Anhaltende Trockenheit im Bezirk Villach
"Zehntägiger Dauerregen wäre die einzige Lösung"

Auch das jüngste Regenereignis konnte nichts daran ändern, dass unsere Äcker, Wiesen und Wälder viel zu trocken sind. | Foto: Adobe Stock/Zerbor
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  • Auch das jüngste Regenereignis konnte nichts daran ändern, dass unsere Äcker, Wiesen und Wälder viel zu trocken sind.
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Die anhaltende Trockenheit setzt auch die Meteorologen unter Druck. Regen kündigt sich immer wieder an, kommt letzten Endes aber nicht.

VILLACH, VILLACH LAND. Dahinschmelzende Gletscher, Waldbrände auf dem laufenden Band und Landwirtschaftsflächen, die einer Wüstenlandschaft gleichen. Im Interview mit MeinBezirk Villach verrät Meteorologe Gerhard Hohenwarter (Geosphere Austria) alles über eine Trockenperiode, die wohl weiterhin ihresgleichen sucht.

MeinBezirk: Wo stehen wir aktuell, was den Niederschlag anbelangt?
Gerhard Hohenwarter: Der heurige Februar hat sein Soll erfüllt. Da hat es sogar überdurchschnittlich viel Niederschlag gegeben. Das Problem ist, dass es sich um einen Wintermonat handelt, der mengenmäßig nicht so viel zusammenbringt. In Villach hatten wir von Anfang März bis Ende April die trockenste Phase der letzten 80 Jahre.

"In Villach bräuchten wir zehn Tage Dauerregen, um das Minus auszugleichen" – Gerhard Hohenwarter, Geosphere Austria | Foto: Privat
  • "In Villach bräuchten wir zehn Tage Dauerregen, um das Minus auszugleichen" – Gerhard Hohenwarter, Geosphere Austria
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Führen wir damit die Liste der Negativrekorde an?
Egal, wo man in Kärnten hinschaut – in den vergangenen 365 Tagen ist außergewöhnlich wenig Regen beziehungsweise Schnee gefallen. Heuer hatten wir statt durchschnittlich 1.150 Millimeter pro Quadratmeter nur 720. Sogar diese verdanken wir dem eineinhalb tägigen Regenereignis der letzten Woche.

In Villach brannte es unlängst am Tabor, in Oberkärnten – überspitzt formuliert – der halbe Wald des Lesachtals...
Im Lesachtal haben Hubschrauber von Freitag bis Sonntag zwei Millionen Liter Wasser abgeworfen. Auf das gesamte Waldbrandgebiet aufgerechnet, wären das zwei Liter pro Quadratmeter. Seit Oktober fehlen allerdings 366 Liter pro Quadratmeter. Auch in Villach hat es in den vergangenen 365 Tagen nur 720 Liter pro Quadratmeter geregnet. Der bisherige Negativrekord waren 760 Liter.

Wie ist es möglich, dass es dermaßen wenig regnet?
Das Problem ist die Kombination aus weniger Niederschlag und höheren Temperaturen. Noch im Jahr 2001 war es im Mittel um 1,5 Grad kühler. Heuer hatten wir im April schon vier Sommertage und letztes Wochenende kamen die nächsten dazu. In Kombination mit dem Wind verdunstet auch noch sehr viel Wasser. Und dann kommt der vom Menschen gemachte Klimawandel dazu.

Ist eine Besserung in Aussicht?
Die Regenmengen sind in unseren Breitengraden so bescheiden, dass nicht einmal 1 Prozent von dem zusammenkommt, was fehlt. Im Bezirk Villach bräuchten wir zehn Tage Dauerregen, um das Minus auszugleichen. Langzeitmodelle deuten immer wieder Regen an, der sich dann aber leider als Fehlanzeige outet. Für uns Meteorologen ist das eine spannende, aber herausfordernde Zeit, weil sich die Wetterlage einfach nicht umstellt.

Wird im Sommer wieder ein Hitzetag den nächsten jagen?
Je trockener der Frühling ist, umso größer ist die Gefahr, dass auch der Sommer trocken und heiß wird. Die Gefahr einer enormen Hitzebelastung ist absolut gegeben. Wie Menschen, schwitzt auch die Natur. Aber wenn kein Wasser vorhanden ist, dass verdunsten kann, dann mündet das in wenig Niederschlag, weil der Kreislauf unterbrochen ist. Zudem kommt es im Sommer selten vor, dass Tiefdruckgebiete vom Atlantik zu uns kommen.

Hat der Regen letzte Woche zumindest den massiven Blütenstaub beseitigt?
Um die Baumblüte wegzuwaschen, hat es gereicht. Aber jede Trockenphase hat den Nebenaspekt, dass die Staubbelastung zunimmt.

Johannes Moser, Hydrografischer Dienst Kärnten | Foto: Privat
  • Johannes Moser, Hydrografischer Dienst Kärnten
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Auch Hydrografie besorgt

Dass der leichte Regen letzte Woche der Vegetation in Ober- und Mittelkärnten gutgetan hat, für eine Aufbesserung des Wasserhaushaltes allerdings nicht ausgereicht hat, bestätigt auch Johannes Moser vom Hydrografischen Dienst (Abteilung 12 des Landes). "Aufgrund der außergewöhnlich langen Trockenheit bewegen wir uns bei den Abflüssen und Wasserständen in den Gewässern und beim Grundwasser nach wie vor im unteren saisonalen Niederwasserbereich. Das Abflussdefizit beträgt 35 bis 45 Prozent gegenüber der Periode 1991 bis 2020", verrät Moser: "In den Tauern etwas geringer und in Unterkärnten, im Glan- und Gurktal sowie im Lavanttal sogar etwas darüber. Nur Gewässer, die aus dem Gebirge entspringen, wie zum Beispiel die Karawankenbache, Tauernbäche etc. profitieren noch von der Schneeschmelze."

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Speicherteiche als letzte Chance?

Die Trockenperiode hat auch Auswirkungen auf die Wassertemperatur in unseren Seen. Moser: "Bei den Wassertemperaturen, wie am Ossiacher See, Faaker See oder Wörthersee, liegen wir heuer etwa 1,5 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Im Vorjahr lag die Wassertemperatur noch 1 Grad darüber. Die Erwärmung des Wassers schreitet ähnlich der Lufttemperaturerwärmung stetig voran. Erst ein paar deutlich überdurchschnittliche (verregnete, Anm.) Monatsniederschläge würden die Situation im Wasserhaushalt wesentlich verbessern." Für Bauern und Landwirte wird Bewässerung immer mehr zum Gebot der Stunde. Moser: "Gemüse- und Obstbauern machen das eh schon. Zukünftig wird das aber in der gesamten Landwirtschaft immer mehr Thema werden. Wenn auch unsere Bäche wenig Wasser führen, könnten Speicherteiche eine Antwort sein – ähnlich wie in den Skigebieten, wo beschneit wird."

Auch das jüngste Regenereignis konnte nichts daran ändern, dass unsere Äcker, Wiesen und Wälder viel zu trocken sind. | Foto: Adobe Stock/Zerbor
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