Landwirtschaftskammerwahl
Es geht um 15 Plätze in der Bezirkskammer

Der Bauernbund präsentierte im Bezirk Voitsberg seine Liste bei Herbstwein in Krottendorf-Gaisfeld. | Foto: Almer
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Am 25. Jänner wird die Bauernvertretung auf Landes- und Bezirksebene gewählt. Es geht um 15 Plätze in der Bezirkskammer Voitsberg und natürlich auch um Sitze in der Landeskammer. Mit der FPÖ, ÖVP, SPÖ, den Grünen und den Unabhängigen rittern fünf Gruppierungen im Bezirk Voitsberg um die 5.461 stimmberechtigten Personen. Die Briefwahl läuft bereits und geht noch bis 20. Jänner.

VOITSBERG. Großkampftag für die weststeirischen Bauernvertreterinnen und -vertreter, denn binnen 24 Stunden präsentierten alle fünf Parteien bzw. Listen ihre Bezirkskandidatinnen und -kandidaten sowie ihre Schwerpunkte. Die FPÖ rund um Bezirksspitzenkandidaten Stefan Ulz lud ins Voitsberger Bezirksbüro. Zusammen mit dem steirischen Spitzenkandidaten NAbg. Albert Royer und Bezirksboss NAbg. Markus Leinfellner zeigten sie einige Brennpunkte im bäuerlichen Leben auf und kritisierten vor allem den dominierenden Bauernbund.

Albert Royer und Stefan Ulz als Bauernvertreter mit NAbg. Markus Leinfellner | Foto: Almer
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Während die Zahl der forstwirtschaftlichen Betriebe in Österreich in den letzten fünf Jahren zulegte, rutschten die landwirtschaftlichen Betriebe um 8,8 Prozent ab. Das Bauernsterben geht mit Einkommenseinbußen einher, so liegen die Bergbauern um 17 Prozent unter dem Einkommensdurchschnitt. Spitzenkandidat Ulz istVollerwerbsbauer mit Mutterkuhbetrieb in Hirschegg-Pack und glaubt, dass seine Liste viele Sympathisantinnen und Sympathisanten hat. "Als Kandidat wagen sie sich nicht aus der Deckung, weil viele aktive Landwirte von Krediten der ÖVP-nahen Raiffeisenbank sind", glaubt Leinfellner.

Schwerpunkte sind die ungerechten Importlösungen von ukrainischen Produkten, der Mangel an Großtierärzten, dringliche Erleichterungen bei Stallbauten - die Stallbaukosten haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt - und der Umgang in der Almwirtschaft mit Luchs, Schakal und Wolf. Mit Mercorsur haben die FPÖ-Bauern natürlich auch keine Freude. 

Präsentation bei Herbstwein

Wenig später lud der Bauernbund zur Präsentation bei Herbstwein in luftiger Krottendorfer Höhe. Der neue Bezirkskammerobmann Markus Kollmann, vielseitiger Biobauer in Piberegg, hatte mit Andreas Steinegger und Maria Pein die steirische Landesspitze mitgebracht, mit den Bürgermeistern Roman Neumann (Ligist) und Erwin Dirnberger (Söding-St. Johann) befinden sich wie Bezirksbäuerin Anita Suppanschitz - sie ist an dritter Stelle der Landesliste für die Landeskammer - prominente Namen auf der Bezirksliste.

Der neue Bezirkskammerobmann Markus Kollmann präzisierte seine Forderungen und Schwerpunkte. | Foto: Almer
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Der mit 57.000 Hektar landwirtschaftliche Betriebsfläche eher kleine Bezirk Voitsberg ist unglaublich kleinstrukturiert und punktet dank seiner Vielfalt. Pein und Kollmann betonten die 27 Prozent Frauenanteil an der Liste, gerade in der Bildung, zum Beispiel bei den Seminarbäuerinnen, ist der weibliche Anteil hoch, ebenso in der Direktvermarktung. Steinegger bekräftigte sein Nein zum Mercorsur-Pakt. Für Kollmann ist ebenfalls der Mangel an Großtierärzten ein Thema, dazu kommt die Entwaldungsverordnung als bürokratisches Monster, die Forderung einer Almauftriebsprämie, denn die Pflege der Almen muss abgegolten werden. Und zu guter Letzt der Schutz des Eigentums, das gerade auf den Almen ein gesellschaftliches Thema ist.

