Sommergespräch
In einem Boot mit: Matthias Stadler (+Videos)

Matthias Stadler: "In 15 Jahren als Bürgermeister habe ich einiges erlebt, aber ein Interview am See ist eine Novität, eine tolle Überraschung."
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Die Bezirksblätter St. Pölten Redakteure Petra Weichhart und Nikolaus Frings im Sommergespräch mit St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler.

BEZIRKSBLÄTTER: Guten Morgen, Herr Bürgermeister. Wir sitzen hier in einem Boot am Viehofner See. Würden Sie auch nach dem Hechtangriff hier schwimmen gehen?
MATTHIAS STADLER: Erst einmal auch einen guten Morgen meinerseits. Ich würde schon wieder in den See gehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man ein zweites Mal gebissen wird, ist relativ gering. Ein See ist aber kein Citysplash, sondern ein Naturgewässer. Ich bin froh, dass wir in St. Pölten zwischen Naturgewässern und anderen Bademöglichkeiten auswählen können.

Im Osten Österreichs war gerade Schulschluss. Welche Note würden Sie sich für die letzten 15 Jahre als Bürgermeister geben?
Die Benotung für einen Politiker geben immer die Wähler ab. Bei den letzten Wahlen war ich damit sehr zufrieden. Ich kann sagen, dass in den letzten 15 Jahren sehr viel gelungen ist. Es gibt sicher noch einige Dinge, die ich gerne gehabt hätte. Ich hätte beispielsweise gerne die Medizin-Uni und das Museum NÖ in der Stadt gehabt, aber schauen wir, was die Zukunft bringt.

Wird die Aufgabe als St. Pöltens Stadtchef nach 15 Jahren langweilig?
In einer Stadt wie St. Pölten wird es nie fad. Die Menschen unterschätzen das oft, aber die Stadt erbringt für ihre Bürger von der Geburt bis zum letzten Weg des Lebens fast 700 Dienstleistungen. Das ist eine beträchtliche Anzahl und eine enorme Herausforderung.

Wo konnten Sie St. Pölten in diesen Jahren Ihren Stempel aufdrücken?
Sicher bei bildungspolitischen Themen, wie den Ausbau der Fachhochschule und die Gründung der Privatuniversität. Es sind fast alle Bundesschulen saniert und auch beim Kindergarten können wir alle Kinder unterbringen. Das können nur sehr wenige Städte bieten. Stolz bin ich auch, dass die Innenstadt trotz des digitalen Handels weiterhin belebt ist. Wir spielen in Österreich jetzt in der obersten Liga unter den Städten mit.

Hier das gesamte Interview im Video:

Im Kulturhauptstadtjahr 2024 würden Sie Ihren Zwanziger als Bürgermeister feiern. Ist es eine Option, nach solch einem Höhepunkt die Polit-Pension anzutreten?
Was 2024 sein wird, ob ich gesund bin, wie es mir geht, das ist eine andere Frage. Ich würde 2024 gerne noch politisch begleiten. In den letzten 15 Jahren ist mir so viel eingefallen. Schauen wir einmal, was nach 2024 gegeben ist.

Über den Sommer wird über mögliche neue Parkgebühren rund um das Krankenhaus entschieden. Wie soll es gelingen, die Bürger, die von den Infoveranstaltungen fernblieben, zu mobilisieren und entscheiden zu lassen?
Wir wollen die Situation für die Anrainer verbessern. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir, wie beim Frequency, eigene Straßenseiten für Anrainer widmen und freihalten.

Ist der Domplatz 2024 autofrei?
Der Domplatz soll der Hotspot und der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Kulturhauptstadt sein. Der Domplatz, aber auch der Rathausplatz und andere Plätze in der Innenstadt werden im Kulturhauptstadtjahr jedenfalls für Autos nicht zur Verfügung stehen.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass die archäologischen Grabungen 2019 beendet werden?
Wenn man archäologisch gräbt, ist man nie vor Überraschungen gefeit. Ich hoffe, dass die letzten zu bearbeitenden Bereiche nicht mehr allzu viele Überraschungen bieten. Unser Stadtarchäologe Roland Risy versichert mir, dass heuer das letzte Grabungsjahr ist.

Stichwort Kulturhauptstadt: Warum scheitert es bei 125 Millionen Euro Investitionssumme an einem wirklichen Leuchtturmprojekt?
Wenn Sie das Kinderkunstlabor hernehmen, das gibt es nirgends. Da kann ein ganz spannendes Haus mit großer Bedeutung für die Zukunft entstehen. Die Kinder sind letztlich diejenigen, die die Zukunft gestalten werden. Es werden auch die Kinder sein, die in den Genuss aller Veränderungen kommen werden.

Den größten Zuzug nach St. Pölten gibt es aus Wien. Soll das so bleiben?
Ich glaube, dass wir uns das gar nicht aussuchen können. Andere Städte haben mit Themen der Migration und der Zuwanderung in ganz anderen Bereichen zu kämpfen, bei uns wandern zurzeit einfach viele Wiener zu. Auch wenn manche auf die Wiener nicht gut zu sprechen sind, ich denke, bei ihnen tun wir uns mit der Integration leichter. (lacht)

Sie haben die SWAP-Geschäfte als „keinen Fehler“ bezeichnet. Halten Sie Millionenverluste, auch wenn sie eventuell nicht strafrechtlich geahndet werden, für vertretbar?
Der Fehler war nicht, dass ich unterschrieben habe, weil wir nie unterschrieben hätten, wenn wir gewusst hätten, was da für ein Produkt enthalten ist. Der Fehler, der aber auch nicht nur uns betroffen hat, ist, dass man uns Städten und Gemeinden das überhaupt angeboten hat.

Wordrap mit Matthias Stadler

Interview von: Nikolaus Frings und Petra Weichhart

Matthias Stadler: "In 15 Jahren als Bürgermeister habe ich einiges erlebt, aber ein Interview am See ist eine Novität, eine tolle Überraschung."
Am Viehofner See sprach St. Pöltens Bürgermeister über seine Laufbahn, seine Pläne und das große Ziel Kulturhauptstadt.

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