29.09.2014, 12:29 Uhr

Vortrag in Navis: Impfungen – Nutzen und Gefahren

Vortragende und Ehrengäste (v. li.) : Ortsbäuerin Helene Peer, Priv.–Doz. Mag. Dr. Jürgen Brunner, Regina Norz (Forum Land). (Foto: Forum Land)

Medizin für Land und Leute zu Gast im Bezirk Innsbruck Land

NAVIS (cia). Über das Thema Impfen informierte kürzlich der geschäftsführende Oberarzt der Innsbrucker Kinderklinik, Jürgen Brunner, in Navis.

Vor rund einem halben Jahr kam es in Telfs zu Maserninfektionen, wodurch das Thema Impfen erneut an Aktualität gewann. Die letzte große Masernepidemie gab es in den Jahren 1993 bis 1997, im Zuge derer kam es zu 28.000 bis 30.000 Infektionen. „Masern sind eine meldepflichtige Erkrankung, deren Verlauf problematisch sein kann“, erklärte Priv.-Doz. Jürgen Brunner. „Mögliche und eben auch gefährliche Komplikationen sind Mittelohr-, Herzmuskel- und vor allem Hirnhautentzündungen und eine als Spätkomplikation auftretende tödlich verlaufende Enzephalitis (Entzündung des Gehirns)“, so der Experte. Die Masernimpfung garantiert eine lebenslange Immunität.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schreibt das Recht aller Kinder auf die beste Gesundheitsversorgung fest. Dazu zählt auch der Schutz vor Erkrankungen, die durch Impfungen vermeidbar sind. Das heißt, ein Kind und jeder Erwachsene hat ein Recht darauf, durch entsprechende Impfungen vor Krankheiten geschützt zu werden. Impfungen schützen durch ihre vorbeugende Immunisierung gegen gefährliche Infektionskrankheiten mit zum Teil lebensbedrohlichen Komplikationen.

Rotavirus-Infektion

Bei dieser Erkrankung leiden die Kinder an Durchfall und müssen erbrechen, sie bekommen Fieber, der Körper trocknet aus. Bei den ersten Anzeichnen sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. „All das ist extrem stressig für kleine Kinder, aber auch die Eltern leiden mit ihrem Kind“, erzählte Priv.-Doz. Brunner aus seinem Alltag als Oberarzt an der Innsbrucker Kinderklinik: „Die Eltern sind erst einmal ratlos und machen sich Sorgen, sie fallen bei der Arbeit aus, müssen täglich rund zwanzig Mal die Windeln des Kindes wechseln, bekommen kaum Schlaf und sind dementsprechend gestresst und erschöpft.“ Seit der Einführung der verpflichtenden Rotavirusimpfung ist die Hospitalisierungsrate enorm gesunken.

Impfungen allgemein

Einmal pro Jahr erscheint ein Impfplan, in dem alle zur Verfügung stehenden Impfungen gegen Infektionskrankheiten aufgelistet sind. Der Plan beinhaltet die Information, wer sich zu welchem Zeitpunkt gegen welche Krankheiten impfen lassen sollte. Zu den empfohlenen Impfungen für Säuglinge zählen z. B. Rotaviren, Sechsfach-Impfung (Diphterie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus, Hepatitis B), Pneumokokken, Mumps, Masern, Röteln.

Die Nebenwirkungen beschränken sich je nach Impfung meist auf lokale Reaktionen der Haut und Fieber, das meist in der ersten Nacht nach der Impfung bzw. bis zu einer Woche danach auftritt, so der Experte. In seltenen Ausnahmefällen können aber auch chronische Krankheiten aktiviert werden. Auf Impfungen sollte nur bei einer akuten, hoch fieberhaften Infektion verzichtet werden. „Es spricht aber nichts dagegen, ein Kind bei leichten Infekten wie zum Beispiel einem Schnupfen zu impfen“, so Priv.-Doz. Brunner. Schwerwiegende bekannte allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe der Impfung seien ein weiterer Grund, nicht zu impfen. Bei manchen chronischen neurologischen Vorerkrankungen muss bei bestimmten Impfungen eine genaue Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden, präzisierte Priv.-Doz. Brunner.

Impfungen sind eine medizinische Erfolgsgeschichte. Durch sie können ungünstige und belastende Krankheitsverläufe vermieden werden. Wenn man persönliches Leiden durch eine Impfung mindern kann und es sowohl finanziell als auch organisatorisch möglich ist, sollte man dies tun, rät der Experte. „Jeder hat Verantwortung für sich selbst, aber auch für seine Mitmenschen. Der nicht geimpfte stellt als Überträger einer Infektionserkrankung für andere Menschen mit einer chronischen Erkrankung oder jene die sich zum Beispiel einer Chemotherapie unterziehen, eine lebensbedrohliche Gefahr dar“, verdeutlicht Priv.-Doz. Brunner.

Aufklärung wichtig

Impfskeptiker gibt es selbstverständlich auch. Die Kritik am Impfen ist laut Priv.-Doz. Brunner häufig mit „Sorge vor Nebenwirkungen und fehlender, unzureichender und falscher Information verbunden.“ Genau aus diesem Grund sagt der Vortragende: „Es ist extrem wichtig, dass Ärztinnen und Ärzte zuhören. Sie müssen die besorgten Eltern informieren und sachlich bleiben. Es geht darum, aufzuklären und einen klaren Standpunkt zu vertreten.“

Die TeilnehmerInnen der Veranstaltung nutzten die Gelegenheit und stellten zahlreiche Fragen an den Vortragenden Priv.-Doz. Mag. Dr. Jürgen Brunner.
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