01.07.2017, 23:04 Uhr

Die Rolle der Wertedebatte für die Integration

Can Gülcü, Clara Akinyosoye, Milica Himmer, Julia Stranner, Maximilian Titz, Rami Ali und Pelin Oezmen

Diskussionsrunde über Integration und ein gutes Zusammenleben

ST.ANDRÄ-WÖRDERN. Zum vierten Mal in Folge luden die Caritas und die Marktgemeinde St.Andrä Wördern am 28.Juni 2017 zu einer Diskussionsrunde ein. In dem diesjährigen Dialog wurde darüber gesprochen, ob die Vermittlung von Werten eine gelungene Integration von MigrantInnen und Geflüchteten in Österreich fördert. Rund 40 TeilnehmerInnen diskutierten zu der aktuellen Thematik mit den ExpertInnen Milicia Himmer, Can Gülcü, Julia Stranner und Rami Ali unter der Moderation der Journalistin Clara Akinyosoye.

Hintergrund der Wertedebatte

Zurzeit bestimmt die aktuelle Wertedebatte die medialen und politischen Diskussionen über die Integration von MigrantInnen und Geflüchteten. In Integrationsvereinbarungen und Wertekursen wird versucht, Regelwerke für die Vermittlung von Werten zu schaffen. Denn das neue Integrationsgesetz verlangt nun zusätzlich zum Erlernen der Sprache auch das Erlernen von österreichischen Werten, die anhand sogenannter Werteprüfungen kontrolliert werden sollen. „Wenn Menschen bei uns im Land leben wollen, müssen sie Rechte und Grundwerte der österreichischen Gesellschaft anerkennen und akzeptieren“, äußert sich Milica Himmer, Leiterin des Integrationszentrum Niederösterreich/Österreichischer Integrationsfonds (ÖIF). Das Problem, das die Basisbildnerin und Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache Julia Stranner dahinter sieht, sind nicht nur die fehlenden Ressourcen, um Werte innerhalb der Deutschkurse zu vermitteln, sondern auch die Barrieren, die dadurch entstehen. Das Aufzwingen von Werten fördert die Integration nicht. „Es ist sehr fragwürdig, dass Menschen dazu verpflichtet werden, sich diese Werte und Orientierung anzueignen. Oder was noch schlimmer ist, dass angenommen wird, dass diese Menschen über gar keine oder die falschen Werte verfügen“, fügt Stranner hinzu.

Förderung von interaktiven Dialog und Austausch

Die Veranstaltung verdeutlichte, dass sehr wohl auch über kontroverse Themen auf einer sachlichen Ebene thematisiert und diskutiert werden können. Der spannende Teil des Abends war die aktive Beteiligung der Gäste an den runden Diskussionstischen zu folgenden Themen: partizipativer Zugang zu Werten, Schwierigkeiten bei der Wertevermittlung, Wie und was soll den Jugendlichen vermittelt werden und die Wertevermittlung beim Österreichischen Integrationsfond. An dieser Stelle war es sowohl den ReferentInnen als auch den Gästen möglich ihre Erfahrungen zu teilen und sich untereinander auszutauschen.

Ein Versuch von Lösungsansätzen

Es herrscht definitv ein Spannungsfeld zwischen Normen und Werten, daher ist es grundsätzlich wichtig zwischen den beiden Begrifflichkeiten zu differenzieren, betont der Kulturschaffende und Lehrbeauftragte der Universität Graz Can Gülcü. Als Trainer in der Jugend- und Erwachsenenbildung innerhalb des Caritas-Projektes Kompa hat Rami Ali festgestellt, dass es notwendig ist Normen zu vermitteln. Gesetze müssen von Neuzugewanderten akzeptiert werden, damit die Gesellschaft funktioniert und somit ein gutes Zusammenleben garantiert werden kann. Werte können allerdings nur vorgelebt und attraktiv gemacht werden, sie sind im Gegenteil zu Gesetzen nicht sanktionierbar. Die Wertediskussion ist von großer Bedeutung und sollte auf Augenhöhe passieren, erklärt der Politikwissenschafter Ali. Werte können nur vermittelt werden, wenn die richtigen Rahmenbedingungen gegeben sind. Daher sollte intensiv an der Beziehung untereinander sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene gearbeitet werden, um einen respektvollen Umgang zu schaffen.
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