Gewalt gegen Frauen
Villacher Ex-Täter ermutigt Männer – holt euch professionelle Hilfe
- Redakteurin Birgit Gehrke im Gespräch mit René Dietrichsteiner. Der Villacher lernte mithilfe einer Therapie gewaltfrei durchs Leben zu gehen.
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Gewalt gegen Frauen: Es ist ein Thema, über das kaum jemand spricht – schon gar nicht aus der Perspektive des Täters. Der 41-jährige Villacher René Dietrichsteiner tut genau das.
VILLACH. Er spricht offen darüber, dass er in früheren Beziehungen gewalttätig war, wie es dazu kam und warum eine Therapie sein Leben grundlegend verändert hat. Heute möchte er anderen Männern Mut machen, sich Hilfe zu holen. „Ich war zwei Frauen gegenüber gewalttätig – meiner Ex-Freundin und auch meiner jetzigen Lebensgefährtin“, sagt Dietrichsteiner. Es habe körperliche, aber auch verbale Gewalt gegeben. „Es waren nie geplante Handlungen. Es waren Impulsreaktionen. Erst durch die Therapie habe ich verstanden, was davor in mir passiert ist.“
Heute weiß der Villacher, dass bestimmte Situationen ihn regelrecht aus der Bahn warfen. Vor allem dann, wenn er sich abgewertet fühlte oder Kritik nicht annehmen konnte. „Ich wusste mir mit Worten nicht mehr zu helfen. Meine Psyche war ständig in Kampfbereitschaft.“
Als Kind habe er zu Hause keine Gewalt erlebt, wohl aber jahrelang Mobbing und körperliche Übergriffe in der Schule. „Irgendwann habe ich mich gewehrt und gemerkt, dass ich körperlich stark genug bin. Leider hat sich das tief in mir verankert.“
- René Dietrichsteiner plädiert an andere Männer, sich Hilfe zu holen: "Gewalt geht gar nicht!"
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Hinzu kamen später Erfahrungen als Türsteher, wo Gewalt häufig zum Alltag gehörte. Rückblickend erkennt er, dass sich über Jahre ein Muster entwickelte. „In diesen Momenten habe ich die Menschen gar nicht mehr gesehen. Meine Partnerin war in diesem Augenblick für mich nicht mehr meine Partnerin.“
Der Wendepunkt
Der entscheidende Einschnitt kam nach einem Übergriff auf seine heutige Lebensgefährtin. Sie zeigte ihn an, es folgte eine Wegweisung und eine verpflichtende Gewaltpräventionsberatung.
„Anfangs hatte ich noch dieses typische Täterdenken: ,Hätte sie das nicht gemacht, hätte ich nicht so reagieren müssen.‘ Meine Freunde gaben mir sogar recht.“ Doch schon bald begann ein Umdenken. „Mir wurde bewusst, was ich wirklich getan hatte. Das hat mir unglaublich wehgetan.“ Über die Beratungsstelle für Gewaltprävention in Villach kam er zu den Beratern Haris Bilajbegović und Andreas Seunig. Dort entschied er sich freiwillig, die Therapie über die verpflichtenden Stunden hinaus fortzusetzen.
„Schon nach der ersten Stunde dachte ich mir: Was habe ich da eigentlich alles angerichtet? Haris hat mir nichts schön geredet. Er hat klar gesagt: Für Gewalt gibt es keine Ausrede. Gleichzeitig hat er mir auf menschliche Weise geholfen zu verstehen, warum ich so reagiert habe.“
Ein neuer Blick auf Männlichkeit
Neben der Therapie arbeitete Dietrichsteiner intensiv an sich selbst. Er distanzierte sich von negativen Einflüssen, hörte psychologische Hörbücher und setzte sich mit seinem Verhalten auseinander. Sogar alte Chatverläufe mit seiner Lebensgefährtin las er nochmals durch.
„Da habe ich erst erkannt, dass viele Diskussionen und Eskalationen von mir ausgegangen sind.“ Heute nehme er seine körperlichen Warnsignale früh wahr. Wenn er merke, dass ihn etwas aufregt, verlasse er die Situation oder spreche ruhig darüber.
„Früher dachte ich, männlich zu sein bedeutet, sich durchzusetzen und alles alleine zu schaffen. Heute weiß ich, dass Stärke bedeutet, ruhig zu bleiben, Gefühle zuzulassen und Konflikte mit Worten zu lösen.“
„Die Anzeige hat mein Leben gerettet“
Mit seiner Lebensgefährtin ist Dietrichsteiner heute wieder zusammen. Beide arbeiten täglich an ihrer Beziehung. Jeden Abend setzen sie sich zusammen und sprechen darüber, was am Tag schön war und was sie belastet hat.
Besonders wichtig ist ihm: „Ich bin froh, dass sie mich angezeigt hat. Das war der richtige Schritt. Ohne die Anzeige hätte sich wahrscheinlich nichts verändert. Ich würde jedem Mann, der gewalttätig ist, raten, sich Hilfe zu holen. Therapie ist keine Schwäche. Man muss nur den richtigen Therapeuten finden. Meine erste Therapie hat mir nichts gebracht. Deshalb dachte ich lange, Therapie funktioniert nicht. Heute weiß ich: Es muss einfach der Mensch zu einem passen.“
Seine Botschaft ist eindeutig: „Gewalt macht nichts besser. Ich habe mich nach meinen Gewalttaten nie besser gefühlt. Heute löse ich Konflikte mit Worten – und das ist ein viel besseres Gefühl. Ein richtiger Mann braucht keine Gewalt.“ Ebenso richtet er sich an betroffene Frauen: „Ich würde jeder Frau raten, sofort zur Polizei zu gehen. Auch wenn es schwerfällt. Bei mir war genau das der Auslöser, mein Leben zu verändern.“
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