Nachkommen vertriebener Juden besuchten die Landeshauptstadt

Die Nachfahren der in der NS-Zeit vertriebenen oder ermordeten Familien besuchten in St. Pölten auch die ehemalige Synagoge.
  • Die Nachfahren der in der NS-Zeit vertriebenen oder ermordeten Familien besuchten in St. Pölten auch die ehemalige Synagoge.
  • Foto: Josef Vorlaufer
  • hochgeladen von Bezirksblätter Archiv (Johannes Gold)

ST. PÖLTEN (red). Menschen aus vielen Staaten Europas, aus Israel, den USA, aus Mexiko und Argentinien haben sich Ende Juni in der Stadt Ihrer Vorfahren, aus der eben diese 1938 bis 1945 vertrieben (und vielfach ermordet) wurden, getroffen und wurden im St. Pöltner Rathaus von Vizebürgermeister Franz Gunacker empfangen. Für die allermeisten von ihnen war es der erste Besuch in St. Pölten.

„Ich heiße Sie alle – auch im Namen der Bevölkerung und der Stadtverwaltung – herzlich willkommen in der Landeshauptstadt St. Pölten und wünsche Ihnen einen interessanten Aufenthalt mit zahlreichen Aufschlüssen über St. Pöltens jüdische Geschichte, die auch und vor allem die Geschichte Ihrer Familien ist“, erklärte der Vizebürgermeister in seinen Begrüßungsworten.

Die Initiative für diesen quasi historischen Besuch ging von Martha Keil, Direktorin des in der ehemaligen St. Pöltner Synagoge angesiedelten Instituts für jüdische Geschichte Österreichs, und ihrem Team aus.

„Mein Dank gilt auch zahlreichen Schülerinnen und Schüler des BORG St. Pölten und des Gymnasiums Josefstraße. Sie haben im Rahmen eines 'Sparkling Science'-Projektes, begleitet von Experten des Instituts für jüdische Geschichte, die Schicksale jüdischer St. Pöltner Familien erarbeitet und sie haben die Nachfahren an die Orte und Lokalitäten geführt, wo deren Familien vor 1938 lebten“, erklärte Gunacker.

Die israelitische Kultusgemeinde St. Pölten umfasste 1938 circa 1.200 Mitglieder, davon rund 400 in der Stadt St. Pölten. Nach dem sogenannten Anschluss an Nazi-Deutschland im März 1938 wurde die Mitglieder der Kultusgemeinde entrechtet, beraubt und schließlich, sofern sie nicht emigrieren, das heißt flüchten konnten, deportiert: 275 Männer, Frauen und Kinder wurden in den nationalsozialistischen Todeslagern ermordet.

Buchtipp zum Thema:
Christoph Lind: „… es gab so nette Leute dort“: Die zerstörte jüdische Gemeinde St. Pölten. St. Pölten 1998, ISBN 3-85326-101-9

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