So überleben Sie einen Besuch im Waldviertler Gasthaus

Verärgern Sie niemals den Koch!
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WALDVIERTEL. Wir Waldviertler sind bekanntlich das gastfreundlichste Volk der Welt. Also sind wir natürlich mehr als froh, Sie als unseren Besucher herzlich willkommen zu heißen. In Ihrem Urlaub wollen Sie natürlich auch die kulinarischen Genüsse der besten Region des ganzen bekannten Universums genießen. Sie gehen also in ein typisches Waldviertler Wirtshaus - eine gute Entscheidung. Doch auch hier gibt es einige Dinge, die Sie unbedingt beachten sollten.

1. Es heißt Wirtshaus und nicht Gasthaus

Die wichtigste Regel zuerst: spielen Sie sich nicht auf, als wären Sie der Boss. Schließlich sind Sie Gast und der Betreiber ist der Chef. Ist doch logisch, oder? Also, bevor Sie den Wirt verärgern, indem Sie sich lautstark über das Ambiente, seine Kochkünste oder ein schlecht eingeschenktes Bier beschweren, sollten Sie daran denken. Ansonsten bekommen Sie es nämlich schnell mit der Budl-Partie zu tun.

Ein Budl-Profi: Selbst schlafend hält er sich noch an der Flasche fest.



2. Die Budlpartie

Kein echtes Waldviertler Wirtshaus kommt ohne sie aus: die Stammgäste. Meist handelt es sich um Personen etwas fortgeschritteneren Alters, die ihre rechtschaffen erarbeitete Pension in Seidl oder Krügerl investiert. Sie treten meist in Zweier- oder Dreiergruppen auf, können aber auch allein vorkommen. Das Erkennungsmerkmal: man sieht sie nie an einem Tisch sitzen, sondern lungern lässig an der Budl (Bar für alle Nichtwaldviertler) herum und zeichnen sich durch ein ausgesprochenes Kommunikationsbedürfnis aus. Da ist ein unbekannter Gast natürlich eine willkommene Abwechslung. Fortgeschrittene Budl-Profis erkennt man übrigens daran, dass sie ihr Bier immer noch festhalten, selbst wenn sie schon mit dem Kopf auf der Tischplatte schlafen.

Semmelknödel zum Schweinsbraten? Niemals!

3. Der Eapfiknedl

Sie haben also Ihre Lieblingsspeise auf der Karte gefunden. Großartig! Bevor Sie bestellen, gehen Sie aber bitte in sich und überdenken Sie noch einmal, ob Sie wirklich Semmelknödel zu Ihrem Schweinsbraten wollen. Das ist nämlich eine Todsünde an Waldviertler Esskultur, denn bei uns isst man Erdäpfelknödel (sprich: Eapfiknedl). Und falls Sie aus dem Westen kommen: Schnitzel gibt es bei uns nicht mit Reis. Niemals. Bei uns herrscht König Eapfisalat!

Nein, auch wir haben keine Ahnung, was das sein soll. Lassen Sie die Molekularküche lieber daheim.

4. Seien Sie kein kulinarischer Vollpfosten

Wenn Sie in ein Restaurant gehen und dort gleich einmal fragen, welcher japanische Molekular-Koch das heutige Menü designt hat oder darauf bestehen, dass Ihr Heidelbeersorbeé ausschließlich mit flüssigem Stickstoff gekühlt wird, dann tun Sie sich (und den Waldviertlern) einen Gefallen und bleiben Sie lieber zuhause. Ein Waldviertler Wirtshaus ist schließlich kein Chemiebaukasten!

Was ist diesem armen Schnitzel passiert?

5. Backhendlsalat ist vegetarisch!

Jeder hat doch diesen einen Freund, der alle fünf Minuten lautstark darauf hinweisen muss, dass er seit fast drei Wochen vegan lebt. Gasthausbesuche mit einer solchen Nervensäge im Schlepptau sind schon außerhalb des Waldviertels ein Erlebnis. Bei uns kommen Sie mit solchen Hipster-Allüren nicht weit. Das vegetarischste auf vielen Speisekarten ist nämlich der Backhendlsalat. Sagen Sie Ihrem Freund einfach, der sei eh aus Soja, während Sie Ihre Blunzngröstl genießen.

Dieser Frosch hat offensichtlich den Zerhacker nicht vertragen.

6. Schnaps ist Pflicht

Ja, keiner unserer Überlebensratgeber kommt ohne den Waldviertler Schnaps aus. Wie? Sie sind zum Essen gekommen und nicht um sich zu betrinken? Das werden wir schon noch sehen, denn nach einer ausgiebigen Waldviertler Mahlzeit gehört der "Zerhacker" einfach dazu. Was? Sie trinken nie Alkohol zu Mittag? Dann ist es eh höchste Zeit das zu ändern! Doch Vorsicht, auch wenn Sie sich für einen halbwegs trinkfesten Menschen halten, sollten Sie im Waldviertel vorsichtig sein, bevor Ihr Selbstbild völlig zerstört wird.

Zwettler oder Schremser? Mehr als nur eine Glaubensfrage.

7. Die Glaubensfrage

Die Wahl des richtigen Bieres ist im Waldviertel keine Bagatelle. Zwischen der Frage "Zwettler oder Schremser" sollen sich der Legende nach regelrechte Glaubenskriege abspielen. Während die einen auf Ihr Lieblingsbier schwören, ist es für die anderen ein untrinkbares G‘schloder. Wenn Sie also keine Ahnung haben, lassen Sie sich bloß nicht auf Diskussionen ein, aber machen Sie bloß keine Kompromisse: Wenn Sie lautstark betonen sonst nur Wieselburger zu trinken, bringen Sie beide Waldviertler Bierfraktionen gegen sich auf.

Mehr hilfreiche Überlebenstipps finden Sie hier.

Autor:

Peter Zellinger aus Waidhofen/Thaya

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