04.07.2017, 11:46 Uhr

Minimum 18 Monate: Ein Blick hinter Garstens Gitterstäbe

Von der Außenwelt durch Mauern und Gitterstäbe getrennt, sitzen die Inhaftierten in Garsten Monate bis hin zu Jahren ab. (Foto: Kahriman)

Wer nach Garsten kommt, bleibt auch eine Weile... Die Inhaftierten haben mindestens 18 Monate bis zu lebenslänglich vor sich.

GARSTEN. Viele von uns fahren tagtäglich an den Gefängnismauern in Garsten vorbei. Und wissen nur wenig von dem, was sich dahinter abspielt. Die BezirksRundschau hat Major Christian Neubauer, den Leiter des Wirtschaftsbereiches sowie der Einsatzgruppe der Justizanstalt (JA) Garsten, bei seiner Arbeit begleiten dürfen.

18 Monate bis lebenslänglich

Garsten gehört mit Graz-Karlau und Stein zu den drei Justizanstalten in Österreich, in denen lange Haftstrafen vollzogen werden. Wer nach Garsten kommt, hat eine Strafe von mindestens 18 Monaten bis hin zu lebenslänglich vor sich. Zurechnungsfähige geistig abnorme Rechtsbrecher können in einer gesonderten Maßnahmenabteilung, wie es sie in Garsten gibt, untergebracht werden.
Interessant: Die niedrigste Rückfallquote nach einer geleisteten Haftstrafe weisen Sexualstraftäter auf. „Niedrig ist die Rate auch bei Mördern“, weiß Neubauer. Neben dem Vollzug ist seit der Schließung der Justizanstalt Steyr in der Berggasse auch die Untersuchungshaft in Garsten untergebracht.

Zig Kameras im gesamten Komplex

Major Neubauer führt uns durch die vielen Gänge des Gefängiskomplexes. Gelegentlich treffen wir auf Insassen, die völlig unbegleitet durchs Stiegenhaus marschieren und uns lächelnd grüßen. „Häftlinge können sich in einigen Bereichen des Gebäudes frei bewegen. Überall sind Kameras installiert. Will ein Insasse eine Tür passieren, muss er zuerst läuten. Ein Justizwachebeamter sieht ihn durch die Videoüberwachung und öffnet ihm die Tür“, erklärt Neubauer.

Ex-Häftling Helmut Frodl

Wir wissen nicht, was der Mann, der uns im Stiegenaufgang freundlich „Mahlzeit“ zugerufen hat, ausgefressen hat. Wir wissen nur, dass es sich um ein Gewaltverbrechen gehandelt haben muss. Sonst wäre er nicht hier in Garsten.
Die meisten der in Garsten Inhaftierten haben zehn oder gar 20 Jahre vor sich – viele sitzen lebenslang. Einer der berühmtesten Häftlinge in Garsten war Helmut Frodl. Frodl war österreichischer Regisseur, Filmproduzent und Moderator, bis er aufgrund eines Mordes in die Kriminalgeschichte einging. Ein Raum für die Theatergruppe, in der Frodl mitwirkte, erinnert heute noch an den Ex-Häftling. Frodl gilt bis heute als einziger Österreicher, der während seiner Haft ein Studium (Theologie) abschloss.

5000 Kilogramm Brot pro Monat

Die JA Garsten kooperiert unter anderem mit dem BFI Steyr. Dies macht es möglich, dass Insassen während ihrer Haft lesen lernen, den Computerführerschein machen, Schulabschlüsse nachholen oder diverse andere Prüfungen ablegen können.
Auch arbeiten gehen müssen/dürfen die Häftlinge. Rund 20 Betriebe stehen dafür im Haus zur Verfügung. „Das macht uns quasi zu einer Gemeinde innerhalb der Gemeinde“, so Neubauer. Neben einer KFZ-Werkstatt, einer Tischlerei und Schlosserei gibt es noch eine Buchbinderei, eine Wäscherei, einen eigenen Bauhof und vieles mehr. In der hauseigenen Bäckerei werden monatlich 5000 Kilogramm Brot gebacken. Drei Mal pro Woche werden die JA Linz sowie das Forensische Zentrum Asten beliefert. Auch die Futtersäcke für den Tierpark Haag werden von den Häftlingen befüllt.

Inhaftierte besitzen eigenes Konto

Häftlinge, die in den verschiedenen Betrieben der JA Garsten arbeiten, verdienen etwa 140 Euro im Monat. „Jeder Inhaftierte besitzt ein eigenes Konto. Dabei wird aufgeteilt in das 'Hausgeld', welches er einmal pro Woche in einem Geschäft auf dem Gelände ausgegeben werden kann, und in die 'Rücklage'. Letzteres ist für die Zeit nach der Entlassung bestimmt“, so Neubauer.

Dringend Personal gesucht

Ausbrüche habe es in der Garstner Justizanstalt in den letzten Jahren laut Neubauer keine gegeben. „Die Einrichtungen der Justiz werden von Jahr zu Jahr sicherer“, betont der Major. 378 Häftlinge sind derzeit in der JA Garsten inhaftiert. Ihnen stehen 200 Bedienstete, davon etwa 150 Exekutivbeamte, gegenüber. Es könnten mehr sein: „Wir können dringend Leute gebrauchen, die sich den Job eines Justizwachebeamten vorstellen können“, so der Major. Alle weitern Infos rund um die Justizanstalt Garsten lesen Sie hier.
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