Ein Jahr nach der Krebsdiagnose....privater Brief an sich selbst und all jene, die Hoffnung benötigen...

Ich möchte in dieser Form die Worte meiner Frau Nicole vielleicht auch jenen Menschen nahe bringen, welche ebenso die erschütternde Diagnose Krebs erhalten haben, oder vielleicht auch für jene, welche sie noch erhalten werden. 
Es sind Worte, die emotionaler nicht sein könnten und es gibt für mich selbst auch nicht genug Worte, um auszudrücken, was in einer solchen Zeit in Kopf und Brust vor sich geht. 
Ich bin stolz auf meine Frau, wie sie dies durchgestanden hat, während sie für andere stark geblieben ist. Mit diesen Worten, welche Trauer, Wut, Verzweiflung, Kummer, jedoch auch Freude und Stärke widerspiegeln, feiert sie das Leben mehr denn je, genau ein Jahr nach dem dunkelsten Tag in einem noch jungen Leben. 

Nicole - ich liebe dich!

Nicole` s Worte, ein Jahr nach der Diagnose:

Heute vor genau einem Jahr war der bisher schwärzeste Tag in meinem Leben.
Heute vor 1 Jahr schien die Sonne genau wie heute vom Himmel. Die Menschen um mich herum waren gut gelaunt, erfreuten sich an den Sonnenstrahlen und gingen lächelnd ihren Weg.
Heute vor einem Jahr hat sich mein Leben schlagartig geändert.
Heute vor einem Jahr, genau um 10.10 Uhr, sass ich mit meinem Mann in einem kleinen Raum und hörte eine nette Ärztin sagen "Frau Lindorfer, es tut mir sehr leid, aber der Knoten in ihrer Brust ist leider bösartig".
Heute vor einem Jahr, hielt ich die Hand meines Mannes ganz fest, denn ich dachte mich verschluckt das Erdreich gleich.
Auf einmal ist der Boden weg....bumm. Meine Gedanken drehten sich im Kreis und während mir lautlos Tränen die Wangen hinab tropften, erklärte die Ärztin etwas von Mastektomie, von Operation, Chemo, Bestrahlung, genetischer Veranlagung, Lymphknoten u.s.w.
Ich hörte alles nur ganz weit entfernt. Meine Gedanken sagten in diesem Moment immer das Gleiche: " ich bin doch erst 37, ich kann jetzt noch nicht sterben, meine Kinder....Meine Kinder....Meine Eltern....mein Mann....Meine Kinder.....alles drehte sich.
Wir verliessen den Raum und ich flog in die Arme meiner Mama...die in diesem Moment erfuhr dass ihre Tochter Krebs hat. Wir gingen heulend in Richtung Ultraschall, um meine Lymphknoten zu schallen, um nachzusehen ob der Krebs gestreut hat. Ich lag wieder in einem kleinen, dunklen Raum....alleine....Und hatte in diesem Moment die furchtbarste Angst die ein Mensch haben kann....die Angst um sein Leben.
Heute vor 1 Jahr, musste ich meinen Kindern sagen dass ich Krebs habe. Wirklich keine leichte Aufgabe. Wie sage ich Ihnen so etwas....? Wie sagt man jemandem so etwas und versucht gleichzeitig Mut zu machen? Ich habe es geschafft. Obwohl die Angst und Trauer um meine Gesundheit in meinen Knochen sitzt, habe ich gesagt" wir schaffen das gemeinsam, macht euch keine Sorgen ".
1 Woche später, liege ich schon wieder in einem Krankenzimmer. Morgen ist der Tag der OP. Mir wird radioaktives Mittel 4 mal in die Brustwarze injiziert. Damit meine Lymphknoten für die morgige OP markiert werden. Wieviel von meiner Brust erhalten bleiben kann, weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Meine Gedanken waren zu diesem Zeitpunkt :"kann mich mein Mann auch mit einer Brust, oder mit einer kleineren Brust oder deformierten Brust noch sexy finden?"
Schon blöd sich über so etwas zu sorgen, aber es war nun mal so.
Nächster Tag 13 Uhr...ich wache auf in meinem Zimmer, der feste Verband nimmt mir die Luft zum Atmen. Ich bin allein....Und habe Angst. Die Ärztin kommt und sagt mir dass mir 5 Lymphknoten entnommen wurden und keiner befallen war. Da war sie nun...die Hoffnung!
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Heute, genau 1 Jahr danach, nach 2 Operationen, Lymphödemen, Bestrahlungen, Hormontherapie, künstlichem Wechsel....Sitze ich noch immer hier. Aber es hat sich etwas verändert....ich habe keine Angst mehr. Zumindest nicht heute, was morgen ist weiss ich nicht.
Ich habe es geschafft und dem Krebs gehörig in den Hintern getreten. Ich habe ihm den Mietvertrag gekündigt!!!!
Ich gehe wieder arbeiten, geniesse das Leben, meine Familie....ich geniesse einfach. Ich bin unglaublich dankbar!!!!!!
Jetzt kommt dann bald die jährliche grosse Untersuchung, aber ich weiss, ich bin gesund. Die werden nichts finden!!!!
Heute vor 1 Jahr, habe ich gelernt, wie schnell alles vorbei sein kann. Ich habe gelernt das Leben zu schätzen. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir in dieser Zeit eine unglaubliche Stütze waren!!! Roy Munson Melanie Lindorfer Hannah Lindorfer Sandra Müllner Tina Schmidjörg Hermine Barth Ulrike Brantner ich danke euch von ganzem Herzen!!!!
Ich hatte ein wirklich turbulentes Jahr....Und die Nachwirkungen sind jeden Tag zu spüren. Ich bin nicht mehr so belastbar, bin im Wechsel, schneller müde und habe Gelenksschmerzen....aber....ich lebe....Und das ist es doch was zählt!!!!
Ich werde jede Minute meines Lebens geniessen und dankbar sein, denn ich habe am eigenen Leib erfahren, wie schnell es vorbei sein kann.
Also liebe Leser....lächelt, liebt, lacht und geniesst. Lasst euch nicht unterkriegen, das Leben ist schön

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