09.08.2017, 09:30 Uhr

Kampf um die Sonderschulen

Das Zentrum für Intensiv- und Sonderpädagogik, schräg gegenüber der Dr. Theodor-Körner Hauptschule.

Bundesministerin Hammerschmid möchte die Sonderschulen abschaffen, der NÖAAB will sie erhalten.

ST. PÖLTEN. „Inklusion“ lautet das neue Zauberwort – zumindest wenn es nach Bildungsministerin Sonja Hammerschmid geht. Der gemeinsame Unterricht aller Kinder – also auch jener mit besonderen Bedürfnissen und Behinderungen – soll bis 2020 die bisherige Sonderschule ersetzen. Doch dagegen formiert sich Widerstand.

Geborgenheit und Sicherheit

Der Niederösterreichische Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbund hingegen fordert, die Sonderschulen zu erhalten. Die individuelle Förderung biete Kindern die nötige Geborgenheit und Sicherheit für die persönliche Entwicklung. In einem "normalen" Klassenverband könnten sie rasch überfordert sein. Der Leistungsdruck wäre womöglich schädlich für die eigene Entwicklung. Zudem sei fraglich, ob alle Einrichtungen so ausgestattet werden können, dass jede Einrichtung für jedes Kind das bieten kann, was es benötigt. Bisher gibt es für den Erhalt der Sonderschulen mehr als 13.500 Unterstützer landesweit.

Individuelle Förderung

"Es gibt Kinder, die mit dem Schulalltag in herkömmlichen Klassenverbänden nicht zurechtkommen und individuelle Förderung nach ihren Bedürfnissen brauchen. Das ist am besten in der derzeitigen Form der Sonderschule gewährleistet. Andererseits besuchen auch jetzt schon Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf Regelschulen. Mit dem Wegfall der Sonderschule würde auch die Möglichkeit der individuelleren Unterstützung wegfallen, eine Einschränkung dieser Wahlmöglichkeit kann nicht das Ziel sein", so der Nationalratsabgeordnete.

Neue Möglichkeiten

Im Gegensatz zu ihrer eigenen Ministerin ist Landtagsabgeordnete Ilona Tröls-Holzweber anderer Meinung. "Die SPÖ will die Sonderschulen nicht abschaffen, da die Kinder den geschützten Rahmen brauchen", so Ilona Tröls-Holzweber, die als Lehrerin sowie als stellvertretende Direktorin an einer Sonderschule tätig ist. Es sollen alle Sonderschulen geöffnet werden. Vereinzelte Standorte arbeiten bereits mit Volksschulen zusammen, was eine tolle Infrastruktur für die Kinder sei. "Wenn man noch die Zusammenarbeit vom Kindergarten heraus schaffen kann, würden sich viele neue Möglichkeiten ergeben", erklärt die Bildungssprecherin der SPNÖ und gleichzeitig auch Gemeinderätin weiter.

Das sagt die Bevölkerung

Sebastian Wangler sieht in einer inklusiven Mittelschule Profit für beide Seiten. "Die Kinder könnten in solch einer Klasse viel vom Umgang mit benachteiligten Menschen lernen. Sie könnten ihre sozialen Kompetenzen erweitern." Karin Rummer, selber Mutter, ist anderer Meinung: "Ich finde es nicht gut, dass die Förderschulen aufgelassen werden sollen. Es gibt in der Neuen Mittelschule oft nicht die Behinderteneinrichtungen, das Umbauen würde sicher viel Geld kosten."

Zur Sache

Im Bezirk St. Pölten gibt es insgesamt neun Sonderschul-Standorte. Etwa 5,6% der Kinder in Niederösterreich haben sonderpädagogischen Förderbedarf. Davon werden etwas mehr als die Hälfte (52%) in Regelschulen unterrichtet, 48% besuchen eine Allgemeine Sonderschule.

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