Seebarn: 4,1 % mehr LKW's

GRAFENWÖRTH / NÖ. Der Lkw-Verkehr auf Niederösterreichs Autobahnen und Schnellstraßen hat heuer stark zugenommen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Die meisten Lkw waren in Niederösterreich auf der A2 bei Biedermannsdorf unterwegs, wo um drei Prozent mehr Lkw gezählt wurden. Um das im Regierungsprogramm festgelegte Ziel der Verlagerung von der Straße auf die Schiene zu erreichen, ist ein umfassendes Maßnahmenpaket nötig, betont der VCÖ. Betriebliche Gleisanschlüsse sind zu forcieren, bestehende Anreize zum Transport auf der Straße abzubauen.
"Was Autofahrer subjektiv empfinden, wird nun auch objektiv durch die Daten bestätigt: Der Lkw-Verkehr hat heuer erneut deutlich zugenommen", fasst VCÖ-Experte Markus Gansterer eine aktuelle VCÖ-Analyse von Daten der Asfinag zusammen. Der Abschnitt, wo in Niederösterreich am meisten Lkw unterwegs waren, war die A2 bei Biedermannsdorf. In den ersten elf Monaten wurden hier bereits 4,2 Millionen Lkw gezählt, um rund 110.000 mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Insgesamt hat der VCÖ die Daten von österreichweit 105 Zählstellen der Asfinag analysiert. Bei 95 Zählstellen hat der Lkw-Verkehr zugenommen, bei 42 sogar um mehr als vier Prozent.

A5: Plus 37 Prozent

Auf der A1 bei Poppendorf rollten in den ersten elf Monaten rund 3,5 Millionen Schwerfahrzeuge, um rund 80.000 mehr als im Vorjahr und auf der A21 bei Brunn am Gebirge wurden mehr als 3,4 Millionen Lkw gezählt (plus 50.000), auf der S1 bei Rannersdorf mehr als 3,2 Millionen Lkw (plus 110.000) und auf der A4 bei Bruck / Leitha rund 2,8 Millionen Lkw (plus 80.000), berichtet der VCÖ.
Noch deutlicher wird die starke Zunahme des Lkw-Verkehrs im 5-Jahres-Vergleich, wie die VCÖ-Analyse zeigt: Auf der S1 bei Schwechat / Ost waren heuer von Jänner bis November um rund 15 Prozent mehr Lkw pro Tag unterwegs als im Jahr 2012, auf der A5 wurden sogar um rund 37 Prozent mehr Lkw pro Tag gezählt als im Jahr 2012.
"Viele Autofahrer erleben die rechte Spur auf Autobahnen als rollende Lagerhalle. Das ist schlecht für die Straßen, erhöht das Unfallrisiko und belastet die Anrainerinnen und Anrainer. Umso wichtiger ist es, dass die Regierung das Ziel der Verlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene rasch in Angriff nimmt", betont VCÖ-Experte Markus Gansterer. Die beiden Ziele - ausreichend Transportkapazitäten für die Wirtschaft und gleichzeitig Verringerung der Belastung für Anrainer und Autofahrer - sind mit einem umfassenden Maßnahmenpaket miteinander in Einklang zu bringen, betont der VCÖ.

Großes Sicherheitsrisiko

Vor allem betriebliche Gleisanschlüsse sind stärker als bisher zu forcieren, betont der VCÖ. Auch die Raumordnung kann die Verlagerung auf die Schiene unterstützen. So soll es Anreize für Betriebsansiedelungen bei Gleisanschlüssen geben. Gleichzeitig sind Maßnahmen beim Lkw-Transport nötig. Die Einhaltung von Arbeits- und sozialrechtlichen Standards sind ebenso stärker zu kontrollieren, wie die Sicherheitsstandards bei Lkw.
"Lkw mit abgefahrenen Reifen oder anderen technischen Mängel sowie die Überschreitung der Ruhezeiten sind auf Autobahnen ein großes Sicherheitsrisiko für Autofahrer. Zudem sorgen verstärkte Kontrollen auch für faire Wettbewerbsbedingungen für jene Spediteure, die sich an die Regeln halten", betont VCÖ-Experte Gansterer. Anfang des Jahres wurden zudem in Deutschland bei vielen Transit-Lkw aus Osteuropa Abgasmanipulationen aufgedeckt. Ein nachträglich eingebautes Gerät verhindert die AdBlue Einspritzung und damit die Abgasreinigung. Neben dadurch erhöhter Schadstoff-Emissionen wird zudem der Staat betrogen, da diese vermeintlich schadstoffarmen Lkw eine niedrigere Maut bezahlen.

