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Ablenkung am Steuer - der Lockvogel-Test (mit Umfrage!)

Am Schluss hat er uns doch durchschaut: "Du machst jetzt aber net diese Ablenkungs-Gschicht mit mir?"
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Tippen am Smartphone, ein bockiges Autoradio und herunterfallende Gegenstände: Wir testen Kollegen, wovon sie sich am Steuer ablenken lassen.

BEZIRK WAIDHOFEN. Jeder dritte Verkehrsunfall in Niederösterreich passiert, weil jemand hinterm Lenkrad abgelenkt ist: Die Kinder tollen auf der Rückbank herum, der Facebook-Status der Freundin ist einfach zu spannend und auf eine Whatsapp nicht gleich zu antworten ist einfach unhöflich.

All das lenkt ab, während man eigentlich sicher durch den Verkehr kommen sollte. Und doch ist die Sache ganz einfach: Jede Sekunde, die wir abgelenkt sind, fährt unser Auto bei 100 km/h ganze 28 Meter weiter. Doch noch immer gilt Unachtsamkeit am Steuer als Kavaliersdelikt. Ein Kavaliersdelikt, das allein in Niederösterreich im vergangenen Jahr 16 Menschenleben gekostet hat. Wir haben einen unserer Kollegen beim Fahren beobachtet und welchen „Nebenbeschäftigungen“ er dabei nachgeht.



Schaut der überhaupt auf die Straße?

Einigen, wie sich herausstellen wird, aber der Reihe nach: Unter dem Vorwand: "Mein Auto macht komische Geräusche, fahr du" bringen wir Kollegen Peter Z. dazu uns zu chauffieren.

Die Strecke soll repräsentativ sein: Rund 20 Kilometer in eine Richtung, also Kurzstrecke, wie sie jeder Autofahrer wahrscheinlich mehrmals wöchentlich fährt. Los fährt der Kollege ja noch vorschriftsgemäß, aber dann geht es auch schon los.

Herr Kollege hat die Finger öfter am Autoradio als am Steuer. Einmal gefällt ihm das Lied nicht, dann will er Podcasts hören, aber Bluetooth spinnt.
  • Herr Kollege hat die Finger öfter am Autoradio als am Steuer. Einmal gefällt ihm das Lied nicht, dann will er Podcasts hören, aber Bluetooth spinnt.
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Weil ihm das aktuelle Lied nicht gefällt, beginnt er am Radio herumzudrücken. Die Ausrede: "Die Verbindung vom Auto mit dem Handy funktioniert manchmal nicht so recht. Da muss man nachhelfen". Dieses "Nachhelfen" dauert seine Zeit und unser Lockvogel ist sich nicht sicher, ob Herr Z. am ersten Kilometer tatsächlich den Asphalt der Straße gesehen hat. Für das herkömmliche Radio ist sich der Herr nämlich zu fein, da muss man schon via Smartphone den richtigen Streamingdienst heranziehen.

Puls-Spitze beim Traktor

Wir passieren eine kleine Ortschaft. Unser Fahrer beginnt zu erzählen, dass er bei einem Stein am Straßenrand immer zusammenzuckt, weil dieser von der Ferne aussieht wie ein Hund, der gleich über die Straße laufen möchte. Also hat er doch zumindest in der Vergangenheit schon einmal auf die Straße geschaut, oder er halluziniert. Und natürlich nimmt er die Hand vom Lenkrad um auf den "Hundestein"zu deuten. Beruhigend ist das alles nicht.

Das ist alles noch harmlos, doch als wir bei der Ortsausfahrt ankommen, biegt vor uns ein Traktor samt Hänger ein. Unser Fahrer braucht bedenklich lange, um darauf zu reagieren und zu bremsen, weil er - richtig geraten - schon wieder den Finger am Smartphone hat. Z. versucht die Nummer seiner Frisörin zu finden und scheitert mal wieder am Bluetooth. Bevor wir im Graben landen, tippen wir die Nummer ein (scheinbar hat Herr Z. das Adressbuch an seinem Telefon noch nicht entdeckt). Immerhin lässt sich die Freisprecheinrichtung doch zum Dienst überreden - also wenigsten Telefonieren mit Handy am Ohr fällt aus. Macht er nie, betont unsere Testperson, "weil das ist ja voll gefährlich." Ja eh.

Weg mit dem Smartphone!

Kurz vor dem Ende unserer Fahrt löst sich das Smartphone-Problem von selbst: Es fällt runter und rutscht unter den Sitz. Unser Redakteur versucht natürlich noch nach dem Gerät zu tasten, erwischt es aber während der Fahrt glücklicherweise nicht.

Na immerhin das mit dem Schulterblick funktioniert.
  • Na immerhin das mit dem Schulterblick funktioniert.
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Insgesamt zählen wir fünf größere "Nebenbeschäftigungen" unseres Kollegen während einer 20 Kilometer langen Fahrt. Also alle zwei Kilometer ein Griff zum Handy, ans Radio, oder den Hebel für die Sitzposition. Kleinigkeiten, wie das tastende Suchen nach der Wasserflasche im Getränkehalter oder Taschentüchern sind da noch nicht eingerechnet.

Als unser Lockvogel Fotos macht, dämmert es unserem Versuchskaninchen: "Ihr machts jetzt aber net diese Ablenkungs-Gschicht mit mir?". Doch, machen wir. Wenigstens gibt sich Peter Z. aufgrund des vernichtenden Urteils unserer kurzen Fahrt reuig: "Mir fällt es gar nicht mehr auf, wie oft ich tatsächlich zum Smartphone greife. Das ist wie Reflex: Kaum piept's greifst auch schon hin."

2.379 Menschen verletzt

Wie gefährlich dieser "Reflex" sein kann, zeigt ein Blick in die aktuelle Unfallstatistik. Mit Abstand die meisten Unfälle mit Personenschäden kommen durch Ablenkungen zustande. 2.379 Menschen wurden in Niederösterreich bei Unfällen durch Ablenkung verletzt. 493 davon schwer. 16 Menschen verloren ihr Leben.

Immerhin konnten wir hoffentlich unser Versuchskaninchen überzeugen: "Ich muss mehr darauf achten. In Zukunft geht das Handy während der Fahrt auf lautlos und bleibt wo es ist",  verspricht Herr Z. Die Autorin wird ihn dran erinnern.

SAGER-KASTL GEWINNFRAGE

Gewinnfrage #8
Eine der größten Ablenkungen beim Autofahren ist das Tippen am _____?

Autor:

Lena Kendler aus Waidhofen/Thaya

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