21.06.2017, 08:00 Uhr

Ein Igelleben ist gefährlich

Selbst bei Tag sind Igel im Garten von Adolf Schrittwieser zu finden. (Foto: Talkner)

Gifte, Autos, Rasenmäher: Wer Igel schützt und seinen Garten fit macht, profitiert davon.

ST. PÖLTEN (bt). Auf diversen sozialen Netzwerken finden sich derzeit häufig Warnungen vor Schneckenkorn: Obwohl meist als ungefährlich angepriesen, würden Igel verenden, wenn sie dieses häufiger in größeren Dosen aufnehmen oder aber vergiftete Schnecken fressen.


50 Prozent überleben

"Bestätigen kann das keiner, denn die Tiere werden meist ohne Befund entsorgt. Da scheitert es an der Beweissicherung", so der St. Pöltner Tierarzt Franz Wessely, der seit 25 Jahren den Tierschutzverein St. Pölten betreut. Hier werden verletzte oder kranke Wildtiere aufgenommen. "Aber klar weiß man, dass Schneckenkorn auch für Hunde und Katzen giftig sein kann, obwohl immer 'nicht giftig' darauf steht." Aktuell werden viele Igel bei Mäharbeiten oder durch Autos verletzt oder gar getötet. "Etwa 50 Prozent der Tiere, die zu uns kommen, kann man noch helfen. Die ganz schlechten werden eingeschläfert. Natürlich kostenlos", sagt Wessely.


Rote Stacheln sind Indiz

Schon jetzt kommen die ersten Jungtiere zur Welt. Daher gilt im Garten besondere Vorsicht. "Wenn möglich, mit Gartenarbeiten warten, bis die Jungen größer sind", rät der Leiter des St. Pöltner Tierheims, Davor Stojanovic.
Adolf Schrittwieser aus Spratzern geht noch weiter, seit 17 Jahren ist er ein wahrer Igelflüsterer. "Jede Nacht kommen fünf bis sechs Igel in meinen Garten. Einer schläft sogar bei mir im Futterhaus", erzählt der Pensionist. Um sie zu kennzeichnen, markiert er einige Stachel mit Nagellack.


Katzenfutter und Luxushaus

Durch zunehmenden Verkehr und sterile Felder und Gärten, mit Chemikalien und Giften behandelt, wird der Igel gefährdet und seines Lebensraums beraubt. Daher will Schrittwieser den Arterhalt sichern. In 20 Schalen, eigentlich für Katzen gedacht, bietet er stets Katzentrockenfutter und Wasser an. "Früher hab ich einen riesen Aufwand betrieben, mit Nassfutter, gekochtem Hühnerfleisch und Hühnerhälsen. Aber das Trockenfutter funktioniert tadellos." Seine fünf Igelhäuser sind eine Eigenkreation: "Sie sind unterteilt. Gleich beim Eingang ist das Esszimmer mit Futter, daneben ist Heu, da schlafen sie drinnen." Fremde Igel nimmt der 77-Jährige allerdings nicht mehr zur Pflege auf: "Es geht einfach nicht mehr so wie früher."
Mit einem Argument will Schrittwieser mehr St. Pöltner zum ökologischen Garteln und Igelschutz motivieren: Die stacheligen Tiere fressen Schnecken und Ungeziefer. Was die Chemiekeule überflüssig macht. "Zur Hauptnahrung von Igeln gehören Laufkäfer. Aber die sind auch gefährdet durch die Regulierungswut. Da beißt sich die Katze in den Schwanz."

Zur Sache:

Jährlich nimmt der Tierschutzverein St. Pölten 60 bis 80 Igel auf. Vor dem Winter, um sie auf ein entsprechendes Gewicht zu bringen, im Sommer aufgrund von Verletzungen. Tipps, um Igel zu unterstützen: An trockenem Platz Futter und Wasser anbieten, Garten nicht penibel "ausräumen".

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