Tradition, Geschichten und Identität
Vier Leben für die Volksmusik

Haben uns einen Einblick in ihre Leidenschaft gegeben: Manuel Wieltschnig, Michael Pinter, Heimo Platzner und Matthias Kreuger
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Volksmusik ist für sie weit mehr als Unterhaltung – sie ist gelebte Tradition, persönliche Geschichte und ein Stück Identität.

VILLACH. Vier Musiker aus dem Bezirk geben Meinbezirk.at Einblicke in ihr musikalisches Leben.

Manuel Wieltschnig, Die jungen Wernberger: „Mein Wunsch ist, dass die Stellung der Volksmusik als anerkannte Musikrichtung weiter ausgebaut wird.“
Das Akkordeon ist mein Hauptinstrument. Ich habe es mit etwa fünfeinhalb Jahren gelernt und spiele mittlerweile auch andere Instrumente. Die Musik liegt bei uns in der Familie – mein Großvater hat ebenfalls gespielt, und mein Vater hat Gitarre gespielt. Besonders geprägt haben mich die Oberkrainer-Konzerte, ein großes Vorbild war für mich Slavko Avsenik.

Wie sieht die Zukunft für dich aus?
Für mich gibt es keinen Grund, kürzerzutreten. Ich bin jetzt 33 Jahre alt und voll dabei. Ich denke, dass das sicher noch 15 Jahre so weitergehen kann – wenn wir weiterhin gefragt sind. Es ist schön zu sehen, wenn auch wieder ältere Partien aktiv werden. Das könnte ich mir später mit 60 ebenfalls vorstellen. Aktuell möchte ich es aber nicht überreizen. Es kommt, wie es kommt – aber ans Aufhören denke ich derzeit überhaupt nicht.

Wie wurden die jungen Wernberger gegründet?
Ich war damals 12 Jahre, als ich mit zwei Freunden gemeinsam anlässlich eines Geburtstags die Partie gründete. Ab dem Jahr 2006 wurde es dann professioneller und ab 2010 waren wir dann auch zu viert. Seit 2016 sidn wir eine Partie mit fünf Personen und es macht seit rund 21 Jahren immer noch riesigen Spaß.

Was wünscht du dir für deine Zukunft?
Aktuell habe ich noch keinen Grund gefunden, zurückzuschrauben. Ich bin 33 Jahre alt und mir gefällt auch heute noch jeder unserer Auftritte. Was mir persönlich gefällt ist, wenn ehemalige Partien sich im Alter nochmals zusammen tun und spielen. Das könnte ich mir für später einmal auch vorstellen. Ich denke mir einfach oft, dass es kommen wird, wie es richtig ist, und solange wir noch so gut ankommen, denke ich gar nicht ans aufhören.

Was wünscht du dir für die Volksmusik?
Früher, als ich noch jung war, wurde die Volksmusik oftmals heruntergespielt und in eine Ecke gestellt. Heute ist es eine anerkannte Musikrichtung, und ich würde mir wünschen, dass sie diese Stellung behält und es stätig ausgebaut wird. Ich lerne selbst bei jedem Auftritt dazu, und das macht es einfach aus.

Mit eurer Musik wollt ihr auch was zurückgeben?
Letztes Jahr haben wir unser Jubiläum gefeiert, starke 20 Jahre. Dazu haben wir ein Konzert gegeben und die Einnahmen unter anderem an die Kinderkrebshilfe gespendet. Ein Teil ging dann auch noch an das Gegendtal nach der Unwetterkatastrophe. Wir sind immer wieder bei Festen dabei, wo das Geld gespendet wird, und wir schenken auch heuer wieder beim Charity-Ausschank am Kirchtag aus. Es ist mir wichtig, etwas zurückzugeben. Ich bin in der Lage, meiner Leidenschaft nachzugehen und Menschen zu unterhalten. Mit der Spende gebe ich etwas an die Menschen zurück, die es aufgrund von Krankheit oder Ähnliches nicht können.

Manuel Wieltschnig ist seit seinem 12 Lebensjahr auf der Bühne. | Foto: Die jungen Wernberger
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Michael Pinter, Karawankenbären: „Volksmusik bedeutet für mich Verbundenheit mit Tradition, Gemeinschaft und einem Gefühl von Zuhause.“
Ich spiele seit 26 Jahren die Steirische Harmonika. Ich habe mit sieben Jahren angefangen und die erste Harmonika hat mir mein Vater am Flohmarkt in Villach um 700 Schilling gekauft. An diesen Tag kann ich mich witzigerweise noch sehr gut erinnern, als wäre es gestern gewesen. Der damalige Arbeitskollege meines Vaters hat mir die ersten Stücke beigebracht, und er erkannte, dass ich anscheinend Talent dafür habe.

