Senkung der Lohnnebenkosten
Reicht die Entlastung für Österreichs Betriebe?

2028 sollen die Lohnnebenkosten für Unternehmen gesenkt werden: Was sagen Villachs Unternehmerinnen und Unternehmer dazu? | Foto: stock.adobe/Zerbor
4Bilder
  • 2028 sollen die Lohnnebenkosten für Unternehmen gesenkt werden: Was sagen Villachs Unternehmerinnen und Unternehmer dazu?
  • Foto: stock.adobe/Zerbor
  • hochgeladen von Michaela Erlacher, BA

Ab 2028 soll der Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) von 3,7 auf 2,7 Prozent sinken. Die Bundesregierung verspricht sich davon eine spürbare Entlastung der Unternehmen und positive Impulse für Beschäftigung und den Wirtschaftsstandort. Doch reicht diese Maßnahme aus? MeinBezirk.at hat nachgefragt, was Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region dazu sagen.

VILLACH/KÄRNTEN/ÖSTERREICH. Über Lohnnebenkosten wird derzeit viel diskutiert – doch was steckt eigentlich dahinter? Lohnnebenkosten sind jene Abgaben, die Arbeitgeber zusätzlich zum Bruttolohn ihrer Beschäftigten leisten. Dazu zählen unter anderem Beiträge zur Sozialversicherung sowie der Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF). Ab dem Jahr 2028 soll dieser Dienstgeberbeitrag um einen Prozentpunkt sinken – von derzeit 3,7 auf 2,7 Prozent. Nach Angaben der Wirtschaftskammer würde dies die österreichischen Unternehmen insgesamt um rund zwei Milliarden Euro jährlich entlasten. Befürworter erwarten dadurch geringere Arbeitskosten, bessere Voraussetzungen für Neueinstellungen sowie eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Österreich. Gleichzeitig verweisen Kritiker darauf, dass Unternehmen in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Kostensteigerungen konfrontiert waren und eine Senkung um einen Prozentpunkt daher nur ein erster Schritt sei.

"Ein Mitarbeiter kostet weit mehr als sein Gehalt"

Thomas Rettl, Geschäftsführer von Rettl 1868, sieht die Diskussion differenziert. Aus seiner Sicht werde häufig unterschätzt, welche Kosten neben dem eigentlichen Gehalt für einen Arbeitgeber entstehen. Zusätzlich zu den 14 Gehältern fallen unter anderem Sozialabgaben und weitere verpflichtende Beiträge an. Urlaub, Krankenstände und andere Ausfallzeiten gehörten ebenso zur betrieblichen Realität. Dadurch sei ein Mitarbeiter zwar das wichtigste Kapital eines Unternehmens, gleichzeitig aber auch ein erheblicher Kostenfaktor. Rettl spricht sich deshalb für eine umfassendere Entlastung von Arbeit aus. Gleichzeitig verweist er darauf, dass sich Mehrarbeit sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber stärker lohnen sollte. Zusätzliche Belastungen würden oft dazu führen, dass Bereitschaft zu zusätzlicher Arbeit oder Beschäftigung verloren gehe.

Thomas Rettl (r.) sieht hohen Handlungsbedarf. | Foto: Foto Knaus
  • Thomas Rettl (r.) sieht hohen Handlungsbedarf.
  • Foto: Foto Knaus
  • hochgeladen von Bernhard Knaus

"Planung wird immer schwieriger"

Für Birgit Winding, Geschäftsführerin der Südrast Dreiländerecke, hat sich das wirtschaftliche Umfeld in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert. Während Betriebe früher langfristiger planen konnten, müssten sie heute laufend auf neue Herausforderungen reagieren. Gestiegene Energiepreise, höhere Personalkosten, Versicherungen sowie sinkende Kaufkraft würden die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen erschweren. Die angekündigte Senkung des Dienstgeberbeitrags bewertet sie zwar als positives Signal, hält sie aber für nicht ausreichend. Nicht die Löhne der Mitarbeiter seien das Problem – diese seien verdient –, sondern die gesamten Personalkosten, die Arbeitgeber zusätzlich tragen müssten. Dadurch werde jede Neueinstellung genau abgewogen. Bleiben Stellen unbesetzt, steige die Belastung für die bestehende Belegschaft. Winding wünscht sich daher langfristige Reformen, die Arbeit insgesamt wieder leistbarer machen und Betrieben mehr Planungssicherheit geben.

Birgit Winding fordert langfristig mehr Entlastung. | Foto: Privat

"Kleine Betriebe brauchen mehr Unterstützung"

Josef Rampler führt seinen Familienbetrieb seit mehr als fünf Jahrzehnten. Für ihn stehen nicht in erster Linie die Löhne im Mittelpunkt der Diskussion. Gute Mitarbeiter hätten selbstverständlich eine faire Bezahlung verdient. Vielmehr wünscht er sich politische Rahmenbedingungen, die insbesondere kleinere und mittlere Betriebe stärker unterstützen. Kritisch sieht Rampler vor allem den bürokratischen Aufwand und fehlende Planungssicherheit. Unternehmer müssten heute oftmals selbst überall mitanpacken und gleichzeitig immer neue Vorgaben erfüllen. Wer Arbeitsplätze sichern wolle, müsse daher nicht nur über einzelne Abgaben sprechen, sondern auch darüber, wie Betriebe insgesamt entlastet werden können.

Josef Rampler (l.) wünscht sich mehr Unterstützung. | Foto: MeinBezirk.at/Chiara Kresse
  • Josef Rampler (l.) wünscht sich mehr Unterstützung.
  • Foto: MeinBezirk.at/Chiara Kresse
  • hochgeladen von Michaela Erlacher, BA

Entlastung ja – aber reicht sie?

Dass die Senkung des Dienstgeberbeitrags ab 2028 für viele Unternehmen eine finanzielle Entlastung bringen kann, steht außer Frage. Ob sie jedoch ausreicht, um Beschäftigung langfristig zu fördern und den Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken, darüber gehen die Meinungen auseinander. Während die Bundesregierung und die Wirtschaftskammer darin einen wichtigen Schritt sehen, wünschen sich die befragten Unternehmer aus der Region weitergehende Maßnahmen – von einer stärkeren Senkung der Lohnnebenkosten über weniger Bürokratie bis hin zu mehr Planbarkeit für Betriebe.

2028 sollen die Lohnnebenkosten für Unternehmen gesenkt werden: Was sagen Villachs Unternehmerinnen und Unternehmer dazu? | Foto: stock.adobe/Zerbor
Thomas Rettl (r.) sieht hohen Handlungsbedarf. | Foto: Foto Knaus
Birgit Winding fordert langfristig mehr Entlastung. | Foto: Privat
Josef Rampler (l.) wünscht sich mehr Unterstützung. | Foto: MeinBezirk.at/Chiara Kresse
Anzeige
Weihnachtsgeschenke für Firmen
9

Jetzt schon an Weihnachten denken
Firmen schenken Gewürze von STAY SPICED!

Auch Unternehmen stehen jedes Jahr vor derselben Frage: Was schenkt man Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Kundinnen und Kunden zu Weihnachten? Neben Pralinen, Wein oder klassischen Werbegeschenken gibt es mit den hochwertigen Geschenkboxen von STAY SPICED! eine außergewöhnliche Alternative. Wer nachhaltig in Erinnerung bleiben möchte, setzt auf ein Geschenk, das Freude bereitet und im Alltag regelmäßig verwendet wird. Die Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenk beginnt in vielen...

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?

Werde Regionaut!

Jetzt registrieren

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.