Ehemaliger Gestütsleiter als Listenführer

Den Unabhängigen Bauernverband Steiermark (UBV) vertritt im Bezirk Voitsberg der ehemalige Piberer Gestütsleiter (von 2001 bis 2005) Alfred Pischler. Der Agraringenieur sammelte in Australien Auslandserfahrung und ist jetzt Beamter der Justizverwaltung (Controlling und Arbeitswesen der Insassen). Seit 1993 ist er Nebenserwerbsbauer auf seinem Bergbauernhof in Kemetberg mit Schwerpunkt Pferdehaltung und Pferdezucht (Trakehner). "Für mich ist wichtig, dass der UBV eine Bauernvertretung darstellt, die unabhängig von politischen Parteien agiert. Das bietet mehr Möglichkeiten, die existenziell notwendigen Interessen und Bedürfnisse der Landwirtinnen und Landwirte in solche turbulenten Zeiten unbeeindruckt von möglichen Parteistrategien ehrlich vertreten zu können, und auch viele Teile der Gesellschaft. Denn stirbt der Bauer, stirbt das Land."

Der ehemalige Gestütsleiter Alfred Pischler ist Vertreter des Unabhängigen Bauernverbands. | Foto: UBV
  • Der ehemalige Gestütsleiter Alfred Pischler ist Vertreter des Unabhängigen Bauernverbands.
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Die UBV-Schwerpunkte sind die kritische Sichtweise der EU-Agrarpolitik wie Mercosur, Ukraine, Entwaldungsverordnung, Renaturierungsgesetz und der Importverbot von Lebensmitteln, die nicht nach Standards produziert werden, wie der UBV für einheimische Landwirte fordert. Weiters ein gesichertes landwirtschaftliches Einkommen, ein faires Verhältnis von Produzenten- zum Konsumentenpreis und ein bäuerliches Grundeinkommen sowie keine Kürzung der Bauernpensionen durch ein fiktives Ausgedinge. Weiters: uneingeschränkter Anspruch auf Arbeitslosengeld und keine verpflichtende doppelte Krankenversicherung. 

B70 neu als Wahlkampfthema

Die Grünen stellen mit dem Stallhofener Gemeinderat Markus Amreich den Listenführer im Bezirk Voitsberg, der auch Betriebsführer am elterlichen Hof ist. Wie schon Bürgermeister Erwin Dirnberger aus Söding-St. Johann vermutete, macht Amreich die B70 zum Wahlkampfthema. "Viele Betriebe sichern ihre Existenz durch Nebenerwerb ab und halten die Bewirtschaftung mit viel Fleiß und Herzblut aufrecht. Mit klarem Fokus auf nachhaltige Nutzung von Boden und Flächen. Gerade fruchtbare Ackerböden sind dafür die zentrale Grundlage."

Der Grünen-Gemeinderat Markus Amreich aus Stallhofen kämpft gegen die neue B70-Trasse. | Foto: Die Grünen
  • Der Grünen-Gemeinderat Markus Amreich aus Stallhofen kämpft gegen die neue B70-Trasse.
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Der geplante Bau der B70 neu greift genau in diese Grundlage ein. Für Amreich ist klar: Ackerboden ist keine Reservefläche für Straßenprojekte. Der Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen und die drohende Enteignung  sind für ihn keine Option. "Wenn Höfe ihre Flächen verlieren, geht es nicht um ein abstraktes Projekt, sondern um konkrete Existenzen. Hier braucht es eine Landwirtschaftskammer, die sich klar vor die betroffenen Betriebe stellt und Bodenschutz auch dann einfordert, wenn es unbequem wird", so Amreich. 

Reduktion der Bürokratie gefordert

Der Krottendorfer Robert Wagnest ist Listenführer der SPÖ-Bauern im Bezirk Voitsberg. Seine Schwerpunkte sind ein klares Bekenntnis zur kleinstrukturierten Landwirtschaft in der Steiermark, die Privilegien in der Landwirtschaftskammer Steiermark abschaffen und die Reduktion der Bürokratie und des Verwaltungsaufwands für Familienbetriebe. Unterstützung erhält er von NAbg. Jochen Bocksruker, der im Landtag landwirtschaftlicher Sprecher der SPÖ ist.

LAbg. Jochen Bocksruker mit SPÖ-Bauernvertreter Robert Wagnest | Foto: SPÖ Steiermark
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