Was unterschätzen Leute an der Volksmusik?
Ich glaube, die Volksmusik wird nicht mehr so unterschätzt wie es einmal war, wenn man auf die Zeltfeste oder Kirchtage schaut, kennen die Jungen schon jeden Text auswendig. Die Lederhosn oder das Dirndl werden immer mehr modern und zum Trend, genauso wie die Volksmusik.

Weißt du noch, wann du das erste Mal gedacht hast: „Das taugt mir richtig“?
Ja. Eigentlich war ich von Anfang an begeistert, da ich zuvor die obligatorische Blockflöte in der Volkschule gespielt habe, war das schon ein großes Update zur Flöte. Aber sind wir uns ehrlich. Eine Steirische in die Hand und rund geht’s. Kein Strom, kein Heckmeck, einfach nur spielen.

Bei welcher Partie spielst du mit?
Ich spiele bei den „Karawankenbären“ mit meinem Kollegen Smole Philip der auch Steirische spielt und mit dem Bariton. Oder mein Cousin Manuel Pinter mit der Steirischen. Wir sind da flexibel. Wir sind meistens zu zweit und unplugged unterwegs und spielen auf kleineren Festen, Hochzeiten, Kirchtage, Geburtstagen, usw.

Was ist für dich das Beste an einem Kirchtag-Auftritt?
Das Beste ist, wenn man das Publikum mitreisen kann und alle mitsingen. Spätestens beim Steirischen Brauch mit aus dem Stehgreif gedichteten und personalisierten Strophen sitzt keiner mehr.

Übst du brav – oder eher „nach Gefühl“?
Puh eher nicht so. Aber das ist so wie beim „Radlfoan“ wenn man es einmal kann, verlernt man das so schnell nicht mehr.

Wie bringst du Job und Musik unter einen Hut?

Ja, das ist oft nicht so leicht, da muss manchmal der eine oder andere Arbeitskollege aushelfen, damit alle Termine unter einen Hut passen. Aber da ich im Schichtdienst arbeite, kann ich das im Voraus gut planen.

Wo siehst du dich in ein paar Jahren – immer noch auf der Bühne?
Oh, ich glaube und hoffe schon sehr stark. Wir halten noch nach einem Gitarristen Ausschau, vielleicht ergibt sich ja mal was. Aber wir bleiben kleine und gemütliche Musikanten, und nebenbei bin ich Papa von einer 8-jährigen Tochter, die immer Vorrang hat und auch gern mit mir unterwegs ist.

Was würdest du dir für die Volksmusik in der Region wünschen?
Dass die Musik noch mehr geschätzt wird. Alles kostet viel Geld. Vom Instrument angefangen, was weit über 4000 Euro kostet, Musikunterricht, Service beim Instrument usw. Diese Seite sehen viele Leute nicht, wie viel man im Vorhinein dafür investieren muss. Da bin ich meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich dabei immer unterstützt haben.

Was bedeutet dir Volksmusik?
Volksmusik muss man leben. Volksmusik bedeutet für mich Verbundenheit mit Tradition, Gemeinschaft und einem Gefühl von Zuhause

Michael Pinter ist Teil der Karawankenbären. | Foto: Privat
  • Michael Pinter ist Teil der Karawankenbären.
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Heimo Platzner, Combo: „Ich liebe die Bühne, fühle mich dort wohl und mache leidenschaftlich gerne Livemusik.“
„Ich spiele Schlagzeug, steirische Harmonika und Gitarre. Mit der Harmonika und der Gitarre verbinde ich eine große Leidenschaft zur Oberkrainer Musik, weshalb mir diese Instrumente besonders am Herzen liegen. Die Harmonika fasziniert mich schon seit jeher, da sie unglaublich vielseitig ist – vom fröhlichen Kirchtag bis hin zu traurigen Anlässen kann man damit musikalisch alles abdecken. Das Schlagzeug wiederum ist für mich eines der coolsten Instrumente auf der Bühne, auch weil es optisch einfach viel hergibt und mir diese Energie besonders gefällt.“

Was unterschätzen Leute an der Volksmusik?
„Ich glaube, viele unterschätzen, was Musik tatsächlich bewirken kann. Ich habe das große Glück, im Rahmen meiner Selbstständigkeit auch für ein Streamingportal in Los Angeles zu arbeiten. Dort entwickeln wir gemeinsam mit Psychologen, Ärzten und Universitäten spezielle Musik für Frühgeborene, um deren Herzfrequenz zu senken. Es ist unglaublich spannend und beeindruckend, welche Wirkung Musik in solchen Bereichen entfalten kann.“

Weißt du noch, wann du das erste Mal gedacht hast: „Das taugt mir richtig“?
Das war schon in meiner Kindheit. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als kleiner Bub eine VHS-Videokassette von den Zillertaler Schürzenjägern bekommen habe. Als ich darauf das große Schlagzeug mit den vielen Becken und Trommeln gesehen habe, war für mich sofort klar: Das will ich auch machen – ich werde Schlagzeuger. Bis heute bin ich ein großer Fan und habe großen Respekt vor dem, was diese Musiker damals erreicht haben, etwa Konzerte mit bis zu 100.000 Besuchern.

