Asylwerber gut integriert

Ewa Chilinska-Baftija und Robert Hilinski betreiben das Heim
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SACHSENBURG. Ein positives Beispiel für verständnisvolles Miteinander wird in der Drautalgemeinde praktiziert. "Ich habe nur positive Erfahrungen mit den Flüchtlingen gemacht", sagt beispielsweise Trafikantin Evi Moser, während Amtsleiter Hannes Hartlieb betont, die Asylwerber seien "sehr willig", wenn sie kurzfristig zu Hilfsdiensten wie "Frühjahrsputz", Jäten oder anderen Tätigkeiten gebeten werden. Kein Wunder: Wer freut sich nicht über einen Stundenlohn von vier Euro zusätzlich zu den 40 Euro, die das Land monatlich pro Person als Taschengeld gewährt? Und wer ist nicht dankbar für jede Abwechslung in dem tristen Alltag, der vor allem von Warten geprägt ist - warten, ob und wann der Asylantrag poitiv beschieden wird.

Kiga oder Schule

Da haben es die Kinder schon besser: sie besuchen entweder den Kindergarten oder die Volksschule der 1.322 Einwohner kleinen Gemeinde beziehungsweise die Hauptschule im benachbarten Möllbrücke. Darüber hinaus bekommen sie, wie auch ihre Eltern, privat Deutschunterricht - von Lehrern in Spittal sowie Privatpersonen in Sachsenburg.

Geschwister führen Betrieb

Im November 2015 wurde das Asylwerberheim von Ewa Chilinska-Baftija im leer stehenden Gasthof Egger mitten auf dem Marktplatz eingerichtet. Die gelernte Wirtin, in Krakau/Polen geboren und in der Ukraine aufgewachsen, lebt seit 30 Jahren in Österreich. Sie hatte schon im Lungau ein Hotel betrieben und zusätzlich Flüchtlinge aufgenommen, schließlich müsse man helfen, so gut man eben kann. Weil sie sich einen "guten Ruf" erworben habe, wie sie eher beiläufig anmerkt, habe das Land ihr Kärnten Vertrauen eingeschenkt, so dass sie einen unbefristeten Vertrag mit abschließen konnte. Zusammen mit ihrem Bruder Robert Hiliski, einem gelernten Elektrotechniker, führt sie die Unterkunft.

Auf der Straße grüßt man sich

Ausgerichtet für maximal 30 Personen, wohnen zur Zeit 26 Flüchtlinge aus Afghanistan, Aserbeidschan, Iran und Syrien in dem Hotel - keine Einzelpersonen, sondern Familien, was sicherlich zum friedlichen Miteinander beiträgt. "Probleme habe ich noch nie gehabt, auch keine Streitigkeiten untereinander", versichert die Wirtin. Amtsleiter Hartlieb ergänzt, weil sich die anfängliche Fluktuation der Migranten gelegt habe, sei das Verhältnis zu den Einheimischen noch besser geworden: "Die Flüchtlinge grüßen auf der Straße, werden gegrüßt."

Welche Wertschätzung die Migranten in der Drautalgemeinde erfahren, ist zum Beispiel daran abzulsen, dass sie zu Weihnachten vom Christkind je 20 Euro erhalten hatten, Obwohl die wenigsten christlichen Glaubens sind, nehmen sie an Festen wie Ostern oder Fronleichnam rege teil, versichert die Betreuerin und Wirtin.

Probleme der Christen

Außenstehende vermögen nur schwer zu erahnen, wie groß die Angst, der Kummer gewesen sein mögen, die die Flüchtlinge bewogen, haben, alles hinter sich zu lassen - Partner, Heimat, Zuhause - für eine Odyssee mit ungewissen Ausgang. So erzählt Rahhil Afkhami, als Christin habe sie im Iran in permanenter Angst vor Unterdrückung gelebt, habe ihr Sohn Ilja nicht die Schule besuchen dürfen. Deswegen habe sie erst ihren Mann, einen Muslim, verlassen, dann ihr Land. 12.000 Euro habe die Flucht für beide im Lkw von Teheran nach Wien gekostet. Zur Zeit des Interviews war der 13-Jährige mit der Sachsenburger Kirchengruppe im Schwimmbad.

Die 20-jährige Afghanistanin Raha Hosseini, die mit ihrem vier Jahre alten Kind auch aus Iran geflohen war, sei vor sechs Monaten "völlig verstört" in Sachsenburg angekommen, nachdem sie zuvor in zwei anderen Kärntner Flüchtlingsheimen untergebracht war, zwei Suizidversuche unternommen habe und ihr Sohn deshalb in staatliche Obhut gekommen sei. Einmal wöchentlich dürfe sie ihn für 90 Minuten in Villach besuchen.

Die zwölfjährige Naja Miau war mit ihrem Vater Robert aus Syrien geflohen, dessen Bruder ermordet worden war, erzählt sie, während ihr Vater sowohl vom Assad-Regime als auch von Rebellen bedroht worden sei. Ohne ihren bei einem Arbeitsunfall tödlich verunglückten Mann war Maryam Quodeni mit ihren sechs Kindern aus Afghanistan geflüchtet, wie die 15-jährige Tochter Elmaz in passablem Deutsch erzählt. Und dem diktatorischen Regime in Aserbeidschan haben Aygün und Esref Iskenderov(a) mit ihren Kindern Ramla, 6, und Ismail, 5, den Rücken gekehrt.

Alle Aussagen der Migranten sind für einen Journalisten natürlich nicht nachprüfbar - ob die Flüchtlinge bleiben können, entscheiden letztlich die Behörden. Der subjektive Eindruck aber ist: Nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus Überlebens-Gründen haben die interviewten Asylwerber alles aufgegeben.

Autor:

Michael Thun aus Spittal

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