300 Millionen Lebendtiertransporte

Österreich sollte den EU-Vorsitz im kommenden Jahr auch nutzen, um Maßnahmen gegen absurde Auswüchse des Transports zu setzen. So wird Schweinefleisch aus Ostdeutschland über Österreich nach Italien transportiert, dort zu Parmaschinken weiterverarbeitet und dann - wieder über Österreich - nach Deutschland zurücktransportiert.
Zudem werden mehr als 300 Millionen Tiere lebend innerhalb der EU transportiert, dazu kommen mehrere Millionen Tiere, die teilweise unter qualvollen Bedingungen lebend in Drittländer transportiert werden. Tiere tausende Kilometer quer durch Europa zu transportieren verursacht viel Tierleid und viel Transit-Verkehr, macht der VCÖ auf die Folgen aufmerksam. Diese Auswüchse sind auch die Folge vom fehlenden Verursacherprinzip. "Die derzeitige Regelung schadet allen regionalen Anbietern in Österreich. Der Billigtransport von Waren aus Billiglohnländern kostet viele Arbeitsplätze in Österreich", stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Auf EU-Ebene ist daher eine Mindestmaut für Lkw einzuführen.

VCÖ: Lkw-Verkehr hat in Niederösterreich heuer stark zugenommen (Anzahl Lkw / Tag von 1.1. bis 30.11.2017, in Klammer Änderung zu 1.1. bis 30.11. 2016)

A2 Biedermannsdorf: 12.630 Lkw / Tag (plus 3 Prozent)
A1 Poppendorf: 10.550 Lkw / Tag (plus 2,4 Prozent)
A2 ASt IZ NÖ Süd: 10.440 Lkw / Tag (plus 3,5 Prozent)
A21 Brunn am Gebirge: 10.420 Lkw / Tag (plus 1,5 Prozent)
A1 Ybbs: 10.330 Lkw / Tag (plus 2,4 Prozent)
S1 Rannersdorf: 9.780 Lkw / Tag (plus 3,7 Prozent)
S1 Schwechat/Ost: 9.580 Lkw / Tag (plus 3,2 Prozent)
A1 St. Pölten/A1: 9.500 Lkw / Tag (plus 2,2 Prozent)
A1 Altlengbach: 9.470 Lkw / Tag (plus 2,3 Prozent)
A4 Bruck an der Leitha: 8.390 Lkw / Tag (plus 3,3 Prozent)
A2 Bad Vöslau: 7.370 Lkw / Tag (plus 4,8 Prozent)
A2 Steinabrückl: 7.180 Lkw / Tag (plus 4,9 Prozent)
A2 Knoten Wr. Neustadt: 6.700 Lkw / Tag (plus 3,6 Prozent)
A22 Stockerau Mitte: 4.120 Lkw / Tag (plus 4,5 Prozent)
A22 Langenzersdorf: 3.730 Lkw / Tag (plus 4,8 Prozent)
A5 Eibesbrunn: 3.490 Lkw / Tag (plus 3,5 Prozent)
S33 St. Pölten/S33: 3.120 Lkw / Tag (plus 3,8 Prozent)
S5 Zaina: 2.640 Lkw / Tag (plus 2,8 Prozent)
S5 Seebarn am Wagram: 2.140 Lkw / Tag (plus 4,1 Prozent)
Quelle: Asfinag , VCÖ 2017

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