hat beim Obmann des Bezirks-Seniorenbundes Johann Hingsamer nachgefragt – was er von den Vorwürfen hält, wie seine Sicht auf die Dinge ist und weshalb für ihn Bargeld erhalten bleiben muss.
Herr Hingsamer, wie nehmen Sie die Diskussion zum bargeldlosen Zahlen wahr?
Hingsamer: Zur Situation Parkgarage habe ich kaum Rückmeldungen. Jene, die die Garage nutzen, sagen, dass es bei der ersten Einfahrt ungewöhnlich ist, sind aber dann von der Einfachheit der Nutzung mit der Karte positiv überrascht.
"Da gibt es zwei Dinge: Es gibt Menschen, die lehnen das bargeldlose Bezahlen generell ab und wollen deshalb von der Grundeinstellung her diese Möglichkeit nicht nutzen."
Inwieweit glauben Sie, ist das bargeldlose Bezahlen für ältere Menschen ein Problem?
Da gibt es zwei Dinge: Es gibt Menschen, die lehnen das bargeldlose Bezahlen generell ab und wollen deshalb von der Grundeinstellung her diese Möglichkeit nicht nutzen. Probleme haben ältere Personen meist bei der erstmaligen Nutzung der Karte bei Automaten. Nicht alle Automaten sind bedienerfreundlich.
Werden Sie mit dem Problem öfter konfrontiert?
Eigentlich sehr selten.
Können Sie verstehen, dass sich Ältere immer mehr ausgeschlossen fühlen?
Ja, die Digitalisierung ist für viele Ältere ein Problem. Es ist zum einen die Scheu vor diesem neuen Angebot und zum anderen sagen nicht wenige, damit fange ich mir nichts mehr an. Man darf durch die Digitalisierung niemanden von der Teilhabe am Leben ausschließen. Es muss schon die Möglichkeit geben, weiterhin die gewohnten Erledigungen durchführen zu können – auch mit Bargeld oder durch Anträge in Papierform.
"Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die Menschen bei diesen neuen Angeboten zu unterstützen."
Wie soll man künftig mit dem Thema umgehen?
Digitale Angebote müssen einfach in der Bedienung sein, ebenso klar verständlich. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die Menschen bei diesen neuen Angeboten zu unterstützen.
Was unternimmt hier der Seniorenbund?
Wir haben jetzt in vielen Ortsgruppen Angebote von Digital Austria genutzt und Schulungen abgehalten. In meiner Ortsgruppe haben 31 Mitglieder an zwei intensiven Kursen in Kleingruppen teilgenommen. Dabei konnte sehr viel von der Welt des Smartphones bis zur Nutzung digitaler Angebote und Services kennengelernt werden. Ab Herbst wird diese Fortbildungsmöglichkeit wiederum überall angeboten.
Wie geht Johann Hingsamer eigentlich mit der Digitalisierung um? Wie wichtig ist Ihnen heute noch Bargeld?
Bargeld muss bleiben. Ich bezahle allerdings schon sehr viel mit der Karte. Gerade bei Reisen stellt man fest, dass in vielen Ländern nahezu alles bargeldlos erledigt wird. Ich nutze die Vorteile der digitalen Welt nahezu überall. Es macht vieles im Leben einfacher. Allerdings dürfen wir dabei die ältere Generation, wie gesagt, nicht alleine lassen.
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