Wie lange schon bei der Combo?
Ich bin mittlerweile seit elf Jahren aktiv mit der Combo auf der Bühne unterwegs.

Wie bringst du Job und Musik unter einen Hut?
Ich habe das große Glück, selbstständig als Harmonika-Lehrer tätig zu sein, wodurch ich mir vieles flexibel einteilen kann. Trotzdem muss man ehrlich sagen: Mit zahlreichen Zusatzprojekten neben der Combo komme ich auf rund 70 Auftritte pro Jahr. Da weiß man es dann durchaus zu schätzen, wenn man zwischendurch auch einmal ein ruhiges Wochenende genießen kann.

Wo siehst du dich in ein paar Jahren – immer noch auf der Bühne?
Auf jeden Fall, ja – allerdings vermutlich nicht mehr in diesem Ausmaß wie aktuell. 70 bis 80 Auftritte pro Jahr sind körperlich schon sehr fordernd, vor allem durch die vielen Stunden im Auto und die Belastung rund um die Auftritte. In den nächsten Jahren werde ich sicher etwas kürzertreten. Trotzdem liebe ich die Bühne, fühle mich dort wohl und mache leidenschaftlich gern Livemusik – und ich hoffe, dass mich das, sofern es meine Gesundheit zulässt, mein ganzes Leben begleiten wird.

Was würdest du dir für die Volksmusik in der Region wünschen?
Ich wünsche mir, dass der aktuelle Aufwärtstrend weiterhin so stark gelebt wird wie jetzt. In unserer Harmonikaschule haben wir über 100 Schüler, die steirische Harmonika lernen, und auch Landjugenden und Burschenschaften erleben einen deutlichen Aufschwung. Es ist schön zu sehen, dass man sich nicht mehr schämen muss, in Tracht – also Dirndl oder Lederhose – auf Veranstaltungen zu gehen. Genau diese Entwicklung sollte weitergehen, und ich denke, dass auch wir eine gewisse Vorbildwirkung für die nächste Generation haben.

Heimo Platzner liebt die Bühne und ist Teil der Combo | Foto: Henry Wellisch
  • Heimo Platzner liebt die Bühne und ist Teil der Combo
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Matthias Kreuger: „Ich habe das Gefühl, dass dieses Instrument bei jungen Leuten immer beliebter wird.“
„Seit achtzehn Jahren spiele ich die Steirische Harmonika. Dazu gebracht haben mich mein Opa und ein Nachbar. Mit zwölf Jahren habe ich bereits bei der Landjugend gespielt, weil wir damals keinen Harmonika-Spieler hatten und ich eingesprungen bin. Heute spiele ich hauptsächlich in meiner Freizeit, zum Beispiel bei verschiedenen Kirchtagen oder bei der Bauerngman. Das lässt sich gut mit meinem Beruf vereinbaren – es ist einfach meine Leidenschaft.“

Wie siehst du die Zukunft der Volksmusik?
„Ich habe das Gefühl, dass die Volksmusik bei den jungen Leuten immer beliebter wird. Viele beginnen, ein Instrument zu lernen, und man merkt, dass das Brauchtum in der heutigen Zeit wieder mehr geschätzt wird. Mein Ziel ist es auf alle Fälle weiterzuspielen und vielleicht auch andere in meinem Umfeld für ein Musikinstrument zu begeistern.“

Matthias Kreuger: „Ich habe das Gefühl, dass dieses Instrument bei jungen Leuten immer beliebter wird.“ | Foto: Privat
  • Matthias Kreuger: „Ich habe das Gefühl, dass dieses Instrument bei jungen Leuten immer beliebter wird.“
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Haben uns einen Einblick in ihre Leidenschaft gegeben: Manuel Wieltschnig, Michael Pinter, Heimo Platzner und Matthias Kreuger
Manuel Wieltschnig ist seit seinem 12 Lebensjahr auf der Bühne. | Foto: Die jungen Wernberger
Michael Pinter ist Teil der Karawankenbären. | Foto: Privat
Heimo Platzner liebt die Bühne und ist Teil der Combo | Foto: Henry Wellisch
Matthias Kreuger: „Ich habe das Gefühl, dass dieses Instrument bei jungen Leuten immer beliebter wird.“ | Foto: Privat
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