16.11.2016, 09:29 Uhr

Armut steigt im Bezirk an

Wenn am Ende vom Geld noch viel Monat übrig bleibt, häufen sich schnell Schulden an

Caritas und Pfarrcaritas vermerken Zuwächse bei Lebens- und Sozialberatung.

BEZIRK SPITTAL (ven). Die hohe Arbeitslosigkeit sowie das ,,Aus“ der Schuldnerberatungsstelle und damit einhergehende finanzielle und seelische Probleme sorgen für einen verstärkten Zulauf an Klienten in der Lebensberatungsstelle der Caritas in Spittal. ,,Die Situation ist schwierig. Wir müssen die Menschen auf Wartezeiten vertrösten“, sagt Leiterin Monika Fleissner-Sadjak. ,Das Geld reicht ganz oft nicht bis ans Monatsende“, weiß Christian Eile als Bereichsleiter für Menschen in Not.

Anteil bei 18 Prozent

459 Menschen wurde allein im Vorjahr in 2.650 (Familien-und Lebens-)Beratungs- sowie Psychotherapiestunden geholfen. Depression und Angsterkrankungen würden stark zunehmen. ,,Trennung, Scheidung, Generationenkonflikte: Wir haben immer mehr Anfragen zur grundlegenden existenziellen Versorgung“, führt Fleissner-Sadjak aus. Da es keine Psychiatrie im Krankenhaus Spittal gibt, sei man auch Anlaufstelle im psychiatrischen Bereich. Wolfhart Baumann, Bereichsleiter Menschen in Krisen:
„Die Themen Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit, Armut, finanzielle Probleme und die damit verbundenen Überforderungssituationen haben zugenommen: Im Jahr 2014 betrug dieser Anteil 11 Prozent. 2015 waren es 14,9 und 2016 werden es rund 18 sein."

Mindestsicherung nicht in Anspruch

„Wir haben seitens der Caritas begrenzte Kapazitäten, merken aber deutlich, dass der Bedarf der Bevölkerung an unseren Leistungen im Bezirk Spittal in den vergangenen Jahren steigt. Das ist auch kein Wunder, bei insgesamt steigenden Zahlen der Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Kärnten (von 88.000 im Jahr 2014 auf 94.000 im Jahr 2015 laut EU-SILC)", so Eile. Die Bedarfsorientierte Mindestsicherung (BMS) werde überwiegend in den Großstädten in Anspruch genommen, daher beziehen die Armen in der Gesellschaft aus ländlichen Gebieten vergleichsweise weniger oft die BMS (und verbleiben somit in der Armutsgefährdung oder rutschen in die manifeste Armut ab) als die Armen in den Städten.
"Wir kennen alle die Zahlen des Arbeitsmarktservices, in den letzten Jahren zählte die Arbeitslosenrate im Bezirk Spittal mithin zu den höchsten in Österreich", sagt Eile.

Existenzen bedroht

Fleissner-Sadjak spricht aus Erfahrung: "Es geht immer mehr um die existenzielle Grundsicherung, wie Strom, Miete, Lebensmittel. Geldlücken zu füllen ist hier aber keine Hilfe zur Selbsthilfe", sagt sie. Ulrike Milachowski, Leiterin der Pfarrcaritas in Spittal bestätigt: "Auch wir merken den Zuwachs von solchen Themen und versuchen, unbürokratisch zu helfen. Der Neid ist jedoch oft groß, wir versuchen auch diskret zu bleiben", sagt sie, die mit Bezirkshauptmannschaft, Stadtgemeinde und auch dem Frauenhaus zusammenarbeitet. "Das Dilemma: Die Menschen gehen arbeiten, aber der Verdienst ist zu gering. Außerdem sind die Mieten wahnsinnig überhöht. Wenn der halbe Lohn in die Miete rinnt, kann das nicht funktionieren", so Milachowski, die daran denkt, die Notschlafstelle wieder zu öffnen, da der Bedarf doch vorhanden sei.

Gemeinde hilft mit Mikrokrediten

Sozialreferent der Stadt Spittal Andreas Unterrieder erklärt, die Gemeinde könne hier nur ergänzende Maßnahmen setzen. "Wir haben ein kleines Sozialbudget, helfen beim Stellen von Anträgen und können Lebensmittelgutscheine in Höhe von rund 40 Euro oder für kleine Mengen Brennstoffe hergeben. Außerdem helfen wir, mit Mikrokrediten bis rund 250 Euro zu helfen", erklärt er. Die Gemeinde habe außerdem zwei Übergangswohnungen bereit. "Gerade jetzt vor Weihnachten treten vermehrt Krisen auf", bestätigt er.
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